Köln

Kirche sagt umstrittene »Nakba«-Ausstellung ab

Plakat der »Nakba«-Schau, die jüngst in Baden-Württemberg für eine Debatte sorgte. Die geplante Kölner Ausstellung ähnele ihr, heißt es nun aus der Kirche zur Begründung der Absage. Foto: Flüchtlingskinder im Libanon e.V.

In der Kölner Lutherkirche wird eine ursprünglich für Oktober angekündigte Ausstellung zum Konflikt zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten nicht gezeigt. Für die Präsentation der Wanderausstellung Frieden ist möglich – auch in Palästina, die von Elisabeth Gollwitzer in Nürnberg konzipiert wurde, seien im Vorfeld die entsprechenden Gremien von Gemeinde und Kirchenkreis nicht miteinbezogen worden, begründete der Superintendent des Kirchenkreises Köln-Mitte, Rolf Domning, am Mittwoch die Absage.

Bereits im Jahr 2012 sei in der Kölner Lutherkirche eine Ausstellung zur sogenannten Nakba geplant gewesen, erklärte der Superintendent. Der Begriff bezeichnet im arabischen Sprachgebrauch die angebliche massenhafte Flucht und Vertreibung von arabischen Palästinensern im Jahr 1948 im Rahmen der Staatsgründung Israels.

israel Damals habe sich die Gemeindeleitung gegen die »Nakba«-Ausstellung ausgesprochen, erläuterte Domning. Vor sechs Jahren seien Formulierungen Hintergrund der Kritik und der Absage durch das Presbyterium gewesen, »die eine einseitige und unzureichend reflektierte Schuldzuweisung gegenüber Israel befürchten ließen und damals wie heute auch noch antisemitische Tendenzen verstärken könnten«.

»Die aktuelle Ausstellung weist viele Parallelen zu der damaligen Ausstellung auf, weshalb der neuen Ausstellung möglicherweise ein bestehender Presbyteriumsbeschluss entgegensteht«, betonte der Superintendent. Dies hätte geprüft werden müssen.

Die für diesen Monat geplante 14-tägige Präsentation in der Kölner Lutherkirche basierte auf einer Einladung vom Städtepartnerschaftsverein Köln-Bethlehem, der Organisation Café Palestine Colonia und der Initiative Frieden in Palästina, zu der auch Gollwitzer gehört. Die Wanderausstellung Frieden ist möglich besteht nach eigenen Angaben aus 17 Tafeln mit Texten, Grafiken und Bildern.

Gleichwertigkeit In der Ankündigung für die Präsentation in der Kölner Kirche sprachen der Städtepartnerschaftsverein und die Mit-Einlader davon, dass die Schau sich um eine sachliche Betrachtung der Probleme in den palästinensischen Gebieten und Israel bemühe.

»Sie widerspricht aller kolonialen und rassistischen Politik mit ihren menschenunwürdigen Lebensbedingungen ebenso wie den gewalttätigen Vergeltungsmaßnahmen beider Seiten«, hieß es in der Ankündigung. Die Schau werbe für ein Miteinander und die Gleichwertigkeit aller Ethnien und Religionen.

Erst im September hatte die ähnlich konzipierte »Nakba«-Ausstellung im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart und in der Evangelischen Akademie Bad Boll für eine Kontroverse gesorgt. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft nannte sie antisemitisch. Der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung übte ebenfalls scharfe Kritik an der Einseitigkeit und Tendenz der Ausstellung. Der Grünen-Politiker Volker Beck wirft ihr vor, antisemitische Ressentiments zu schüren.

Unterstützt wurde die Ausstellung dort von einem Bündnis christlicher Organisationen, etwa von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg und der katholischen Initiative Pax Christi. epd/ja

Kultur

Klein wünscht sich mehr Wehrhaftigkeit gegen Antisemitismus im Kulturbetrieb

Der Antisemitismus-Beauftragte Klein kritisiert einen geplanten Auftritt der palästinenisch-stämmigen DJ Sama‘ Abdulhadi im Juli in Hamburg

 19.04.2026

Iran

Iran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig

Keine 24 Stunden nach der Zusage des Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, wurde sie wieder zurückgenommen.

 19.04.2026

Internationaler Strafgerichtshof

»Begünstigung von Kriegsverbrechen«: Israelische NGO zeigt Spaniens Regierungschef Sánchez an

Die Hintergründe

 18.04.2026 Aktualisiert

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

ZDF-Politbarometer

Auf Bundesebene: AfD erstmals stärkste Kraft

Die rechtsextreme Partei profitiert von der Unzufriedenheit der Bürger mit der Regierung

 17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der ab dem 1. Mai von Deutschland aus arbeitet

 17.04.2026

Berlin

Zentralrat der Juden gegen Widerspruchslösung

In seinem Tätigkeitsbericht für 2025 geht der Zentralrat auch ethische Fragen rund um das Thema Organspende ein

 17.04.2026

Genf

So reagiert die Weltbank auf antisemitische Posts von Francesca Albaneses Ehemann

Massimiliano Cali soll den palästinensischen Terrorismus relativiert und gegen Juden gehetzt haben

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Paris

Bericht: Marine Le Pen trifft Israels Botschafter

Das Gespräch wirft diese Frage auf: Wie geht die Regierung Netanjahu mit rechtsextremistischen Parteien im Ausland um?

 17.04.2026