Einspruch

Pragmatiker über Bord

Der Rücktritt von Ministerpräsident Salam Fajad offenbart das ganze Ausmaß der Krise, in die sich die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) unter Präsident Mahmud Abbas manövriert hat. Mit Fajad hat der oberste Pragmatiker unter den Palästinenserführern das Handtuch geworfen.

Von der Hamas als »Verräter« gehasst und von den Funktionären der Fatah, die er von den Pfründen der Macht fernhielt, missgünstig beäugt, genoss Fajad das Vertrauen des Westens – aber auch der Israelis, die ihn als zuverlässigen Kooperationspartner betrachteten.

Mit Fajads Abgang endet einstweilen der Versuch, den Autonomiegebieten im Westjordanland einen anderen Weg aufzuzeigen als den der fanatischen Konfrontation mit dem »zionistischen Feind«.

staatswesen Der parteilose Premierminister setzte auf Entwicklung »von unten«: Zuerst sollten korruptionsfreie Verwaltungsstrukturen und die ökonomischen Grundlagen für ein funktionierendes Staatswesen geschaffen werden, dann erst sollte die Proklamation einer nunmehr realen staatlichen Unabhängigkeit erfolgen. Doch das war schon zu viel der Rationalität für die Fatah-Führung, die den Mythos von den Palästinensern als ewigen Opfern braucht, um ihren autoritären Dauerherrschaftsanspruch zu legitimieren.

Ohne Fajad und seine Vision ist die Orientierungslosigkeit der PA komplett. Die Perspektive eines Friedensabkommens mit Israel gibt es nicht, weil sich Abbas auf unannehmbare Vorbedingungen für Verhandlungen versteift und mit dem Feuer einer dritten Intifada spielt.

Sein Versuch, Israel durch die Ausrufung eines palästinensischen Operettenstaats in die Enge zu treiben, hat sich als Rohrkrepierer erwiesen. Und sein Flirt mit der Hamas in Sachen Einheitsregierung kann zu nichts anderem führen als einer weiteren Aufwertung der Islamisten und einer noch größeren Marginalisierung der maroden Fatah. So treibt die PA schier unaufhaltsam ihrem endgültigen Zerfall entgegen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

Berlin

Kommission gegen Antisemitismus beendet ihre Arbeit

Der Abschlussbericht soll nun ans Landesparlament gehen und dort im Plenum beraten werden

 09.06.2026

Brandenburg

Antisemitismusbeauftragter fordert stärkeren Kampf gegen Judenhass

Antisemitismus im digitalen Raum entschiedener bekämpfen, Prävention besser finanzieren und jüdische Perspektiven stärker berücksichtigen: Dies fordert Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter in seinem ersten Tätigkeitsbericht

von Yvonne Jennerjahn  09.06.2026

Rom

Umgang mit Flottillen-Teilnehmern: Italienische Justiz ermittelt gegen Ben-Gvir

Auslöser der Ermittlungen sind Videos, die zeigen, wie israelfeindliche Aktivisten gedemütigt werden. Gegen Spanien und Österreich, wo es an Flughäfen zu Gewalt gegen Flottillen-Teilnehmer kam, geht Rom nicht vor

 09.06.2026

Justiz

Sexuelles Fehlverhalten: ICC-Chefankläger Karim Khan nach Untersuchungen suspendiert

Das Gericht hat nach einer 18-monatigen Untersuchung der Vorwürfe entschieden, dass Khan sich eines schweren Fehlverhaltens schuldig gemacht hat

 09.06.2026

New York

Trump: »Kompletter Sieg« über Irans Atomprogramm innerhalb von zwei Wochen

»Der Iran kann keine Atomwaffe haben. So einfach ist das«, sagt der amerikanische Präsident

 09.06.2026

Nahost

Stopp in letzter Minute

Medienberichte: US-Präsident Trump hielt Premier Netanjahu von größerem Iran-Angriff ab

 09.06.2026

Bremerhaven

Synagoge im Visier: Jahrelange Haft und Psychiatrie für Anschlagspläne

Ein perfider Plan, gefährliche Stoffe und eine Sprengstoffweste: Wie Ermittler zufällig auf brisante Chats stießen - und welche Konsequenzen die Vorbereitung eines Anschlags für die Angeklagten hat

 08.06.2026