Diplomatie

»Letzte Zuckungen«

70 Länder nahmen an der Nahostfriedenskonferenz in Paris teil. Foto: imago

In Israels Regierung ist man sicher, dass eine »erhebliche Abschwächung« der Resolution, die am Sonntag vom Gros der 70 Teilnehmer der Nahostfriedenskonferenz in Paris verabschiedet wurde, nur auf heftige Kritik aus Jerusalem zurückzuführen ist. In der letztlich angenommenen Fassung werden sowohl Israel als auch die Palästinensische Autonomiebehörde zu einem »ehrlichen Einstehen für die Zweistaatenlösung« aufgefordert.

kerry Für Israel, so war am Sonntag in Jerusalem aus Regierungskreisen zu hören, ist es ein Fortschritt, dass »problematische Passagen«, die sich in der jüngsten Resolution des UN-Sicherheitsrates zum Siedlungsbau finden, nicht in das Pariser Dokument eingeflossen sind. Diese Abschwächung hatte der noch amtierende US-Außenminister John Kerry schon am Sonntagnachmittag Israels Premierminister Benjamin Netanjahu telefonisch mitgeteilt.

Die Pariser Nahostkonferenz war jedoch schon deswegen umstritten, weil die Hauptakteure Israel und die Palästinenser schlicht nicht anwesend waren. Von einer »nutzlosen Konferenz« sprach deswegen Netanjahu. Es gehe nur darum, Israel Bedingungen aufzuzwingen, »die im Widerspruch zu unseren nationalen Interessen stehen«, so Netanjahu.

grossbritannien Unterstützung erhielt Israel lediglich von Großbritannien, das in Paris der Schlussresolution seine Zustimmung verweigerte. Die Regierung von Premierministerin Theresa May war ohnehin nur durch rangniedrige Diplomaten vertreten, während 35 der 70 Teilnehmerländer, darunter die USA und Deutschland, von ihren Außenministern repräsentiert wurden.

Ob die Rhetorik Netanjahus, der das Treffen in Paris eine der »letzten Zuckungen einer Welt von gestern« nannte, angemessen ist, wird in Israel heftig diskutiert. Isaac Herzog, der Oppositionsführer in der Knesset, sagte, es wäre besser gewesen, wenn Netanjahu nach Paris gefahren wäre, um Israels Position dort zu erläutern. Es gibt etliche Stimmen, die eine Isolation Israels sehen und befürchten.

extremisten Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault erklärte, dass der Sinn der Konferenz darin bestand, ein internationales Zeichen für die Zweistaatenlösung zu setzen. Ayrault forderte alle Seiten auf, Alleingänge zu unterlassen, die zur Eskalation führen könnten. Das berge die Gefahr eines »Geschenks an die Extremisten« in sich.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande sagte am Sonntag, es sei nicht darum gegangen, Israel oder den Palästinensern eine Lösung aufzuzwingen. Die Orientierung auf eine Zweistaatenlösung sieht Hollande vom Siedlungsbau, vom schwindenden Willen zum Frieden und vom Terrorismus bedroht. Daher habe die Konferenz das Ziel gehabt, das globale Engagement für den Frieden zu bekräftigen. »Die Zweistaatenlösung ist nach wie vor das Ziel der internationalen Gemeinschaft für die Zukunft.«

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas begrüßte das Treffen und die Resolution. Anders als Netanjahu nahm Abbas auch das Angebot Hollandes an, ihn in den kommenden Wochen zu treffen, um über die Ergebnisse der Konferenz unterrichtet zu werden.

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026