Südamerika

»Lula hat die Wahrheit gesagt«

Erhält Unterstützung für seine Tiraden gegen Israel: Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva Foto: IMAGO/Fotoarena

Nachdem er mit einem Holocaust-Vergleich für Empörung in Israel gesorgt und diplomatische Spannung zwischen Jerusalem und Brasilia ausgelöst hat, bekommt Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nun politische Rückendeckung von den Staatschefs einiger Nachbarstaaten.

Kolumbiens ebenfalls linksgerichteter Präsident Gustavo Petro sprach Lula seine »volle Solidarität« aus. Petro schrieb auf X (ehemals Twitter): »In Gaza kommt es zu einem Völkermord und Tausende Kinder, Frauen und ältere Zivilisten werden feige ermordet. Lula hat nur die Wahrheit gesagt, und die Wahrheit wird verteidigt, sonst wird uns die Barbarei vernichten.« Die ganze Region müsse sich zusammentun, um »die Gewalt in Palästina unverzüglich zu beenden«. Petro sprach auch davon, dass »das Urteil (sic) des Internationalen Gerichtshofs zu Israel Anwendung und Konsequenzen in den diplomatischen Beziehungen aller Länder der Welt haben« müsse.

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Der Staatschef Boliviens, Lucho Arche, äußerte sich ähnlich und stärkte Lula ebenfalls den Rücken. Er überbringe seinem »Bruder« die »volle Solidarität und Unterstützung, weil er die Wahrheit über den Völkermord gesagt hat, der an den mutigen Palästinensern begangen wird.« Die Geschichte werde jenen nicht verzeihen, die dieser »Barbarei« gleichgültig gegenüberstünden, fügte Arche hinzu.

Venezuelas autoritär regierender Präsident Nicolás Maduro ging sogar noch weiter. In seiner Fernsehsendung »Con Maduro+« sagte er, Adolf Hitler sei »ein Konstrukt, ein Monster« gewesen, das von den westlichen Eliten geschaffen wurde.» Dann zog er einen ähnlichen Vergleich wie sein brasilianischer Kollege. «Wie Präsident Lula da Silva schon gesagt hat, tut die israelische Regierung mit den Palästinensern dasselbe, was Hitler mit den Juden getan hat: sie vernichten.»

Israel: «Rote Linie überschritten»

Lula da Silva hatte am Sonntag in einer Rede beim Treffen afrikanischer Staatschefs in Addis Abeba gesagt: «Für das, was im Gaza-Streifen mit dem palästinensischen Volk geschieht, gibt es keine historische Parallele. Beziehungsweise, es gibt sie: als Hitler beschloss, die Juden zu töten.» Der 78-Jährige behauptete ferner, Israels Militäroperation gegen die Hamas sei «kein Krieg von Soldaten gegen Soldaten», sondern «ein Krieg zwischen einer gut ausgestatteten Armee und Frauen und Kindern.»

Israels Politik reagierte wütend auf die Aussagen Lulas. Der brasilianische Staatschef habe «eine rote Linie überschritten» und Israel «wie der übelste Antisemit dämonisiert», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Sein Außenminister Israel Katz bestellte den brasilianischen Botschafter in Tel Aviv zu einem Protest ein – allerdings nicht, wie sonst üblich, ins Außenministerium, sondern sehr öffentlichkeitswirksam in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Jerusalem.

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Lulas Holocaust-Vergleich bezeichnete Katz als «schwerwiegenden antisemitischen Angriff». Neben dem brasilianischen Diplomaten stehend erklärte er dann Lula zur Persona non grata in Israel – zumindest solange, wie der Präsident sich nicht für seine Aussagen entschuldige.

Der brasilianische Botschafter wurde anschließend von seiner Regierung zu Konsultationen in die Heimat zurückbeordert. Brasilia bestellte seinerseits den israelischen Vertreter vor Ort für eine harsche Rüge ein. Jetzt machen sogar Spekulationen die Runde, Brasilien werde die diplomatischen Beziehungen zu Israel ganz abbrechen.

Jüdische Gemeinde: «Perverse Verzerrung»

Auf Empörung stießen Lulas Statements auch im eigenen Land. Brasiliens jüdischer Dachverband CONIB nannte sie eine «perverse Verzerrung der Realität». Brasilien habe in Bezug auf den Nahostkonflikt eine «extreme und unausgewogene Haltung» bezogen und die Tradition des Landes nach Ausgleich und Dialog aufgegeben, hieß es in einer Erklärung.

Der Vorstand der jüdischen Gemeinde von São Paulo, Ricardo Berkiensztat, wies auch auf mögliche Konsequenzen für die brasilianischen Juden hin. «Mit jedem Kommentar, jeder Äußerung von Präsident Lula wächst die Zahl der antisemitischen Demonstrationen in den sozialen Medien und die Bedrohung der örtlichen jüdischen Gemeinde.»

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Die Feindseligkeit linker Politiker in Südamerika Israel gegenüber hat eine lange Tradition. Im Oktober, nur wenige Wochen nach dem Hamas-Massaker in Israel, riefen Chile und Kolumbien ihre jeweiligen Botschafter aus Israel «zu Konsultationen» in die Heimat zurück. Bolivien brach die diplomatischen Beziehungen zu Israel sogar ganz ab.

Der jüdische Staat hat jedoch auch Verbündete auf dem Kontinent. So war der Argentinier Javier Milei, der erst seit wenigen Wochen als Präsident seines Landes amtiert, vergangene Woche zu einem Solidaritätsbesuch in Israel.

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