Einspruch

Recht, nicht Rache

Mehmet Daimagüler Foto: imago images / Horst Galuschka

Einspruch

Recht, nicht Rache

Mehmet Daimagüler macht deutlich, was Schoa-Überlebende von Prozessen gegen KZ-Wachleute erwarten

von Mehmet Daimagüler  23.07.2020 12:25 Uhr

»Vergesst uns nicht! Erzählt es weiter!« Das war die Botschaft von Suzanne Rabinovici. Die Überlebende des KZs Stutthof starb wenige Wochen vor Eröffnung des Prozesses gegen Bruno D. In Hamburg saß der Angeklagte allein auf der Anklagebank. Seine damaligen Vorgesetzten und SS-Kameraden leben nicht mehr.

Rabinovici ging es nicht darum, einen alten Mann hinter Gitter zu bringen. Sie wollte vielmehr, dass Zeugnis abgelegt und so die Erinnerung an das Grauen wachgehalten wird. Es war womöglich das letzte Mal, dass die Verbrechen der Schoa vor einem deutschen Gericht verhandelt wurden.

reue Bruno D. gehörte auf die Anklagebank. Nicht der 93-jährige gebrechliche Mann von heute, aber der junge. Jener Bruno D., der damals auf dem Wachturm saß und mit der Waffe in der Hand Herr über Leben und Tod war. 75 Jahre lang hatte er seine Vergangenheit verdrängt. Ein bisschen Reue zeigte er erst in seinem Schlusswort Anfang dieser Woche.

Für die Überlebenden der Schoa ist die tägliche Erinnerung an die Lagerhaft eine Pein.

Für die Überlebenden der Schoa ist die tägliche Erinnerung an die Lagerhaft eine Pein. Bruno D. dagegen konnte ein normales Leben führen, eine Familie gründen, sich sicher fühlen. Hunderttausende SS-Schergen sahen nie einen Gerichtssaal von innen.

In der NS-Zeit waren viele deutsche Juristen Teil der Mordmaschinerie, schickten Menschen wegen Nichtigkeiten auf das Schafott. Heute haben wir eine andere Justiz.

verständnis Doch selbst heute noch fehlt es manchen Juristen an Verständnis dafür, was die Opfer der Schoa und ihre Nachfahren von Deutschland erwarten: das grauenvolle NS-Unrecht und die Rolle dabei beim Namen zu nennen.

Es geht um Recht, nicht um Rache. Es geht auch darum, nicht – wie auch beim Prozess in Hamburg geschehen – die Verfolgung der Beihilfe zum versuchten Mord aus »verfahrensökonomischen Gründen« einfach einzustellen. Die Überlebenden erwarten zu Recht, dass deutsche Gerichte sie ernst nehmen. Wenigstens das sind wir ihnen schuldig.

Der Autor ist Rechtsanwalt und vertrat in NS-Prozessen Überlebende.

Teheran

Irans Geheimdienst warnt Bevölkerung vor Massenprotesten

Der berüchtigte Geheimdienst kündigt drastische Strafen gegen Demonstranten an

 13.03.2026

Nahost

Iranische Zivilisten schicken Israel Hinweise auf Regime-Ziele

Menschen im Iran informieren die israelischen Streitkräfte über Einrichtungen des Regimes. Die Angaben werden geprüft und führen dann zu Angriffen

 13.03.2026

München

Steinwurf auf israelisches Generalkonsulat: Beschuldigter in U-Haft

Am Wochenende soll ein Mann Steine auf das israelische Generalkonsulat in München geworfen und mit einer Sprengstoff-Explosion gedroht haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun einen Haftbefehl erwirkt

 12.03.2026

Türkei

Wadephul fordert diplomatisches Ende des Iran-Kriegs

Der deutsche Außenminister und sein türkischer Kollege sind sich einig: Der Krieg im Iran muss so bald wie möglich enden - nur wie?

 12.03.2026

Teheran

Irans neuer Oberster Führer fordert Rache für Kriegsopfer

Der neue Regime-Chef will Rache an Israel und formuliert weitere Forderungen

 12.03.2026

Teheran

Viele Bewohner Teherans harren in ihren Wohnungen aus

Seit Ende Februar führen Israel und die USA Krieg gegen den Iran. Die Lage in der Hauptstadt fühlt sich für viele Bewohner zunehmend unsicher an

 12.03.2026

Teheran

Ist Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad doch noch am Leben?

Zahlreiche Medien meldeten den Tod des Ex-Präsidenten. Doch »The Atlantic« zufolge, soll Ahmadinedschad untergetaucht sein

 12.03.2026

Tel Aviv

Israels Armee meldet Angriff auf iranische Nuklearanlage bei Teheran

An der Atomanlage Taleghan entstanden bei den Luftangriffen erhebliche Schäden

 12.03.2026

Teheran

Schweiz schließt Botschaft im Iran, die auch US-Interessen vertritt

Die Eidgenossenschaft vertritt als Schutzmacht der Vereinigten Staaten auch deren Interessen im Iran. Wegen anhaltender Angriffe bringt die Regierung in Bern ihre Mitarbeiter vorübergehend außer Landes

 12.03.2026