Interview

»Offener Diskurs in Gefahr«

Lars Düsterhöft Foto: Lars Düsterhöft

Herr Düsterhöft, Ihr Büro wurde mit israelfeindlichen Sprüchen beschmiert, und die Scheibe wurde beschädigt. Warum glauben Sie, dass Sie das Ziel waren?
Dieser Vorfall hat mich tief getroffen. Warum ich das Ziel war, weiß ich nicht, aber solche Angriffe sollen Menschen wie mich einschüchtern. Das wird aber nicht passieren. Wir müssen entschieden gegen jeden Hass vorgehen.

Wie hat dieser Angriff Ihr Sicherheitsgefühl beeinflusst?
Natürlich war das ein Schock. Es ist beängstigend zu sehen, dass Gewalt genutzt wird, um politische Meinungen durchzusetzen. Doch dieser Angriff spornt mich eher dazu an, noch intensiver das Gespräch und den Austausch zu suchen, gerade mit denjenigen, die mich und meine Überzeugungen ablehnen. Denn wir dürfen nicht verlernen, bei allen Differenzen immer im Gespräch zu bleiben.

Hat sich die israelfeindliche Szene in Berlin radikalisiert?
Leider ist die israelfeindliche Szene in Berlin sichtbarer geworden, vor allem im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Demonstrationen mit antisemitischen Parolen und extremistische Gruppen, die solche Einstellungen fördern, haben zugenommen. Die gegen Jüdinnen und Juden vorgebrachte Ablehnung, der Hass und die Gewalt sind für mich entsetzlich, und fast 80 Jahre nach dem Ende der Schoa eine Schande für Deutschland.

Droht auch in Berlin, dass Politiker sich aus Angst zurückziehen, ähnlich wie in anderen Regionen Ostdeutschlands?
In Berlin gibt es tatsächlich Anzeichen, dass extremistische Gruppen Druck auf Politiker ausüben. Diese Bedrohungen müssen wir sehr ernst nehmen, da sie den offenen politischen Diskurs gefährden. Und ja, ich sehe die Gefahr, dass sich besonders auf Ebene der Bezirke ehrenamtliche Politikerinnen und Politiker zurückziehen.

Was sollte die Berliner Regierung tun, um Israelhass und Antisemitismus zu bekämpfen?
Wir brauchen deutlich mehr präventive Maßnahmen. So sollte beispielsweise bereits in der Grundschule über Antisemitismus, die Geschichte des Judentums und Israels sowie die immerwährende besondere deutsche Verantwortung unterrichtet werden. Außerdem ist es wichtig, den Dialog zwischen jüdischen, israelischen, muslimischen und palästinensischen Berlinerinnen und Berlinern zu fördern. Berlin ist kein Nebenkriegsschauplatz des Nahostkonflikts, sondern ein Ort, an dem aufgrund unserer Geschichte immer die Verpflichtung zum Miteinander, zum Zusammenhalt und zum Überwinden von Gräben und Mauern besteht. Dabei gilt: Antisemitismus, Israelhass und menschenverachtender Extremismus dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

Die Fragen an den SPD-Politiker und das Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses stellte Joshua Schultheis.

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026