Anti-Israel-Kundgebung

»Pikanter Brennpunkt«

Pro-Palästina-Demo im Jahr 2014 Foto: dpa

Wie das American Jewish Committee (AJC) am Donnerstag mitteilte, hat die »Palästinensische Nationale Arbeitskommission« für Freitag eine Demonstration mit Menschenkette »in Solidarität mit den palästinensischen und arabischen Gefangenen in israelischen Haftanstalten« angemeldet.

Die gegen Israel gerichtete Demonstration soll am Freitagabend am Wittenbergplatz beginnen und in der Joachimsthaler Straße enden, wo etwa zur gleichen Zeit der Gottesdienst in der orthodoxen Synagoge zu Ende geht.

Es gebe keinen ersichtlichen Grund, warum die Demonstration ausgerechnet in der Nähe der Synagoge enden müsse, kritisiert AJC-Direktorin Deidre Berger. »Wir fassen dies als bewusste Provokation auf, werden damit doch Juden in Berlin implizit für die israelische Politik verantwortlich gemacht«, so Berger. Die örtliche Nähe zur Synagoge und das zeitliche Zusammenfallen des Endes der Demonstration mit dem Ende des Gottesdienstes bereitet dem AJC große Sorgen. Dies stelle »eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit der Gottesdienstbesucher« dar.

sicherheit Berger erinnerte an Angriffe auf Juden am Rande ähnlicher Demonstrationen, zu denen es in der Vergangenheit bereits mehrfach gekommen war, und forderte die Polizei und die zuständigen Behörden auf, die Route »noch einmal gründlich zu prüfen und alles zu unternehmen, dass die Sicherheit der Beter gewährleistet ist«. Es dürfe nicht sein, so die ACJC-Chefin, »dass Juden im Zentrum Berlins sich womöglich nicht trauen, einen Gottesdienst zu besuchen oder dies nur mit Angst«. Hier sei auch die Zivilgesellschaft gefragt, ein deutliches Zeichen zu setzen.

Verschärft werde die Situation zudem durch den Aufruf der Organisatoren der Demonstration, so Berger. So solidarisiert sich die »Palästinensische Nationale Arbeitskommission« ausnahmslos mit allen inhaftierten arabischen und palästinensischen Gefangenen, darunter auch den 4500 Inhaftierten, die aufgrund terroristischer Aktivitäten von israelischen Gerichten verurteilt worden sind.

Polizeisprecher Martin Halweg teilte der Jüdischen Allgemeinen mit, dass die Demonstration nach Einschätzung des Landeskriminalamts (LKA), der in diesem Fall zuständigen Versammlungsbehörde, genehmigt wurde und demnach wie geplant durchgeführt werden könne. Aus rechtlicher Sicht gebe es »keinen Anhaltspunkt, den Endpunkt der Demonstration in der Joachimsthaler Straße zu verschieben« – er sei aus juristischer Sicht nicht zu beanstanden, da er immer noch weit genug von der Synagoge entfernt liege.

einsatzkräfte Die zuständigen Behörden hätten im Blick, versicherte Halweg, dass »die Brennpunkte pikant« seien. So sei sich die Berliner Polizei aufgrund der Erfahrungen früherer Veranstaltungen wie etwa dem »Al-Quds-Tag« bewusst, dass es zu Provokationen kommen könne. Bereits in der Vergangenheit, so etwa 2014, kam es im Zuge von pro-palästinensischen Kundgebungen, die die »Palästinensische Nationale Arbeitskommission« organisiert hatte, zu antisemitischen Eskalationen.

»Die Einsatzkräfte sind angehalten, Provokationen zu verhindern und frühzeitig auf den Veranstaltungsleiter und die etwa 200 Teilnehmer dahingehend einzuwirken, dass es nicht zu Straftaten kommt«, sagte Halweg der Jüdischen Allgemeinen. Sollten dennoch Straftaten begangen werden, seien die Einsatzkräfte »durch das Legalitätsprinzip angehalten zu handeln«. Die Polizei hoffe jedoch, dass es dazu nicht kommen wird.

Nach Informationen von Yitshak Ehrenberg, Rabbiner der Synagoge Joachimsthaler Straße, ende die geplante Menschenkette an der Ecke Joachimsthaler Straße zum Kurfürstendamm. Der Schabbat-Gottesdienst werde wie geplant stattfinden, sagte er der Jüdischen Allgemeinen. Da die verantwortlichen Stellen ihn in solchen Fällen vorab zu informieren pflegen, so der Rabbiner, gehe er davon aus, dass keine unmittelbare Gefahr für die Beter der Synagoge bestehe. ja

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird 80. Eine persönliche Würdigung von Reinhard Mohr

von Reinhard Mohr  19.08.2026

Israel

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ben Gvirs Äußerungen sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen Israel am Herzen liegt. Zugleich spiegeln sie zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels wider

von Volker Beck  19.08.2026

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026

London

Britische Grüne hegen in internen Chats Gewaltfantasien gegen »Zionisten«

In der Chat-Konversation finden sich zudem Äußerungen, die sich pauschal gegen britische Juden richten. Eine Organisation, die sich gegen Judenhass einsetzt, prüft rechtliche Schritte

 19.08.2026

Nahost

Iran droht bei neuem Krieg mit Angriffen auf US-Ziele in Europa

Das Mullah-Regime könnte Angriffe auf US-Militärstützpunkte und andere amerikanische Einrichtungen sowie die kritische Infrastruktur befehlen

 19.08.2026

Washington D.C.

USA sanktionieren Präsidentin des Strafgerichtshofs

Die US-Regierung erhöht mit Sanktionen den Druck auf den Internationalen Strafgerichtshof - diesmal auch gegen die Präsidentin

 19.08.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon prüft nach Iran-Krieg kleinere US-Militärpräsenz am Golf

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein Teil der bislang am Golf stationierten Soldaten abgezogen und weiter westlich positioniert werden könnte

 19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Teheran

Iran: Öffnung der Straße von Hormus hängt von USA ab

Der Iran knüpft die Öffnung der Straße von Hormus an Bedingungen im Abkommen mit den USA. Ein Professor sagt, US-Präsident Donald Trump könne sich nicht still zurückziehen

 18.08.2026