Berlin

Amy Gutmann wird neue Botschafterin

US-Präsident Joe Biden hat seine Wahl getroffen: Die 71-jährige Amy Gutmann soll neue Botschafterin in Deutschland werden.

US-Präsident Joe Biden will die 71-jährige Amy Gutmann zur neuen Botschafterin in Berlin ernennen. Das berichtete »Der Spiegel« am Mittwoch unter Berufung auf deutsche und amerikanische Regierungskreise. Das sogenannte »Agrément« durch den Bundespräsidenten sei demnach nur noch eine Formsache, so das Nachrichtenmagazin.

FLUCHT AUS NAZI-DEUTSCHLAND Gutmanns Vater Kurt (1910-1964) war jüdisch. Er stammte aus einer Kaufmannsfamilie im fränkischen Feuchtwangen. Als Student floh Kurt Gutmann 1934 vor den Nazis aus Deutschland nach Indien und konnte später drei seiner Brüder sowie deren Frauen nachholen. Bis 1948 lebte er in der Hafenmetropole Bombay (heute Mumbai) und betrieb dort ein Metallwarengeschäft.

Bei einem Aufenthalt in New York 1948 lernte Kurt Gutmann seine spätere Frau Beatrice kennen. Sie heirateten nur wenige Wochen später; ein Jahr später kam ihr erstes Kind, Amy, zur Welt. Gutmann siedelte in die USA über und eröffnete dort einen Altmetallhandel.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ohne den Mut und Weitblick ihres Vaters, Nazi-Deutschland frühzeitig zu verlassen, hätte es sie gar nicht gegeben, sagte Amy Gutmann der »New York Times« im Jahr 2011. »Er sah, was mit Hitler kommen würde, und er nahm seine ganze Familie und ging nach Indien. Das erforderte eine Menge Mut. Das ist immer etwas, was ich im Hinterkopf habe.«

BILDUNGSPOLITIK Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in der Kleinstadt Monroe in der Nähe von New York. Nach einem Bachelor-Studium am Radcliffe College in Cambridge, Massachusetts und einem Master an der London School of Economics and Political Science promovierte Gutmann 1976 an der Harvard University und schlug anschließend eine akademische Laufbahn als Politikwissenschaftlerin ein. Von 1976 bis 2004 lehrte und forschte sie in Princeton, unter anderem zu demokratietheoretischen Fragen.

Anschließend wurde Gutmann zur Präsidentin der University of Pennsylvania (»Penn«) ernannt. Dort erwarb sie sich einen Ruf als Macherin – in den vergangenen Jahren landete die in Philadelphia angesiedelte Universität regelmäßig auf vorderen Plätzen bei Rankings und Evaluierungen.

Gutmanns Vertrag als Rektorin sollte ursprünglich 2019 auslaufen, wurde aber bis 2022 verlängert. Sie hatte es landesweit zu großer Bekanntheit gebracht - vor allem als Befürworterin von bezahlbarer Bildung. So sanken die Studiengebühren während ihrer Amtszeit um rund 20 Prozent, während sie an anderen Universitäten des Landes stiegen.

POLITIK Trotz ihrer 71 Jahre soll die Akademikerin Gutmann nun noch eine zweite Karriere als Diplomatin beginnen. Der Politik in Washington steht sie nicht fern: Die Demokratin hat bereits in der Vergangenheit gemeinsame Auftritte mit Joe Biden absolviert. Während der Präsidentschaft Barack Obamas stand sie der Präsidialen Kommission zu Bioethikfragen vor.

2018 wurde Gutmann vom Magazin »Fortune« als eine der 50 wichtigsten Führungspersönlichkeiten in der Welt benannt. Sie hat zahlreiche Publikationen verfasst, unter anderem über den Wert von Bildung in der Demokratie und zur Rolle der Ethik in der Politik.

Gutmann ist mit dem Politologen Michael W. Doyle verheiratet, der an der Columbia University in New York lehrt. Das Paar hat eine Tochter, die in den akademischen Fußstapfen ihrer Mutter wandelt, allerdings in einem anderen Fachbereich. Abigail Gutmann Doyle ist Professorin für Chemie an der Princeton University. Ihr Studium schloss sie in Harvard mit summa cum laude ab.

Sollte ihre Ernennung vom US-Senat bestätigt werden, würde Amy Gutmann die erste Frau, die die Belange Amerikas in Deutschland vertritt. mth

Lesen Sie mehr über dieses Thema in unserer nächsten Print-Ausgabe am Donnerstag.

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  10.07.2026

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte Trump vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen ihn

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026