Einspruch

Pragmatiker über Bord

Der Rücktritt von Ministerpräsident Salam Fajad offenbart das ganze Ausmaß der Krise, in die sich die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) unter Präsident Mahmud Abbas manövriert hat. Mit Fajad hat der oberste Pragmatiker unter den Palästinenserführern das Handtuch geworfen.

Von der Hamas als »Verräter« gehasst und von den Funktionären der Fatah, die er von den Pfründen der Macht fernhielt, missgünstig beäugt, genoss Fajad das Vertrauen des Westens – aber auch der Israelis, die ihn als zuverlässigen Kooperationspartner betrachteten.

Mit Fajads Abgang endet einstweilen der Versuch, den Autonomiegebieten im Westjordanland einen anderen Weg aufzuzeigen als den der fanatischen Konfrontation mit dem »zionistischen Feind«.

staatswesen Der parteilose Premierminister setzte auf Entwicklung »von unten«: Zuerst sollten korruptionsfreie Verwaltungsstrukturen und die ökonomischen Grundlagen für ein funktionierendes Staatswesen geschaffen werden, dann erst sollte die Proklamation einer nunmehr realen staatlichen Unabhängigkeit erfolgen. Doch das war schon zu viel der Rationalität für die Fatah-Führung, die den Mythos von den Palästinensern als ewigen Opfern braucht, um ihren autoritären Dauerherrschaftsanspruch zu legitimieren.

Ohne Fajad und seine Vision ist die Orientierungslosigkeit der PA komplett. Die Perspektive eines Friedensabkommens mit Israel gibt es nicht, weil sich Abbas auf unannehmbare Vorbedingungen für Verhandlungen versteift und mit dem Feuer einer dritten Intifada spielt.

Sein Versuch, Israel durch die Ausrufung eines palästinensischen Operettenstaats in die Enge zu treiben, hat sich als Rohrkrepierer erwiesen. Und sein Flirt mit der Hamas in Sachen Einheitsregierung kann zu nichts anderem führen als einer weiteren Aufwertung der Islamisten und einer noch größeren Marginalisierung der maroden Fatah. So treibt die PA schier unaufhaltsam ihrem endgültigen Zerfall entgegen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Brandenburg

Cyberangriff auf Gedenkstätten

Immer wieder schädigen Ransomware-Attacken Behörden, Krankenhäuser und andere Einrichtungen. In Brandenburg ist nun die Gedenkstätten-Stiftung betroffen

 11.08.2026

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Gerichtsurteil

Behörde darf Verbeamtung wegen Nähe zu Muslimbruderschaft ablehnen

Die Klägerin arbeitet als Sachbearbeiterin bei der Karlsruher Ausländerbehörde. Das Gericht hat Zweifel an ihrer Verfassungstreue

 11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Österreich

Zwei Israelinnen in Wien vermisst

Die israelische Botschaft vor Ort bittet die Öffentlichkeit um Hilfe

 11.08.2026 Aktualisiert

Nordhessen

Vier Meter großes Hakenkreuz in Asphalt gebrannt

Die Polizei sucht nun nach den Täter, der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Berlin

Neukölln verschärft Regeln: CDU-Politiker will bei Antisemitismus Gelder streichen

Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt will Förderbescheide mit strengeren Vorgaben versehen und bei Verstößen die Finanzierung von Projekten stoppen

 11.08.2026

Washington D.C.

Trump soll Bedrohung durch Iran mit Geheimflug aus der Türkei entgangen sein

Wie schafften es die Bewacher des Präsidenten, ihn unerkannt in eine kleinere Maschine zu bringen und nach London zu fliegen?

 11.08.2026