Berlin

Polizei nimmt zehn Tatverdächtige nach antisemitischem Angriff fest

Wie die Polizei am Samstag mitteilte, ereignete sich der antisemitische Angriff im Berliner James-Simon-Park. Foto: dpa

Bei einer antisemitischen Attacke in Berlin ist in der Nacht zu Samstag laut Medienberichten ein syrischer Jude von Landsleuten zusammengeschlagen worden. Wie die Tageszeitung »Welt« unter Berufung auf die Berliner Polizei berichtete, sind die Täter überwiegend syrischer Herkunft.

Die Polizei bestätigte den Vorfall am Sonntag, nannte aber keine Nationalitäten von Opfer und Angreifern. Die Tat ereignete sich im James-Simon-Park. Das mutmaßliche Opfer war nach Angaben der »Welt« äußerlich als Jude erkennbar. Der 25-Jährige habe gut sichtbar eine Davidstern-Kette getragen. In der Nähe des S-Bahnhofs Hackescher Markt habe das mutmaßliche Opfer eine größere Gruppe an Männern und Frauen nach Feuer gefragt, teilte die Polizei mit.

Ermittlungen Als sie die Kette mit dem Magen David sahen, sei es zu der Attacke gekommen, so die Polizei weiter. Das 25-jährige Opfer hat laut Polizeiangaben mehrere Faustschläge ins Gesicht bekommen und wurde nach einem missglückten Fluchtversuch am Boden liegend von der Gruppe geschlagen und getreten.

Erst als Passanten dem Mann zur Hilfe eilten, hätten die Angreifer aufgehört und seien geflüchtet. Die alarmierte Polizei nahm nach eigenen Angaben noch in der Nähe drei Frauen im Alter von 15 und 21 Jahren und sieben Männer im Alter von 17 bis 25 Jahren fest und brachte sie in eine Sammelstelle für Gefangene. Sie wurden am Samstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Mann erlitt Platzwunden, die in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Wie bei antisemitischen Delikten üblich, habe nun der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, schreibt die »Welt«.

Hebräisch In den vergangenen Monaten haben sich antisemitische Beleidigungen und körperliche Angriffe auf Juden in Berlin gehäuft. Ende Mai wurden vier Jugendliche am Berliner Bahnhof Zoo judenfeindlich beleidigt, bedroht, geschlagen und getreten. Die 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen hatten laut Musik gehört, unter anderem einen hebräischsprachigen Song.

Daraufhin wurden sie von drei – laut Eigenaussage der Täter – palästinensischen jungen Männern angegriffen; mit leichten Verletzungen musste eines der Opfer in einem Krankenhaus behandelt werden. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin ermittelt.

Mitte April hatte ein 19-jähriger syrischer Flüchtling im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg einen 21-jährigen Israeli beleidigt und mit einem Gürtel geschlagen. Der Täter war daraufhin vom Berliner Amtsgericht am 25. Juni zu vier Wochen Jugendarrest verurteilt worden.

Gürtel Der Angriff am 17. April hatte bundesweit für Empörung gesorgt und eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland ausgelöst. Die Attacke war von dem Opfer zeitweise mit dem Handy gefilmt und das Video in die sozialen Netzwerke gestellt worden. Zu sehen ist, wie der Täter mit einem Gürtel auf den Filmenden einschlägt und auf arabisch wiederholt »Jude« ruft.

Im Dezember 2017 wurde ein jüdischer Restaurantbesitzer in Berlin massiv antisemitisch beschimpft. Das Verbrennen der israelischen Flagge vor dem Brandenburger Tor von überwiegend arabisch- und türkischstämmigen Migranten sorgte ebenfalls für Schlagzeilen und Entsetzen in Gesellschaft und Politik.

Um dem zunehmenden Antisemitismus zu begegnen, hat das Berliner Abgeordnetenhaus Ende Mai mit großer Mehrheit eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet. Zu den konkreten Maßnahmen gehören laut der Resolution die konsequente Bekämpfung, Verfolgung und Erfassung von antisemitisch motivierten Straftaten, der Opferschutz, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie die Sensibilisierung für antisemitische Denkmuster und Einstellungen.

In dem Beschluss heißt es zudem, dass der Senat bis Februar 2019 ein Präventionskonzept vorlegen und dabei auch die Stadtgesellschaft einbeziehen soll. ja

Meinung

Schlechte Wahl

Warum es keine gute Idee ist, den Berliner U-Bahnhof »Mohrenstraße« nach Michail Iwanowitsch Glinka zu benennen

von Judith Kessler  06.07.2020

Justiz

Staatsanwalt fordert drei Jahre Haft für ehemaligen SS-Wachmann

Staatsanwalt Lars Mahnke: »Der Angeklagte ist der Beihilfe zum 5230-fachen Mord überführt«

 06.07.2020

Justiz

Epstein-Vertraute soll Freitag vor Gericht

Ghislaine Maxwell soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft am Freitag vor Gericht in New York erscheinen

 06.07.2020

Justiz

Plädoyer der Staatsanwaltschaft in Prozess gegen KZ-Wachmann erwartet

Die Anklage wirft dem Angeklagten Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vor

 06.07.2020

Brüssel

Religionsvertreter streiten für EU-Beauftragten für Religionsfreiheit

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt: »Ein komplett falsches Signal«

 05.07.2020

Nahost

Iran will keine Details zu Brand in Atomanlage nennen

Der Verdacht erhärtet sich, dass es sich bei dem »Vorfall« um Sabotage gehandelt haben könnte

 03.07.2020

Corona

Israel und Abu Dhabi bündeln Kräfte

Die Emirate pflegen offiziell keine diplomatischen Verbindungen zum jüdischen Staat

 03.07.2020

Dresden

Sächsischer Gedenkstättenchef räumt Fehler ein

Siegfried Reiprich: »Ich würde es so nicht mehr schreiben«

von Katharina Rögner  03.07.2020

Berlin

Bundesländer stimmen jüdischer Militärseelsorge zu

Der Vertrag sieht zunächst zehn Militärrabbiner vor

 03.07.2020