Völkermord-Prozess

Jüdische Gemeinden weltweit kritisieren IGH-Entscheidung

Die »J7 Task Force« wurde im Jahr 2023 gegründet. Foto: J7

Völkermord-Prozess

Jüdische Gemeinden weltweit kritisieren IGH-Entscheidung

Der Internationale Gerichtshof gab am Freitag Südafrikas Klage gegen Israel in einigen Punkten recht

 28.01.2024 12:12 Uhr

Die J7, ein weltweiter Zusammenschluss von sieben großen jüdischen Gemeinden, sind enttäuscht über die einstweilige Anordnung, die der Internationale Gerichtshof (IGH) gegen Israel verhängt hat. Die israelische Armee müsse mehr tun, um Zivilisten in Gaza zu schützen, befand der IGH in einer ersten Entscheidung über die von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel. Das Gericht hatte jedoch Südafrikas Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand abgelehnt.

»Wir nehmen die angemessene Zurückweisung von Südafrikas extremer Forderung nach einem israelischen Waffenstillstand durch den Internationalen Gerichtshof zur Kenntnis«, heißt es in einer Mitteilung der J7, zu dem neben der jüdischen Gemeinde in Deutschland auch die Gemeinden in Großbritannien, Frankreich, Kanada, Australien, Argentinien und den USA gehören.

Die Entscheidung erkenne zwar Israels Recht auf Selbstverteidigung an, aber die einstweilige Anordnung würde den »absurden Anschuldigungen« Südafrikas Gewicht verleihen. »Gegner Israels politisieren schamlos die Völkermord-Konvention und verhöhnen damit tatsächliche Genozide in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft«, teilten die J7 mit. »Das ist Teil einer breiteren, moralisch obszönen Anti-Israel-Kampagne, die von Südafrika geführt wird, mit der Unterstützung des iranischen Regimes und anderer Regierungen, die dem jüdischen Staat feindlich eingestellt sind.«

Südafrika und seinen Verbündeten gehe es darum, die Hamas zu stärken. »Es ist unglücklich, dass der IGH, der eigentlich als Bannerträger für die internationale Rechtsstaatlichkeit dienen sollte, Südafrikas düsterem Plan, wenn auch nur teilweise, zum Opfer gefallen ist«, kritisieren die J7. Statt Israels Bemühungen zivile Opfer zu vermeiden, anzuerkennen, habe das IGH eine »verwirrende und verschachtelte Botschaft« gesendet, die den Terroristen der Hamas und ihrer genozidalen Ideologie Legitimität verleihen würde.

Historische Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs

Der IGH hat am Freitag in Den Haag (Niederlande) eine einstweilige Anordnung gegen Israel erlassen, in der ein Ende der Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen gefordert wird.

15 der 17 Richter befanden, dass zumindest einige der in der südafrikanischen Klageschrift vorgebrachten Anhaltspunkte auf eine mögliche Missachtung der UN-Völkermordkonvention, für deren Einhaltung der IGH zuständig ist, plausibel oder zumindest nicht offensichtlich unbegründet seien. Sie wiesen damit den Antrag Israels auf sofortige Zurückweisung der Klage ab. Südafrika habe das Recht, Israel nach der Konvention von 1948 zu verklagen, es habe auch im Vorfeld entsprechende Besorgnis geäußert.

Wörtlich heißt es in dem Urteil: »Der Gerichtshof kommt auf der Grundlage der vorstehenden Erwägungen zu dem Schluss, dass die in seiner Satzung vorgesehenen Voraussetzungen für die Anordnung einstweiliger Maßnahmen erfüllt sind. Es ist daher erforderlich, dass der Gerichtshof bis zu seiner endgültigen Entscheidung bestimmte Maßnahmen anordnet, um die von Südafrika geltend gemachten Rechte zu schützen, die der Gerichtshof für plausibel hält.«

So soll die israelische Regierung nach dem Willen des IGH umfassendere und wirksame Maßnahmen zur Bewältigung der »humanitären Katastrophe« in Gaza ergreifen. Sie soll auch sicherstellen, wie von Südafrika beantragt, dass keine Beweise für einen möglichen Genozid vernichtet werden. Die Bevölkerung Gazas habe ein »Recht auf Schutz«, so das Gericht.

Die Richter zeigten sich auch besorgt über die von der Hamas am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppten Geiseln und forderten ihre sofortige Freilassung. Das Gericht erkannte an, dass der Terrorangriff Auslöser des aktuellen Konflikts in Gaza war. ja

Berlin

Späte Gerechtigkeit? Neue Schiedsgerichte zur NS-Raubkunst

Jahrzehnte nach Ende der Nazi-Zeit kämpfen Erben jüdischer Opfer immer noch um die Rückgabe geraubter Kunstwerke. Ab dem 1. Dezember soll es leichter werden, die Streitfälle zu klären. Funktioniert das?

von Cordula Dieckmann, Dorothea Hülsmeier, Verena Schmitt-Roschmann  29.11.2025

Interview

»Es ist sehr viel Zeit verloren gegangen«

Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, zieht eine Bilanz seiner Arbeit an der Spitze der »Beratenden Kommission NS-Raubgut«, die jetzt abgewickelt und durch Schiedsgerichte ersetzt wird

von Michael Thaidigsmann  29.11.2025

Interview

»Weder die Verwaltung noch die Politik stehen an meiner Seite«

Stefan Hensel hat seinen Rücktritt als Antisemitismusbeauftragter Hamburgs angekündigt. Ein Gespräch über die Folgen des 7. Oktober, den Kampf gegen Windmühlen und kleine Gesten der Solidarität

von Joshua Schultheis  29.11.2025

Meinung

Wenn ein Botschafter Schoa-Überlebende zu Lügnern erklärt

Tom Rose, neuer US-Botschafter in Warschau, hat in einer Rede die Komplizenschaft Tausender Polen während des Holocaust bestritten. Das ist fatal für das Ansehen der USA

von Menachem Z. Rosensaft  29.11.2025

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Berlin

Anschlag auf israelische Botschaft geplant? Prozess beginnt

Ein mutmaßlicher IS-Unterstützer kommt vor Gericht. Der Prozess gegen den inzwischen 19-Jährigen beginnt am Montag

 28.11.2025

Brüssel

Weimer warnt vor Antisemitismus und Ausgrenzung beim ESC

Der Kulturstaatsminister will darüber mit seinen europäischen Kollegen sprechen

 28.11.2025

Eurovision Song Contest

Spanien bekräftigt seine Boykottdrohung für ESC

Der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE gibt sich kompromisslos: José Pablo López wirft Israel einen »Genozid« in Gaza und Manipulationen beim Public Voting vor und droht erneut mit dem Austritt

 28.11.2025

USA

Mehrheit der Juden blickt nach Mamdani-Sieg mit Sorge nach New York

Eine Umfrage zeigt: Fast zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, Mamdani sei sowohl antiisraelisch als auch antisemitisch

 28.11.2025