Einspruch

Opferneid als Dreiteiler

Jennifer Nathalie Pyka Foto: privat

Es gibt bekanntlich viele Möglichkeiten, die NS-Vergangenheit schönzufärben. Mit »Nicht alles war schlecht« helfen sich die einen, bei anderen kann auch der Tunnelblick Wunder wirken. Wie genau dieser funktioniert und was dabei auszublenden ist, erfuhr man nun im Rahmen des ZDF-Dreiteilers Unsere Mütter, unsere Väter.

Dem Publikum wurde dabei das »am meisten beeindruckende Unternehmen der jüngeren Fernsehzeit« präsentiert, meinte »Die Zeit«. Und ja, beeindruckend selektiv ist die Trilogie, die gerne ein Film über den Zweiten Weltkrieg wäre, zweifellos. Im Mittelpunkt stehen fünf junge Freunde: Zwei davon kämpfen als Soldaten an der Ostfront, die nächste als Starlet in Berlin, die andere als Schwester im Lazarett. Sie alle hadern mal mit sich selbst, mal mit dem Krieg, oft mit dem Russen. Dazu wird viel geschossen, geblutet und gestorben, am Ende jedoch beugt man sich. Kein Widerstand, dafür viel Alternativlosigkeit. Sie konnten eben nicht anders.

nebensache Produzent Nico Hofmann (Rommel, Dresden) hält sein Werk freilich für »notwendig«. Sein Verdienst besteht darin, einen Film über den Zweiten Weltkrieg produziert zu haben, der die lästige Frage nach sechs Millionen toten Juden locker ausblendet. Der Krieg wird auf das Leben an der Front und in einer Diktatur reduziert, Juden bleiben Nebensache. Antisemitismus und Auschwitz? Fehlanzeige. Zwar zählt zu den fünf Freunden auch der (Alibi-)Jude Viktor, allerdings beschränkt sich seine Funktion auf diskretes Verschwinden. Mit den Leiden der zwei Soldaten, die dagegen ständig und eindrucksvoll dem Tod entgehen, kann er also nicht mithalten.

Jawohl, sie hatten es schon schwer, die Deutschen. »Waren deutsche Soldaten wirklich so grausam?«, fragte daher gleich die Bild-Zeitung. Und so ist die Trilogie eine Offenbarung für alle, die schon immer wussten, dass nicht nur die Juden, sondern auch und vor allem die Deutschen Hitler zum Opfer fielen.

Die Autorin ist Politikwissenschaftlerin und freie Journalistin.

Interview

»Das ist nicht einfach nur rechtsradikal«

Was macht die »Querdenker«-Bewegung für ihre Anhänger so attraktiv? Und wie wichtig sind dabei Verschwörungsmythen?

von Holger Spierig  02.08.2021

Berlin

»Querdenken«: Polizei ermittelt nach Angriff auf Gewerkschafter

Aus einem der Demonstrationszüge heraus wurde ein Medien-Gewerkschafter angegriffen

 02.08.2021

Berlin

»Vertreibung und Vernichtung von Ungeimpften?«

Die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz ist empört über Schoa-Vergleiche von Besuchern

 02.08.2021

Mannheim

Israelfeindliche Kundgebung: 26 Verdächtige identifiziert

Polizei wirft den Demonstranten Volksverhetzung, Landfriedensbruch oder gefährliche Körperverletzung vor

 02.08.2021

Berlin

Staatsschutz ermittelt nach Angriff auf Synagoge

Nach einem Flaschenwurf auf eine Synagoge in Berlin ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamtes gegen einen 24-jährigen Mann

 02.08.2021 Aktualisiert

Erinnerung

Gedenken an ermordete Sinti und Roma

Ehrengast wird die 97-jährige Schoa-Überlebende Zilli Schmidt sein

 02.08.2021

Berlin

Romani Rose warnt vor »Apartheid vor unserer Haustür«

Zentralratsvorsitzender beklagt andauernde Diskriminierung und Unterdrückung

 02.08.2021

Terror

USA und Großbritannien machen Iran für Angriff auf israelischen Tanker verantwortlich

Antony Blinken: Die US-Regierung bespricht sich mit ihren Verbündeten, um eine »angemessene Antwort« zu finden

 02.08.2021

Meinung

Olympia: Boykott verliert

Wer sich weigert, gegen Israel anzutreten, gibt sich als peinliche Marionette seines Regimes zu erkennen

von Martin Krauß  02.08.2021