Parteien

»Keine Sorgen um die SPD«

Renée Röske ist Vorsitzende des Arbeitskreises jüdischer Sozialdemokraten. Sie ist eine von vielen jüdischen Stimmen, die sich beunruhigt über die heutige Abstimmung zeigen. Foto: PR

Frau Röske, die SPD ist ihre Vorsitzende los. Wie geht es weiter mit Ihrer Partei?
Wir werden im Dezember einen Parteitag abhalten. Dort wird ein neuer Parteivorstand gewählt. Bis dahin gibt es eine Interimslösung. Und für die Bundestagsfraktion gilt Ähnliches: Interimsvorsitzende, bis eine neue Person gewählt wurde. Ich würde mir zum Parteivorsitz ein Mitgliedervotum wünschen.

Bleibt es bei der Großen Koalition?
Es ist ohnehin im Koalitionsvertrag geregelt, dass nach der Hälfte der Zeit eine Zwischenbilanz gezogen wird. Das steht in diesem Jahr an, und die Entscheidung über die Koalition liegt bei der Fraktion. Es wird gewiss auch auf dem Parteitag Anträge geben, die Große Koalition zu beenden. Für mich als Parteimitglied ist das unverständlich, denn erst Anfang 2018 hat sich die Mehrheit der Mitglieder für die Regierungszusammenarbeit mit der Union ausgesprochen.

Warum wäre eine Mitgliederbefragung gut?
Die SPD hat damit gute Erfahrungen gemacht. So werden die Mitglieder stärker an der Parteiarbeit beteiligt. Es ist häufig so, dass nicht alle Entscheidungen, die von Funktionären beschlossen werden, dem entsprechen, was die Basis wünscht. Und so können auch unbekanntere Personen in wichtige Ämter gelangen.

Hat Andrea Nahles Fehler gemacht?
Leider wird jeder Parteivorsitzende heftig angegangen. Man kann ja nicht sagen, dass Nahles alleine schuld am Abschneiden bei den Europawahlen ist. Persönlich habe ich sie als sehr offen und sehr engagiert schätzen gelernt. Vielleicht ist sie aber bei vielen Menschen als zu hart rübergekommen.

Droht mit dem SPD-Absturz auch das Ende einer jüdischen Tradition in der Politik?
Ich mache mir keine Sorgen um das Überleben der SPD. Schon deswegen nicht, weil die sozialdemokratischen Ideen fest verankert sind und gebraucht werden. In der Tat standen am Anfang unserer Partei viele Jüdinnen und Juden, und vieles, was wir erreicht haben, ist so zu erklären: Die Sechstagewoche etwa hat sich auch aus jüdischen Wurzeln gespeist. Wir haben vielleicht nicht immer selbstbewusst genug auf unsere Erfolge verwiesen, auf den Mindestlohn etwa.

Würde es der SPD guttun, wenn Juden und jüdische Ideen sie stärker prägten?
Es gab und gibt jüdische SPD-Politiker. In etlichen Landes- und Regionalparlamenten sitzen auch Jüdinnen und Juden. Ich würde mir aber jüdische Funktionäre auf allen Ebenen wünschen, besonders im Bundestag.

Gibt es in Ihrem Arbeitskreis Ambitionen?
Dafür muss man sehr viel von seiner Freizeit opfern, das dürfen Sie nicht unterschätzen! Manuela Schwesig hat einmal gesagt, man dürfe eine politische Karriere nicht planen. Da gibt es nämlich viel zu viele Unwägbarkeiten: unsichere Wahlkreise oder starke Gegenkandidaten …

Mit der Vorsitzenden des AK jüdischer Sozialdemokraten sprach Martin Krauß.

Berlin

Julia Klöckner ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Bundestagspräsidentin erinnert an die Opfer des 7. Oktober 2023 in Israel. Ihre Botschaft: Antisemiten müssten in die Schranken gewiesen werden

 07.10.2026

Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne, v.l.) vor dem ersten Vorsondierungsgespräch, 1. Oktober

Nach der Wahl

Linke, Grüne und SPD in Berlin beraten über Umgang mit Antisemitismus

Die Regierungsbildung ist noch nicht richtig in Gang gekommen. Nun treffen sich Linke, Grüne und SPD zu einem dritten Vorgespräch – an einem historischen Tag. Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

 07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  07.10.2026

Islamismus

Studie: Nach Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg verlagern sich Netzwerke nach Frankfurt

Einer neuen Untersuchung von American Jewish Committee Berlin und democ zufolge bestehen die Strukturen des vom Iran gesponserten schiitischen Islamismus in Deutschland fort

 07.10.2026

Berlin

Fischer, Thierse, Altmaier – Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

Frühere Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU wenden sich gegen eine Koalition mit der Linkspartei in der Hauptstadt. Sie sähen gemeinsame Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie nicht gesichert, heißt es in einem Appell

 07.10.2026

Berlin

Initiative von Jüdinnen und Juden wendet sich gegen Koalition mit der Linken

Mit einem offenen Brief an Vertreter von SPD und Grünen in Berlin und auf Bundesebene sowie ihre Fraktionsmitglieder warnen die Unterzeichnenden vor einer Regierung mit der Linkspartei in der Hauptstadt

 07.10.2026

Justiz

Fast 12.500 Strafverfahren zum Nahost-Konflikt in Berlin

Seit dem Terrorangriff auf Israel hat der Antisemitismus zugenommen. Keine Woche vergeht in Berlin ohne Demonstrationen zum Gaza-Krieg. Wie aufgeheizt die Stimmung ist, zeigen auch Zahlen der Justiz

 07.10.2026

Antisemitismus

Nach Angriff auf jüdischen Mann in Düsseldorf: Verdächtige ermittelt

Eine Woche nach dem Angriff auf einen deutschen Juden am Rheinufer in Düsseldorf hat die Polizei nun zwei Tatverdächtige ermittelt. Was bislang bekannt ist

 07.10.2026