Nahost

Mut zu »Good News«

Knessetpräsident Mickey Levy (M.) begrüßt Parlamentarier aus den Vereinigten Arabischen Emiraten am 14. Juli 2021 in Jerusalem. Foto: Flash 90

Gute Nachrichten lesen wir leider selten. Schon während meines Journalismusstudiums in London wurde uns Studenten der Slogan »Only bad news are good news« eingetrichtert. Also nur die schlechten Nachrichten sind gute Nachrichten, weil wir wissen, dass sie sich besser verkaufen. Unsere kognitive Wahrnehmung speichert negative Informationen und mögliche Gefahren nicht nur schneller ab, sondern sucht auch gezielt danach.

Gerade aus Israel schaffen es positive Meldungen kaum in die großen Medien. Das Land wird in den Nachrichten oft nur mit Militär, Terror und Krieg in Verbindung gebracht. Dabei gibt es auch viel Hoffnungsvolles und Fortschrittliches zu berichten. Zum Beispiel der zweite Jahrestag der Unterzeichnung des Abraham-Abkommens, auf das sich Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate am 13. August 2020 geeinigt hatten und das am 15. September im Weißen Haus in Washington offiziell unterzeichnet wurde. Zwei Jahre, die Geschichte geschrieben und die Situation im Nahen Osten grundlegend verändert haben. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch gibt man auf Google »Israel« und »Krieg« ein, erscheinen 10.200.000 Ergebnisse, gibt man »Israel« und »Abraham Accords« ein, erhält man lediglich 132.000 Ergebnisse. Die »Good News« machen nur einen Bruchteil aus.

Frieden Dabei wurden mit dem historischen Abkommen, noch ausgehandelt von Donald Trump und Benjamin Netanjahu, die Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten normalisiert. Kurz darauf folgten auch die Länder Bahrain, Sudan und Marokko. Eine einmalige Chance für strategische Neuorientierung im Nahen Osten und für ein Miteinander, das auf Frieden und Wohlstand basiert. Allein im vergangenen Jahr erreichte der Handel zwischen Israel und den Emiraten laut israelischem Wirtschaftsministerium 885 Millionen US-Dollar. Im Mai dieses Jahres haben Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate nach nur vier Verhandlungsrunden ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es sei das am schnellsten zustande gekommene Freihandelsabkommen, das es in Israels Geschichte je gegeben habe, erklärte Israels damaliger Ministerpräsident Naftali Bennett.

Bereits im Februar unterzeichneten beide Länder ein Tourismusabkommen. Es war ein weiterer Schritt zur Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten. Viel mitbekommen von diesen positiven Entwicklungen hat man in den Medien jedoch nicht.

Gerade aus Israel schaffen
es positive Meldungen kaum
in die Medien.

Aktuell arbeite ich an einem größeren Projekt zu den Abraham-Abkommen, einem der wegweisendsten Ereignisse in der neueren Geschichte des Nahen Ostens. Und genau diese Aufbruchsstimmung spiegelt sich in den Gesprächen mit unseren Protagonisten wider. Selten habe ich Menschen interviewt, die so voller Zuversicht, Optimismus und Hingabe über ein Abkommen gesprochen haben, egal ob auf israelischer oder arabischer Seite. Auch in den jeweiligen Ländern sind diese Gefühle spürbar. Zu sehen, mit welcher Begeisterung, mit welcher Freundlichkeit, mit welchem Unternehmungseifer die Menschen in Israel und in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufeinander zugehen, macht Hoffnung. Und es ist wichtig, diese Hoffnung zu vermitteln und nach außen zu tragen, gerade in einer Region, die jahrelang durch Feindschaft geprägt war. Es zeigt auch, dass der Friedensvertrag weit über die beiden Länder hinaus von großer Bedeutung ist. Er ist eine Chance für den gesamten Nahen Osten, die viele bis vor Kurzem nicht für möglich gehalten haben.

