Max Weber Stiftung

Kritik an designiertem Leiter des Beiruter Orient-Instituts

Libanesische Flagge vor einer Moschee in Beirut Foto: imago images/Hans Lucas

Die Berufung von Jens Hanssen zum Direktor des Beiruter Orient-Instituts der Max Weber Stiftung (MWS) steht in der Kritik. Dem Historiker der Universität Toronto wird vorgeworfen, ein Unterstützer der gegen Israel gerichteten Boykott-Kampagne BDS zu sein. Die »Welt am Sonntag« berichtete zuerst über den Fall.

Hanssen, der auf die moderne Geschichte des Nahen Ostens spezialisiert ist, unterzeichnete 2014 einen Boykott-Aufruf gegen israelische Wissenschaftseinrichtungen. Hintergrund war der eskalierende Konflikt zwischen Hamas und Israel. Zudem sprach sich Hanssen 2015 in Zitaten, die vom Online-Medium »Inside Higher Ed« wiedergegeben wurden, klar für eine Unterstützung der laut Deutschem Bundestag und aller namhaften Experten antisemitischen BDS-Bewegung aus.

Werte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte der »Welt am Sonntag«: »Wer sich intellektuell mit BDS verbündet und der Bewegung Vorschub leistet, etwa zum Aufruf des akademischen Boykotts Israels, steht wohl kaum für den Wert von Wissenschaftsfreiheit, den die Max Weber Stiftung für sich als zentral betrachtet.«

Das Bundesbildungsministerium bezeichnet die Boykott-Aufrufe von Hanssen als »in keiner Form akzeptabel«.

Lisa Michajlova, ein Vorstandsmitglied der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, sagte der Zeitung, die Berufung Hanssens füge sich »in ein antisemitisches Klima« ein. »In den Arbeitsverträgen der Max-Weber-Stiftung sollte klargemacht werden: Der Boykott Israels hat hier keinen Platz«, forderte sie.

Die MWS sitzt in Bonn und unterhält im Ausland mehrere geisteswissenschaftliche Institute, unter anderem in London, Tokio und Istanbul. Das Institut in Beirut soll ab dem 1. Juli von Hanssen geführt werden. Finanziert wird die Stiftung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Eine Sprecherin des Ministeriums bezeichnete die Boykott-Aufrufe von Hanssen gegenüber der »Welt am Sonntag« als »in keiner Form akzeptabel«. Von der MWS erwarte man, dass die BDS-Resolution des Bundestags handlungsleitend sei. Im Jahr 2019 hatte eine breite Mehrheit im Parlament die BDS-Bewegung als antisemitisch verurteilt und eine öffentliche Förderung ausgeschlossen.

Personalie Dennoch hält die Organisation an der Personalie Hanssen fest: »Die MWS sieht sich als öffentlich finanzierte Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland an den BDS-Beschluss des Bundestages von 2019 gebunden«, sagte ein Sprecher der Stiftung dieser Zeitung. Man sei überzeugt, »dass Herr Hanssen sich bei seiner zukünftigen Aufgabe an die für die MWS insgesamt geltenden Grundsätze halten wird«. Hanssen selbst erklärte, der BDS-Bewegung nicht anzugehören. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen ging der Historiker bisher nicht näher auf sein Verhältnis zu BDS ein.

Volker Beck, Präsident der Deutsch-israelischen Gesellschaft (DIG) und Geschäftsführer des Tikvah Instituts, forderte auf Nachfrage der Jüdischen Allgemeinen von der MWS »eine Überprüfung ihrer Haltung«. Hanssen sei für die vorgesehene Stelle ungeeignet, da ihm ein »Verständnis von Wissenschaftsfreiheit« fehle. Sollte die Stiftung selbst nicht einlenken, müsse »der Bundestag tätig werden und das Büro in Beirut abwickeln lassen«, findet Beck. js

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026