Judenhass

Kreuzweise

Sauberes Fundament: Piusbrüder kehren vor ihrem Priesterseminar in der Oberpfalz. Foto: dpa

Das Weltbild der Macher der Website kreuz.net ist eindeutig: Juden sind »Privilegien-Bürger«, sie dürfen sich nämlich alles erlauben, werden hofiert und subventioniert – nicht nur von der Politik, sondern auch von jenen Mitgliedern der katholischen Kirche, die die wahre Glaubenslehre verwässert haben.

Auch Homosexuelle sind den Betreibern von kreuz.net ein Ärgernis, »Kotstecher« werden sie genannt. Während kreuz.net sich selbst als verfolgte Unschuld sieht: Gegnern von Schwulen und Lesben drohe »eine ähnliche Behandlung wie den Juden in Nazi-Deutschland«, heißt es. Jüngst gerieten die Hassprediger in die Schlagzeilen, weil sie zum Tode des Kölner Kabarettisten Dirk Bach titelten: »Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle«.

Brandrede Immer wieder finden sich auf dem Portal für »katholische Nachrichten« solche Beiträge. Der Onlinedienst gehört auch zu den vehementesten Verteidigern des Schoaleugners Richard Williamson, gerade geschasster Bischof der Piusbrüder. Über den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, heißt es, er habe am 9. November 2010 eine »programmatische Brandrede« gehalten, weil er sich gegen die versöhnliche Haltung von Papst Benedikt gegenüber den Piusbrüdern aussprach. »Er kann es nicht lassen«, hieß es, Graumann verwende »infame Geschichtslügen, um der katholischen Kirche zu schaden«. Ein Autor behauptete gar, Graumann forderte »vom Vatikan für die Piusbruderschaft eine Endlösung«.

Dem Zentralrat wird auf kreuz.net »Goebbels-Propaganda« attestiert, wer widerspreche, den treffe die »Holocaust-Keule« – »Was bilden die sich eigentlich ein? Sind Juden das Maß aller Dinge?«. Anfangs tat sich die katholische Kirche schwer mit dem radikalen Anhang. Seit 2009 aber grenzt sich die Deutsche Bischofskonferenz scharf gegen das Portal ab. Deren Sprecher Matthias Kopp teilte der Jüdischen Allgemeinen mit, dass sich die Bischofskonferenz bereits mehrfach »in jeder Form von kreuz.net distanziert« habe. »Dieses inakzeptable Internetportal missbraucht den Begriff des Katholischen und hat mit der römisch-katholischen Kirche nichts zu tun. Es wäre wünschenswert, wenn diese Seite möglichst bald vom Netz genommen werden kann.«

Wer hinter dem Internetportal steckt, ist schwer herauszufinden. Offiziell residieren die rechtskatholischen Kreuzritter im kalifornischen El Segundo, weit genug entfernt von juristischem Zugriff. Anzeigen gegen die Macher sind bisher ins Leere gelaufen, Ermittlungsverfahren werden regelmäßig eingestellt.
Die Autoren verstecken sich gerne hinter Pseudonymen. Und im Impressum heißt es: »Non quaeras, quis hoc dixerit, sed quid dicatur, attende« – »Beachte das, was dir gesagt wird, ohne zu beachten, wer es dir sagt.«

Wie der »Spiegel« jetzt herausfand, veröffentlicht kreuz.net seit Jahren schon Beiträge von Mitarbeitern der katholischen Kirche. Das Blatt nennt etwa den Namen des Mainzer Prälaten Georg May, emeritierter Ordinarius für Kirchenrecht an der Universität Mainz. Erst im Jahr 2011 war er von Papst Benedikt zum Apostolischen Protonotar ernannt worden. Der Sprecher des konservativen »Netzwerks katholischer Priester«, Hendrick Jolie, soll ebenfalls zu den Autoren gehören. Auch wenn der Landpfarrer seit gut zwei Jahren – soweit recherchierbar – nicht mehr unter seinem Namen in kreuz.net veröffentlicht.

gespräche Laut »Spiegel« soll auch der ehemalige Lehrer Hubert Hecker dabei sein. Im Bistum Limburg unterrichtete er Religion, bis er jüngst in den Ruhestand ging. Dort heißt es, für etwaige Maßnahmen gegen Hecker sei man nicht zuständig, das müsse vom Land Hessen kommen. Allerdings habe man bereits vor zwei Jahren ein »intensives Gespräch mit Herrn Hecker« geführt. Danach habe er nicht mehr bei kreuz.net veröffentlicht. Dem »Spiegel« vertraute Hecker an: »Seit 2010 schreibe ich nicht mehr unter meinem Namen, warum, muss ich Ihnen nicht sagen.«

Die Deutsche Bischofskonferenz teilt mit, ihr sei nicht bekannt, dass Kirchenmitarbeiter für kreuz.net schrieben. Allerdings, so Sprecher Kopp, wäre eine derartige Publikationstätigkeit nicht akzeptabel. »Wer als kirchlicher Mitarbeiter in Deutschland auf kreuz.net publiziert, muss mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen, sofern der Dienstgeber dazu berechtigt ist.«

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