Balkan

KZ-Resolution spaltet Balkan - EU-Ratspräsident verschiebt Reise

Beobachter sehen in der KZ-Resolution eine Antwort auf die jüngste UN-Resolution, mit der das Srebrenica-Massaker durch die serbisch-bosnische Armee verurteilt wurde Foto: imago images / Pixsell

In Südosteuropa ist eine Debatte um eine Resolution des montenegrinischen Parlaments entbrannt. Mit dem am Freitag angenommenen Antrag gedenken die Abgeordneten den Opfern von Konzentrationslagern im Zweiten Weltkrieg. Die kroatische Regierung, Montenegros Opposition und Beobachter vermuten jedoch eine politische Instrumentalisierung durch Serbien, wie örtliche Medien (Montag) berichten.

Die Resolution fokussierte sich den Berichten nach zunächst auf das ehemalige Konzentrationslager Jasenovac in Kroatien. Erst später seien die Konzentrationslager Mauthausen und Dachau hinzugefügt worden. In Jasenovac, betrieben vom Hitler-treuen Ustascha-Regime, wurden neben Juden und Roma hauptsächlich ethnische Serben getötet. Beobachter sehen daher eine »serbische Beeinflussung« des montenegrinischen Parlaments. Einige Beobachter wollen in der KZ-Resolution eine Antwort auf die jüngste Resolution der Vereinten Nationen erkennen, mit der die UN im Mai das Srebrenica-Massaker durch die serbisch-bosnische Armee verurteilt hatten.

Kroatien kündigte am Wochenende Protest an. Die am Freitag in Montenegro angenommene Resolution zu Jasenovac signalisiere eine bewusste Politik der Spaltung innerhalb des Landes und gehe von der Instrumentalisierung »eines anderen Staates in der Region« aus, zitiert der Staatssender HRT den kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenkovic. Serbiens Parlamentspräsidentin Ana Brnabic nannte Kroatiens Reaktion »traurig und zugleich interessant«.

Auch auf Montenegros EU-Aussichten könnte der jüngste Streit Auswirkungen haben. Diese Woche sollte der Präsident des Europäischen Rats, Charles Michel, nach Podgorica reisen. Stattdessen finde nun ein Treffen mit Montenegros Präsidenten Jakov Milatovic in Brüssel statt. Ein EU-Sprecher teilte auf Nachfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit: Michel habe seinen Besuch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, um »erfolgreiche Gespräche« zu gewährleisten, »die nicht von den jüngsten Entwicklungen überschattet werden sollten«. Gute Beziehungen zu Nachbarn seien ein »entscheidendes Element« für einen EU-Beitritt. kna

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026