Thüringen

Rechtsextreme AfD zerrt Stephan Kramer vor Untersuchungsausschuss

Stephan Kramer ist Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz in Thüringen. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die rechtsextreme AfD setzt im Thüringer Landtag im Alleingang einen Untersuchungsausschuss zur Arbeit des Inlandsgeheimdienstes ein. Im Fokus soll das Agieren von Landesverfassungsschutzpräsident Stephan Kramer stehen, wie aus dem AfD-Antrag hervorgeht, der im Parlament beschlossen wurde.

Das Gremium soll beispielsweise klären, ob Kramer sein Amt zu politischen Zwecken missbrauchte. Der AfD-Abgeordnete Stefan Möller sagte, man nutze den Untersuchungsausschuss, um »die Machenschaften« von Kramer und Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) zu beleuchten.

Linke will Aufklärung über Gefahr durch Höcke-AfD

Bei der Landtagswahl im Herbst 2024 war die AfD mit ihrem Thüringer Chef Björn Höcke stärkste Kraft geworden und hat nun im Landtag so viele Sitze, dass sie allein Untersuchungsausschüsse einsetzen kann. Die anderen Fraktionen können dies nicht verhindern. Die Höcke-AfD wird seit März 2021 vom Thüringer Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.

»Wir werden diesen Untersuchungsausschuss nutzen, um über die Gefährlichkeit und die Gefahr der AfD aufzuklären«, kündigte die Thüringer Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss an.

Landtag umschifft drohende AfD-Blockade

Der Landtag verabschiedete zudem mit einer Mehrheit zwei Gesetzesänderungen, um eine Blockade der AfD bei der Besetzung von Gremien zur Kontrolle des Verfassungsschutzes zu verhindern. Künftig ist keine Zweidrittelmehrheit mehr nötig, um Mitglieder für die parlamentarische Kontrollkommission und für die sogenannte G10-Kommission zu wählen. Die einfache Mehrheit reicht. Damit wird die Sperrminorität der AfD-Fraktion umschifft. Die Änderungen wurden mit Stimmen von CDU, BSW, Linke und SPD angenommen, die AfD stimmte dagegen.

Die parlamentarische Kontrollkommission überwacht die Arbeit des Verfassungsschutzes. Die G10-Kommission kontrolliert zusätzlich, bei welchen Menschen der Verfassungsschutz zum Beispiel Telefone und die Post überwachen darf. Die AfD wäre gern selbst in diesen beiden Gremien vertreten. Für die anderen Fraktionen ist das aber keine Option, da die AfD selbst vom Landesverfassungsschutz beobachtet wird.

Lesen Sie auch

Regeln nach chaotischer Landtagssitzung geändert

Nach den Erfahrungen bei der ersten Landtagssitzung nach der Wahl im Herbst 2024 änderten die Abgeordneten von CDU, BSW, Linke und SPD die Geschäftsordnung des Landtags. Die Sitzung geriet damals unter der Leitung des Alterspräsidenten Jürgen Treutler (AfD) zum Polit-Debakel. Das Spektakel landete sogar vor dem Verfassungsgerichtshof, der dem Agieren von Treutler ein Stopp-Schild zeigte. 

Künftig soll nicht mehr der älteste Abgeordnete die erste Sitzung des Parlaments leiten, sondern der dienstälteste. Die Änderung bedeutet zugleich eine Anpassung an die Regeln im Bundestag. dpa

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026

Sacramento

Kalifornien führt »jüdisch« als ethnische Kategorie ein

Gouverneur Gavin Newsom unterschrieb mehrere Gesetze, die für Juden in dem Bundesstaat relevant sind

 02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026