Canberra

Nach Terroranschlag: Australien setzt Untersuchungskommission zu Antisemitismus ein

Bondi Beach: Stunden nach dem Anschlag vom 14. Dezember 2025 ermitteln weiterhin Polizeibeamte vor Ort. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach dem Terroranschlag in Bondi Beach, bei dem Mitte Dezember 15 Menschen während einer Chanukka-Veranstaltung getötet wurden, richtet die australische Regierung eine nationale Untersuchungskommission ein. Premierminister Anthony Albanese kündigte an, dass eine sogenannte Royal Commission die Hintergründe der Tat sowie den zunehmenden Judenhass im Land umfassend untersuchen soll. Die Australian Broadcasting Corportation (ABC) berichtete.

Der Auftrag der Kommission gehe über die Aufarbeitung des Anschlags hinaus, erklärte Albanese. Untersucht werden sollen antisemitische Strukturen, gesellschaftliche Radikalisierung und Fragen des sozialen Zusammenhalts. Zur Leiterin der Untersuchung wurde die frühere Richterin am High Court, Virginia Bell, ernannt. Ihr Abschlussbericht soll bis zum 14. Dezember 2026 vorliegen.

Der Premier verteidigte sowohl den Zeitpunkt als auch die Personalentscheidung. Die erste Priorität seiner Regierung sei die nationale Sicherheit gewesen. Zugleich betonte Albanese, die Kommission müsse unabhängig arbeiten. Ob auch er selbst als Zeuge geladen werde, liege allein in der Entscheidung der Kommissarin: »Das wird die Royal Commission eigenständig festlegen. Ich werde ihr nicht vorgreifen.«

»Unabhängig, mitfühlend und faktenbasiert«

Jüdische Organisationen begrüßten den Schritt. Der Jüdische Rat Australiens sprach von einem notwendigen Signal und forderte »echte Rechenschaft« nach dem Anschlag. Zugleich warnte der Geschäftsführer des Rates, Max Kaiser, vor einer einseitigen Deutung des Problems.

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»Antisemitismus darf nicht ausschließlich als religiös motivierter Extremismus betrachtet werden«, sagte er. Entscheidend sei ein Ansatz, der Rassismus insgesamt in den Blick nehme. Die Kommission müsse »unabhängig, mitfühlend und faktenbasiert« arbeiten und dürfe nicht dazu missbraucht werden, politische Bewegungen oder Minderheiten pauschal zu diskreditieren.

Auch die Zionistische Föderation Australiens bezeichnete die Einsetzung der Kommission als »notwendigen und wichtigen Schritt«. Präsident Jeremy Leibler erklärte, die bisherigen Vorgaben böten eine solide Grundlage, nun komme es darauf an, die Untersuchung konsequent und ohne politische Rücksichtnahme durchzuführen. Die jüdische Gemeinschaft lebe seit Jahren mit den Folgen eines »anhaltenden und beispiellosen Anstiegs antisemitischer Vorfälle«.

Kritik der Konservativen

Unterstützung kam ebenfalls aus dem Hochschulbereich. Der Dachverband der australischen Universitäten sprach von einer »dringenden Gelegenheit«, die Bedingungen zu analysieren, unter denen Hass und Gewalt eskalieren konnten. Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit würden entschieden abgelehnt, Gewalt und Spaltung hätten keinen Platz in der australischen Gesellschaft.

Kritik äußerte hingegen die konservative Opposition. Deren Vertreter erklärten, Albanese sei durch den öffentlichen Druck zur Einsetzung der Royal Commission gezwungen worden. Die Regierung von New South Wales kündigte unterdessen an, auf eine eigene landesweite Untersuchung zu verzichten und die nationale Kommission zu unterstützen. im

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