Interview

»Obama ist sehr geschwächt«

Herr Primor, nach knapp zweijähriger Pause nehmen Israelis und Palästinenser an diesem Donnerstag in Washington die Nahost-Friedensgespräche wieder auf. Ist das jetzt der Durchbruch?
Nein, bestimmt nicht. Es bestehen zu große Meinungsverschiedenheiten. Hinzu kommt, dass beide Regierungen, die palästinensische und die israelische, entweder schwach oder innerlich blockiert sind, sodass sie keine Zugeständnisse machen werden. Und Amerika kann vor den Kongresswahlen im November den Friedensprozess nicht effizient unterstützen. Doch ohne die USA bewegt sich nichts.

Wie stark sind die USA wirklich?
Sie sind so stark, wie sie sein wollen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Vereinigten Staaten noch immer das bei Weitem mächtigste Land der Welt sind. Man kann noch so schön von China erzählen, aber wirtschaftlich sind die USA immer noch drei Mal so stark wie die asiatische Großmacht und militärisch noch viel mehr. Abgesehen davon bleibt den Kontrahenten im Nahen Osten ohnehin nur Amerika, denn andere Mächte wollen sich doch überhaupt nicht in den Konflikt einmischen.

Wie stark ist der Gastgeber, US-Präsident Barack Obama? Kann er genug Druck ausüben, damit es vielleicht doch noch zu Zugeständnissen kommt?
Nein, er ist innenpolitisch sehr geschwächt. Wir müssen die Kongresswahlen abwarten. Obama kann nicht so manövrieren, wie er es normalerweise tun würde. Er hat so viele Fehler gemacht, dass die amerikanische Öffentlichkeit ihn in Sachen Israel derzeit nicht unterstützt. Und sollte er nach den Wahlen die Mehrheit im Kongress verlieren, wird er noch schwächer sein – was allerdings nicht heißt, dass er dann nichts mehr unternehmen kann. Das kann er durchaus. Aber unter anderen Vorzeichen.

Sind die aktuellen Nahost-Friedensverhandlungen dann vor allem eine Obama-Showveranstaltung, mit der der Präsident versucht, bei den Wählern zu punkten?
Ja, dem würde ich zustimmen. Vor ein paar Monaten war sein Kalkül vielleicht noch teilweise richtig. Heute allerdings spielt der Nahost-Friedensprozess in der amerikanischen Öffentlichkeit kaum mehr eine Rolle. Selbst wenn die Washingtoner Gespräche erfolgreich sein sollten, wird Obama bei den Wahlen im November nicht davon profitieren können. Aber er braucht die Friedensverhand- lungen – als eine Chance.

Und dafür reisen die Delegationen an?
Nicht nur. Auch Netanjahu braucht die Gespräche als eine Chance – ganz dringend sogar, selbst wenn er keine echten Zugeständnisse machen wird. Israels Ansehen ist welt- weit so gesunken wie nie zuvor, und der Druck von außen ist für uns gefährlich geworden. Netanjahu glaubt, wenn er Verhandlungen mit den Palästinensern führt, wird sich die Lage entspannen. Dem stimme ich zu. Aber wenn danach die Welt feststellt, dass die Gespräche ergebnislos waren, wird der Druck wieder wachsen.

Mit dem früheren israelischen Botschafter in Berlin sprach Tobias Kühn.

Frankfurt am Main

Josef Schuster: Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt in Gefahr

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland blickt nach dem Sieg der AfD bei den Landtagswahlen sorgenvoll auf das Bundesland

 26.10.2026

Berlin

Linke-Kandidat für Neukölln: Recherchen dokumentieren Nähe zu PFLP-Sympathisanten

Ein Dossier der Monitoringgruppe Amit, über das die »Welt« berichtet, dokumentiert mehrere Berührungspunkte des 45-jährigen Rechtsanwalts mit Personen und Veranstaltungen, bei denen Sympathien für die Organisation erkennbar waren.

 26.10.2026

Berlin

Schuster: Nehme der Linken Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Der Kampf gegen Judenhass erschwert die Gespräche über Rot-Grün-Rot in Berlin. Eine Erklärung der Linken reicht dem Präsidenten des Zentralrats der Juden nicht

 26.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 25.10.2026

Präsidentenwahl in Frankreich

Wahlkampfstart der Rechten – Le Pen im Aufschwung?

Nach den Unruhen in Frankreich gewinnt Marine Le Pen in Umfragen weiter hinzu. Doch Antisemitismusvorwürfe gegen ihren politischen Ziehsohn, RN-Chef Jordan Bardella, belasten die Partei

 25.10.2026

Berlin

Platzwunde und Hämatome im Gesicht: Mutmaßlich antisemitische Attacke in Schöneberg

Ein Unbekannter fragte einen 60-Jährigen, ob er Jude sei – dann schlug er zu. Der Staatsschutz ermittelt

 25.10.2026

Schild des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

Sachsen

Sachsen: Jede antisemitische Diskriminierung ist verfassungswidrig

Der Schutz jüdischen Lebens ist in mehreren Landesverfassungen verankert. Der Freistaat Sachsen sieht bisher von einer expliziten Formulierung ab

 25.10.2026

Islamismus

Psychologe Ahmad Mansour: Teile der Linken verharmlosen Islamismus

Solidarität mit zweierlei Maß? Islam-Experte Mansour sieht bei Teilen der Linken eine Doppelmoral im Umgang mit Islamismus. Scharfe Kritik übt er auch am Umgang mit Israel und dem Nahostkonflikt

 25.10.2026

Feuer am Flughafen von Riad

Krieg in der Golfregion

Weiter Angriffe im Jemen und Saudi-Arabien

Riad im Norden, die jemenitische Hafenstadt Aden im Süden: An beiden Fronten greifen die Huthi-Rebellen mit Drohnen und Raketen an. Wird aus dem dauerhaften Beschuss ein Abnutzungskrieg?

 25.10.2026