Berlin

Lagodinsky verzichtet auf Bundestagskandidatur

Sitzt seit 2019 für Bündnis90/Die Grünen im Europaparlament: Sergey Lagodinsky Foto: Michael_Thaidigsmann

Fünf Tage nach der Ankündigung seiner Kandidatur zog er zurück: Der Grünen-Politiker Sergey Lagodinsky, seit 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments und mittlerweile stellvertretender Fraktionsvorsitzender der grünen Gruppe in Brüssel und Straßburg, will sich nun doch nicht für ein Bundestagsmandat im Berliner Wahlkreis Pankow bewerben. Lagodinsky teilte seinen Parteifreunden die Entscheidung am Dienstagvormittag per E-Mail mit.

Erst vergangene Woche hatte der 49-Jährige bekanntgegeben, er wolle bei der parteiinternen Nominierungskonferenz am Mittwoch gegen den bisherigen Mandatar Stefan Gelbhaar und als grüner Bewerber für das Direktmandat in Pankow Ende Februar antreten. Am Samstag hatte mit Julia Schneider eine weitere Kandidatin den Hut in den Ring geworfen. Jetzt zog Lagodinsky, einer der wenigen jüdischen Politiker im Land, zugunsten der 34-Jährigen, die Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses ist, zurück.

Lesen Sie auch

Auch Gelbhaar, gegen den mehrere Frauen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung erhoben haben, will wieder antreten. Bei der letzten Bundestagswahl hatte er mit deutlichem Vorsprung das Direktmandat für den Wahlkreis Pankow errungen.

Der Vorstand des bündnisgrünen Kreisverbands hatte Gelbhaar, der die Vorwürfe als »frei erfunden« zurückweist, vergangene Woche aufgefordert, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten.

Gelbhaar sieht in den Vorwürfen gegen ihn »eine in Teilen geplante Aktion« politisch interessierter Kreise. Ziel sei es, ihn massiv zu diskreditieren. Mitte November hatte der grüne Kreisverband ihn bei einer Wahlversammlung mit 98 Prozent der Stimmen als Direktkandidat für Pankow bestätigt. Nachdem dann im Dezember Anschuldigungen gegen den 48-Jährigen laut wurden, zog Gelbhaar seine Kandidatur für die Berliner Landesliste der Partei zurück.

Auch in seinem Kreisverband geriet er zunehmend unter Druck. Sergey Lagodinsky ergriff am Freitag letzter Woche dann die Initiative und gab bekannt, gegen Gelbhaar antreten zu wollen. Er habe den »vorherrschenden Zustand der Ratlosigkeit und des Stillstands« aufbrechen wollen, schrieb er jetzt in einer Email an die Parteimitglieder, die dieser Zeitung vorliegt.

»Im Sinne einer geeinten Entscheidungsfindung«, so Lagodinsky in seiner Erklärung, ziehe er nun aber seine Kandidatur zurück. Mit Julia Schneiders Bewerbung gebe es »ein weiteres gutes Angebot, welches es dem Kreisverband ermöglicht, aufgrund der veränderten Situation neu zu entscheiden.« mth

Verhandlungen

Iran pocht auf Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen

Die Debatte um blockierte Auslandsvermögen des Iran dominiert zunehmend die Gespräche über ein Abkommen mit den USA. Denn die iranische Wirtschaft steckt in der Krise

 31.05.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Teheran

Irans Machtapparat: Die wichtigsten Köpfe im Überblick

US-Präsident Donald Trump sprach im Zuge des Iran-Kriegs von »neuen und vernünftigeren« Kräften in Teheran. Dafür erntete er Spott. Doch wer sind die neuen (und alten) Entscheider?

von Arne Bänsch  31.05.2026

Washington

Trump ohne Entscheidung – Iran pocht auf eigene Interessen

Ein Durchbruch bei den zähen Verhandlungen zum Iran-Krieg lässt weiter auf sich warten. Teheran widerspricht Trump in drei Punkten

 31.05.2026

Brüssel

Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier

Verstößt die Europapartei, zu der auch die »Alternative« gehört, gegen Grundwerte der EU? Die zuständige Behörde sieht Hinweise auf problematisches Vorgehen in Mitgliedsparteien. Kommt ein Verfahren?

von Valeria Nickel  29.05.2026

Beirut

Entwaffnung der Hisbollah - ein unmögliches Unterfangen?

Seit mehr als zwei Jahren attackiert die Hisbollah Israel. Die Regierung in Jerusalem will eine Entwaffnung der Terrororganisation. Doch geht das?

 29.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026

Kiel

Mehr als 400 antisemitische Vorfälle im Norden gemeldet

»Die massiven Konsequenzen (...) sind Ausdruck eines wachsend gesamtgesellschaftlich antisemitischen Grundrauschens, das wir seit 2023 beobachten müssen«, so die Dokumentationsstelle Antisemitismus

 29.05.2026

New York

Streit um Bericht zu sexueller Gewalt: WJC kritisiert UN scharf

Narrative, die Israel pauschal delegitimierten, seien problematisch, so der Jüdische Weltkongress. Die ursprünglichen Gründungsideale der Vereinten Nationen müssten wieder in den Mittelpunkt rücken

 29.05.2026