Meinung

Nahost im Schatten der Krim-Krise

Es klingt vielleicht paradox, aber vor dem Hintergrund der Krim-Krise hat der Friedensprozess im Nahen Osten derzeit Erfolgschancen wie schon lange nicht mehr. Und, das klingt vielleicht noch paradoxer: Gezeigt hat sich dies vor und während des Besuchs von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bei US-Präsident Barack Obama zu Beginn dieser Woche.

Die Rekonstruktion des Streits, den es zwischen Obama und Netanjahu gab, ist lehrreich. Im Vorfeld von Netanjahus USA-Besuch sah eigentlich alles entspannt aus, und es deutete vieles darauf hin, dass die israelische Regierung bereit ist, das Rahmenabkommen, das US-Außenminister John Kerry vermittelt hat, zu akzeptieren.

interview Doch während die israelische Delegation im Flugzeug saß, wurde ein Interview veröffentlicht, das Obama dem Journalisten Jeffrey Goldberg gegeben hatte. Israel habe eine Bringschuld, hieß es da, denn als der stärkere Partner müsse es über die Einhaltung des Abkommens hinaus wesentlich mehr leisten. Gleich zweimal sprach Obama gar von »aggressiver Siedlungspolitik«. Von der palästinensischen Seite hingegen sprach er nicht, sie wurde nicht in die Pflicht genommen. Obama stellte die Frage, die nicht ganz frei von Erpressung ist: »Wann, wenn nicht jetzt, und wer, Herr Ministerpräsident, wenn nicht Sie?« Man könnte das auch eine diplomatische Ohrfeige nennen.

Als Netanjahu aus dem Flugzeug stieg, wurde er mit Schlagzeilen empfangen, die ihn verwunderten. Dabei hatte sich seit dem Interview, das am Donnerstag geführt und erst am Sonntag ausgestrahlt wurde, einiges geändert: Nicht nur darf man vermuten, dass es israelische Proteste in Richtung Weißes Haus gab; vor allem aber hat die Verschärfung der Krim-Krise einiges bewirkt: Während Obamas Strategen ein einheitliches Vorgehen des Westens gegen Russland abstimmen, wollen sie keinen offenen Disput mit Israel riskieren.

Als Obama und Netanjahu sich am Montag im Oval Office trafen, ging es prompt entspannt zu: Das Wort »Siedlungen« fiel nicht, und schon gar nicht in Verbindung mit dem Wort »aggressiv«. In der nächsten Woche kommt Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach Washington. Man kann gespannt sein, wie Obama ihm gegenüber auftritt. Die Krim-Krise sorgt jedenfalls dafür, dass die Akteure auf aggressive Rhetorik verzichten können. Je weniger er in den Schlagzeilen ist, desto eher kann der Friedensprozess gelingen.

Der Autor ist Korrespondent der Onlinezeitung »The Times of Israel«.

Reaktion

»Wir dürfen nicht dulden, dass Ausländerkriminalität, Judenhass an der Tagesordnung sind«

Bundeskanzler Merz sprach in Berlin über Migration und den grassierenden Judenhass im Land

 17.09.2026

Wahlkampf im Nordosten

Ex-CDU-Politiker Michel Friedman wirbt für die Grünen

 17.09.2026

Brandanschlag auf Synagoge Wuppertal

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Linke

Neue Umfrage sieht eine Partei wieder knapp in Führung

 17.09.2026

München

Drinnen redet ein Palästinenser, draußen wird er mit »Free Palestine«-Rufen niedergebrüllt

In der bayerischen Landeshauptstadt fand eine Medienkonferenz mit prominenten Teilnehmern statt, gegen die es im Vorfeld Boykottaufrufe gab. Redner beklagten die zunehmende Polarisierung

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Karlsruhe

Iraker plante Anschlag in Bremen

Der 24-jährige Islamist soll eine Kirche in Bremen als Anschlagsziel ausgewählt und schon eine Schusswaffe beschafft haben. Die Ermittler werfen ihm mehrere schwere Straftaten vor

 17.09.2026

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

»Stimmen Sie gegen Antisemitismus!«

Die Vorsitzende der DIG Berlin Brandenburg, Cerstin Richter-Kotowski ruft Wähler dazu auf, Parteien zu wählen, die Judenhass bekämpfen

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken. Allerdings wird auch Kritik laut

von Leticia Witte  17.09.2026