Jüdischer Studentenverband

Klage gegen Twitter eingereicht

Von links nach rechts: Marina Weisband, Avital Grinberg (EUJS), Anwalt Torben Düsing, Josephine Ballon (HateAid) auf der Pressekonferenz Foto: HateAid

Schoa-Leugnung, antisemitische Verschwörungstheorien und Vernichtungsphantasien gegen ganze Bevölkerungsgruppen: All das soll Twitter in mindestens sechs Fällen trotz Meldung von Nutzern nicht gelöscht haben.

So lautet der Vorwurf der European Union of Jewish Students (EUJS) und der Organisation HateAid gegen das soziale Medium. Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin verkündeten Vertreter beider Gruppen daher, gegen Twitter eine Zivilklage eingereicht zu haben. Zustimmung für den Schritt kommt vom Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Regeln Das Ziel der Klage: Twitter dazu zu zwingen, sich an seine eigenen Regeln zu halten. Denn die Richtlinien der Plattform verbieten unter anderem das Schüren von Hass und den missbräuchlichen Bezug auf den Holocaust. »Wir wollen gerichtlich feststellen lassen, ob Nutzer gegenüber Twitter auf Einhaltung der eigenen Geschäftsbedingungen bestehen können«, erläuterte der Rechtsanwalt Torben Düsing.

Bisher gäbe es nämlich kaum wirksame Mittel, soziale Medien zur Löschung von Inhalten anzuhalten. Einklagen könne man die Entfernung von Beiträgen bisher de facto nur, wenn man unmittelbar Geschädigter ist.

Sollte die Klage erfolgreich sein, wäre das ein »Game Changer«, glaubt die Publizistin und Netzaktivistin Marina Weisband.

Die Klage gegen Twitter wurde am Dienstag beim Landgericht Berlin eingereicht, erläuterte Düsing. Man hoffe auf eine Entscheidung bis Ende dieses Jahres.  

Sollte die Klage erfolgreich sein, wäre das ein »Gamechanger« für die Eindämmung von Hass im Internet, sagte die Publizistin und Netzaktivistin Marina Weisband, die die Pressekonferenz moderierte. Das Vorgehen von HateAid und EUJS könne anderen Social-Media-Nutzern künftig als Blaupause dienen, um die Plattform-Betreiber zur Löschung volksverhetzender und antisemitischer Beiträge zu zwingen.

Vertrauen »Twitter hat unser Vertrauen missbraucht«, kritisierte die Präsidentin der EUJS, Avital Grinberg, die Plattform. »Indem das Unternehmen die Verbreitung hasserfüllter Inhalte zulässt, versagt es beim Schutz der Nutzer und Juden im Besonderen.«

Das träfe insbesondere junge jüdische Internetnutzer, die laut Umfragen zu 90 Prozent angäben, Antisemitismus im Netz als großes Problem wahrzunehmen. Jüdinnen und Juden würden sich immer weniger trauen, online offen zu agieren, beobachtet Grinberg. Ihre Botschaft lautet: »Wir werden das nicht länger hinnehmen!«

Zentralratspräsident Schuster nennt die Klage »einen notwendigen Schritt im Kampf gegen Hate Speech«.

Nach Bekanntwerden der Klage meldete sich auch Josef Schuster zu Wort. »Jeder Nutzer von Social Media muss vor Hass, Hetze und Schoa-Leugnung geschützt sein«, sagte der Zentralpräsident in einer Pressemitteilung. »Die Plattformbetreiber müssen ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen.« Das nun mit einer Zivilklage erzwingen zu wollen, sei »ein notwendiger Schritt im Kampf gegen ‚Hate Speech‘«, so Schuster.

Organisationen Die EUJS ist die europäische Dachorganisation von 36 nationalen jüdischen Studierendenunionen und hat seinen Sitz in Brüssel. HateAid unterstützt und berät Betroffene von Internethass. Die Organisation wurde 2018 gegründet und sitzt in Berlin. Im Rahmen des Programms »Landecker Digital Justice Movements« der Alfred Landecker Stiftung finanziert HateAid Grundsatzprozesse gegen Online-Plattform-Betreiber.

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026

Berlin

Merz lehnt Apartheid-Vergleich von Israel entschieden ab

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Israel mit einem Apartheid-System verglichen. Merz widerspricht sehr deutlich

 18.06.2026

Washington

US-Vize Vance verbittet sich israelische Kritik an Trump

Aus der israelischen Regierung wird Kritik laut – nicht nur am Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, sondern auch an Präsident Trump. Dessen Vize kann mit damit allerdings gar nichts anfangen

 18.06.2026

Kommentar

Nimm die Wahrheit an, von wem auch immer sie gesagt wurde

Bisweilen wirkt die Debatte um KI-generierte Texte absurd. Denn die Qualität eines Arguments sollte entscheidender sein als sein Urheber

von Leeor Engländer  18.06.2026

Meinung

Wie Höcke die AfD zur Abrissbirne der Demokratie machen will

Die jüngsten Aussagen des Thüringer AfD-Chefs zeigen einmal mehr, wes Geistes Kind Björn Höcke ist und was er mit Deutschland vorhat: nichts Gutes

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Wirtschaft

Weiter wenig Schiffsverkehr durch Straße von Hormus

Vor dem Krieg passierten täglich Hunderte Schiffe die Meerenge. Dann kam der Verkehr weitgehend zum Erliegen, weil der Iran Reedern drohte. Kommt nach der Einigung mit den USA ein Aufschwung?

 18.06.2026

Interview

»Die Anständigen sind zu leise«

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) über Antisemitismus, wachsende Zustimmung zur AfD und die Rolle sozialer Medien

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Diplomatie

Israel bricht Beziehungen zu EU-Außenbeauftragter Kallas ab

Außenminister Gideon Sa’ar will mit Kaja Kallas so lange nicht mehr reden, bis sie sich für ihren Vorwurf, Israel praktiziere Apartheid, entschuldigt

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Bremen

Acht Meter breite Parolen an Schulen gesprüht

Unbekannte haben zwei Schulzentren im Bremer Stadtteil Walle mit großflächigen Farbschmierereien beschädigt. Sie schrieben unter anderem »FCK ISRAEL« und »Free Palestine«

 18.06.2026