NS-Verbrechen

Mordprozess nach 68 Jahren

Über 40 Verfahren gegen Auschwitz-Wachleute sind in Vorbereitung. Strafrechtler kritisiert Arbeit der Ermittler

von Martin Krauss  27.08.2013 10:14 Uhr

Cornelius Nestler Foto: PR

Über 40 Verfahren gegen Auschwitz-Wachleute sind in Vorbereitung. Strafrechtler kritisiert Arbeit der Ermittler

von Martin Krauss  27.08.2013 10:14 Uhr

Der Kölner Strafrechtler Cornelius Nestler kritisiert die Arbeit der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg). »Die Rechtslage war immer schon so, dass Ludwigsburg und die Staatsanwaltschaften längst vorher hätten tätig werden können und müssen«, sagte Nestler der Jüdischen Allgemeinen.

prozess Nach Angaben der »tageszeitung« (taz) ermittelt die Zentrale Stelle derzeit gegen mehr als 40 ehemalige Wachmänner im Vernichtungslager Auschwitz wegen Beihilfe zum Mord. Schon ab September sollen die Vorgänge an die jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften übergeben werden. Als Erstes soll im September in Stuttgart Anklage gegen Hans Lipschis erhoben werden. Der heute 93-jährige frühere SS-Mann soll in Auschwitz an der Ermordung von über 9000 Menschen beteiligt gewesen sein.

Nach Angaben der taz will die Staatsanwaltschaft in Dortmund bis zum Ende des Jahres 2013 darüber entscheiden, ob gegen drei Beteiligte des Massakers der SS im französischen Oradour 1944 Anklage erhoben wird.

mythos Nestler kritisiert in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen, dass die Ermittlungen und Anklagen erst jetzt erhoben werden. Die immer gegebene Begründung, dass es eines konkreten und individuellen Tatnachweises bedurft hätte – eine Rechtsprechung, die erst durch das Urteil gegen den KZ-Wärter John Demjanjuk geändert worden sei –, nennt Nestler »einen Mythos«: Bereits in den 60er-Jahren habe es Verfahren gegeben, sagt der Jurist, »in denen Mitglieder von Wachmannschaften wegen Beihilfe zum Mord allein deswegen verurteilt wurden, weil sie zur Wachmannschaft gehörten. Denn die haben ja die Mordmaschinerie am Laufen gehalten«.

Lesen Sie mehr dazu in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

Einspruch

Zweifel an Namensgeberin

Josef Schuster appelliert, eine neue Straße in Oranienburg nicht nach Gisela Gneist zu benennen

von Josef Schuster  27.01.2022

Gedenken

»Diese Krankheit muss geheilt werden«

Schoa-Überlebende Inge Auerbacher mahnt zur Überwindung des Antisemitismus

 27.01.2022

Gedenkstunde Bundestag

»Antisemitismus ist nicht hinnehmbar. Punkt«

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) hat zur Wachsamkeit gegenüber anhaltender Judenfeindlichkeit aufgerufen

 27.01.2022 Aktualisiert

Inge Auerbacher

»Die Angst ging nie ganz weg«

Die deutsche Jüdin überlebte als Kind die Schoa. Heute hält sie die Gedenkrede im Bundestag

von Sebastian Moll  27.01.2022

BDS

Ein Urteil mit Folgen

Gerichtsbeschluss zum Saal-Verbot in München stößt auf massive Kritik

von Michael Thaidigsmann  27.01.2022

USA

Kennedy entschuldigt sich für Anne-Frank-Vergleich

Seine Absicht sei es gewesen, »Beispiele vergangener Barbarei zu verwenden, um die Gefahren neuer Kontrolltechnologien aufzuzeigen«

 26.01.2022

Extremismus

BKA nimmt Telegram stärker ins Visier

BKA-Präsident Münch: »Insbesondere die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass sich Menschen auf Telegram radikalisieren, andere bedrohen oder sogar Mordaufrufe veröffentlichen«

 26.01.2022

Brüssel

»Eine europäische Katastrophe«

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilt Holocaust-Verharmlosung in der Pandemie

 26.01.2022

27. Januar

Gemeinsames Erinnern

Bundesweite Plakataktion von Jüdischer Studierendenunion und Sinti und Roma Pride zum Gedenken an die NS-Opfer

 26.01.2022