Noch im Jahr 2016 erklärte John Kerry als damaliger Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika: »Es wird keinen separaten Frieden zwischen Israel und der arabischen Welt geben.« Inzwischen wissen wir, dass er mit dieser Einschätzung daneben lag. Jahrzehntelang wagte kein arabischer Staat, offizielle Beziehungen zu Israel aufzunehmen. Friedensverträge bestanden nur mit Ägypten und Jordanien. Nun könnten sogar weitere Abkommen mit anderen arabischen Staaten folgen. Im Mai sprach sich Israels Präsident Isaac Herzog sogar für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Saudi-Arabien aus.

Verantwortung Nicht nur die Politiker, sondern allen voran der Journalismus und die Medien, entscheiden mitunter, wie wir die Welt sehen. Das ist eine große Verantwortung, der wir gerecht werden müssen. In den letzten zwei Jahren hat sich unsere Berichterstattung fast ausschließlich um Pandemien, Krisen und Kriege gedreht. Auch die jüngste Gewalteskalation im Nahen Osten war Aufmacher auf allen Nachrichtenkanälen. Zu Recht. Wichtig ist aber auch, dass Hunderttausende Israelis letztes Jahr Dubai bereist haben, mehr als 1000 sind dort ansässig geworden. Dass auf einer bis vor zwei Jahren nicht existenten Flugroute plötzlich 15 Direktflüge pro Tag angeboten werden. Dass eine Fußball-WM in Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Erwägung gezogen wird. Dass in Abu Dhabi auf einem gemeinsamen Areal eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee entstehen.

Drei Gebäude, die exemplarisch für einen neuen Zeitgeist in einer politisch fragilen Region stehen. Darüber wird aber kaum berichtet. Wenn Gutes passiert, sollte es genauso unser Auftrag sein, davon zu erzählen und darüber zu schreiben. Mehr Mut zu »Good News« bitte!

Die Autorin ist Korrespondentin des Bayerischen Rundfunks und lebt in München.

Berlin

Zentralrat: Leugnung des Existenzrechts Israels bestrafen

Der Bundesrat hat eine Initiative zur Verschärfung der Rechtslage gestartet – doch die Bundesregierung ist skeptisch. Der Zentralrat der Juden will das Thema nicht im Sande verlaufen lassen.

 28.08.2026

Prag

Tschechisches Außenministerium bestellt nach Drohungen iranischen Botschafter ein

Irans Militär nennt persischsprachige Exilmedien als mögliche Angriffsziele. Wie der EU- und Nato-Mitgliedstaat Tschechien auf die neue Bedrohungslage reagiert

 27.08.2026

Sachsen-Anhalt

Mehrere Siegmund-Vertraute haben Nazi-Vergangenheit und damit kein Problem

Nach Berichten von »Welt« und »Spiegel« waren mehrere enge Vertraute von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der 2009 verbotenen Neonazi-Organisation »Heimattreuer Deutsche Jugend« (HDJ) aktiv. Nach der Wahl könnten sie Minister werden

 27.08.2026

»Artgemeinschaft«

Durchsuchungen bei Unterstützern von rechtsextremem Verein

Bei den Razzien in fünf Bundesländern wurden auch Wohnungen von zwei AfD-Kandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt durchsucht

 27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Magdeburg

AfD legt weiter zu

In einer neuen Wahlumfrage von Infratest dimap steht die Rechtsaußenpartei in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent

 27.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Nahost

Sechs Monate Iran-Krieg: Eskalation oder Frieden?

Bombardierungen, Sanktionen, Verhandlungen: Ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn zeichnet sich zwischen den USA und dem Iran kein Frieden ab. Wo der Konflikt heute steht - und wie es weitergehen könnte

von Arne Bänsch, Jan Christoph Freybott  27.08.2026

Gesetzesinitiative

Bundesregierung distanziert sich von Hessens Vorstoß, Israel-Leugnung unter Strafe zu stellen

Gut gemeint, aber nicht gut gemacht - so blickt die Bundesregierung auf einen Bundesratsvorschlag zur Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels. Aus Hessen kommt Widerspruch

 27.08.2026