Antisemitismus

»Nur schwer erträglich«

Berlins Innensenator Andreas Geisel Foto: imago images / Ulli Winkler

Herr Geisel, am Samstag wird wieder bei der antisemitischen Al-Quds-Demonstration die Vernichtung Israels propagiert. Warum gestatten Sie das?
Weil ein Rechtsstaat rechtsstaatlich handeln muss. Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind Grundrechte in unserem Land. Das Versammlungsrecht schützt deshalb auch diejenigen, die für uns nur schwer erträgliche Ansichten vertreten und auf die Straßen tragen. Die Hürden für ein präventives Verbot einer Versammlung sind sehr hoch. Sie können sicher sein, dass wir ein mögliches Verbot der Al-Quds-Versammlung intensiv und umfänglich geprüft haben, denn auch wir vermuten, dass deren Teilnehmer damit das Existenzrecht Israels infrage stellen wollen. Sie sprechen es aber seit Jahren nicht aus, weshalb nicht genügend Anhaltspunkte vorliegen, die vor den Verwaltungsgerichten Bestand hätten.

Im Abgeordnetenhaus hieß es kürzlich, es dürfe »keinen Finger breit Raum geben für Antisemitismus«. Sie geben dafür den Kurfürstendamm frei.
Wir geben den Ku’damm ja nicht freiwillig frei. Keinen Finger breit bedeutet ja auch, dass wir alle auf demokratische Weise antworten. Dass wir uns klar an die Seite Israels stellen. Dass wir klar sagen: Antisemitismus und Hass auf Israel haben bei uns nichts zu suchen. Ich werde zum Beispiel auch in diesem Jahr wieder an der Gegenkundgebung teilnehmen.

Sie haben gesagt: »Wenn gegen den Staat Israel und gegen Jüdinnen und Juden gehetzt werden soll, ist die rote Linie überschritten.« Wie ist dies in Hinblick auf die Al-Quds-Demo zu verstehen?
Rote Linie bleibt rote Linie. Die ist nicht verhandelbar. Die Veranstalter der Al-Quds-Versammlung haben gerade in den letzten Jahren aber sehr darauf geachtet, dass sich die Meinungsäußerungen auf der Versammlung im Rahmen des strafrechtlich gerade noch Zulässigen gehalten haben. Vereinzelte strafbare Meinungsäußerungen sind in der Vergangenheit durchaus vorgekommen. Sie berechtigen aber nicht, die gesamte Versammlung zu verbieten.

Warum immer wieder auf dem Ku’damm, in der Nähe verschiedener Synagogen, wenn Beter auf dem Weg nach Hause sind?
Die Versammlungsfreiheit beinhaltet eben auch das Recht des Veranstalters, selbst über den Ort der Versammlung und die Art und Weise der Durchführung zu bestimmen. Ein Eingriff vonseiten des Staates ist nur in engen Grenzen möglich.

Was ist unter diesen engen Grenzen zu verstehen?
Antisemitische und menschenfeindliche Parolen, Motive oder das Zeigen von Zeichen oder Symbolen von antisemitischen Organisationen und ihrer Partnerorganisationen auf Versammlungen werden auch in diesem Jahr durch strenge Auflagen untersagt. Die Einhaltung dieser Auflagen werden wir wieder sehr genau überwachen.

Das Interview mit dem Berliner Innensenator führte Katrin Richter.

Women’s Asian Cup

Trump fordert von Australien Asyl für iranische Fußballerinnen

Die Spielerinnen hatten sich vor dem Anstoß im Robina Stadium geweigert, die iranische Nationalhymne zu singen

 09.03.2026

Hildburghausen

Zahlreiche Rechtsrock-Konzerte im thüringischen Brattendorf

Ein Gasthaus im südthüringischen Brattendorf ist zu einem Treffpunkt der Neonazi-Szene geworden

 09.03.2026

Moskau

Putin sichert Mojtaba Chamenei Russlands Unterstützung zu

Russland sieht sich traditionell als enger Partner des Iran. Der Kremlchef wünscht dem neuen Obersten Führer Mut, Gesundheit und Kraft

 09.03.2026

Beirut

Israel setzt Angriffe im Libanon fort

Immer wieder erschüttern Explosionen die Vororte der libanesischen Hauptstadt. Ein Ende der durch neue Angriffe der Hisbollah verursachten Eskalation ist nicht in Sicht

 09.03.2026

Gaziantep

Türkei: NATO fängt Geschoss im türkischen Luftraum ab

Trümmer des Geschosses fallen auf türkischen Boden. Es ist nicht das erste Mal

 09.03.2026

Berlin

Zweifel an Angriff auf Neuköllner Schulleiter – Ermittlungen richten sich nun gegen ihn selbst

Ein Überwachungsvideo vom U-Bahnhof Rathaus Neukölln wirft Fragen auf. Angaben von Hudhaifa Al-Mashhadani hatte angegeben, angegriffen worden zu sein

 09.03.2026

Magdeburg

Auftakt für jüdische Kultur in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Sven Schulze betonte als Schirmherr die Bedeutung der Kulturtage als klares Signal der Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Sachsen-Anhalt

 09.03.2026

Nahost

Teheran erneut von Explosionen erschüttert

Bewohner berichten von einer neuen Angriffswelle: Kampfjets nähern sich, laute Detonationen sind zu hören

 09.03.2026

Kommentar

Der Iran-Krieg könnte das Ende der amerikanisch-israelischen Allianz bedeuten

Noch folgt im Kampf gegen das Mullah-Regime eine gute Nachricht auf die andere. Doch sobald der Krieg in die schwierige Phase übergeht, werden auch die Beziehungen zwischen Jerusalem und Washington auf die Probe gestellt werden

von Hannes Stein  09.03.2026