Israel

Jahr des Zionismus

Vor 120 Jahren berief Theodor Herzl ein Treffen ein, das die Welt verändern sollte: den 1. Zionistischen Weltkongress. Foto: dpa

Wie in der Bibel, so hat auch für den Zionismus die Zahl sieben eine besondere Bedeutung, und die Jahre, die auf sieben enden, sind mit historisch bedeutenden Ereignissen verbunden. So wird es im kommenden Jahr in Israel viel zu feiern, aber auch reichlich Anlass zur Reflexion geben.

1897: Vor 120 Jahren berief Theodor Herzl einen Kongress ein, der die Welt verändern sollte. Ein Jahr zuvor hatte der assimilierte Wiener Journalist mit seinem Aufruf »Der Judenstaat« für Furore gesorgt: Wenn man die Juden in Europa nicht dulde, dann müssten sie eben eine eigene Heimstätte errichten.

widerstand Seine jüdischen Freunde in Wien und Paris waren wenig angetan von diesen Plänen, und als er 1897 den ersten Zionistenkongress in München einberufen wollte, verhinderte dies der Widerstand der örtlichen jüdischen Gemeinde und des deutschen Rabbinerverbandes. So wurde schließlich Basel, wo es nur eine kleine und größtenteils ostjüdische Gemeinde gab, zum Kongressort.

1917: 20 Jahre später – Herzl war längst tot – fand das Basler Programm, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für die Juden in Palästina zu schaffen, internationale Anerkennung. Die Briten waren gerade dabei, Palästina dem Osmanischen Reich zu entreißen, und suchten nach Verbündeten. Chaim Weizmann, der neue Stern am zionistischen Himmel, hatte als Chemiker mit kriegswichtigen Entdeckungen Zugang zu den inneren Kreisen der britischen Regierung gefunden.

Aber auch religiöse und humanitäre Gesichtspunkte spielten eine Rolle, als der britische Außenminister Lord Arthur Balfour am 2. November 1917 folgende Worte an Lord Rothschild und damit an die jüdische Öffentlichkeit richtete: »Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern infrage stellen könnte.«

heimstätte In diesen wenigen Worten steckte sehr viel Ungewisses: Was genau bedeutet eine »nationale Heimstätte«? Wo sind die Grenzen Palästinas und der jüdischen Heimstätte? Was ist mit der Rücksichtnahme auf die Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften, also der arabischen Bevölkerung Palästinas, gemeint? Aus heutiger Perspektive wird oft angenommen, dass die Balfour-Deklaration einen souveränen jüdischen Staat zusagte, aber dies war 1917 oder 1927 noch völlig unklar.

1937: Erst weitere 20 Jahre später lag erstmals eine Zweistaatenlösung für Palästina auf dem Tisch. Vorgelegt wurde sie von Lord William Peel, dessen Kommission von der britischen Regierung eingesetzt wurde, um eine dauerhafte Lösung für das von Unruhen geplagte Palästina zu finden. Peel und seine Mitarbeiter schlugen die Teilung Palästinas westlich des Jordans vor. Vor 80 Jahren begann damit jene Diskussion, die bis heute andauert: Sollen Juden und Palästinenser in einem gemeinsamen Staat leben oder in zwei souveränen Staaten? Letztlich lehnte die britische Regierung den Plan der von ihr selbst eingesetzten Kommission ab.

1947: Niemand weiß, wie viele Juden hätten gerettet werden können, wenn 1937 der Teilungsplan umgesetzt worden wäre. Dass er in etwas variierter Form zehn Jahre später von der neu gegründeten UNO angenommen wurde, war nicht zuletzt auf den Holocaust zurückzuführen. Das Weltgewissen war endlich wachgerüttelt. Wie bereits 1937 lehnten die Araber die Teilung ab, die Zionisten sprachen sich in ihrer Mehrheit dafür aus. Und wie zehn Jahre früher, sollte auch jetzt Jerusalem keiner der beiden Seiten zugesprochen werden, sondern Internationale Zone werden.

grenzen 1967: Jerusalem blieb, wie Palästina – als Folge des Unabhängigkeitskrieges –, 20 Jahre lang geteilt. Als nach ägyptischen Drohgebärden die israelische Armee 1967 einen Präventivschlag startete und innerhalb von sechs Tagen die Kontrolle nicht nur über das Westufer des Jordan und Ost-Jerusalem, sondern auch über die Golanhöhen und die Sinai-Halbinsel erlangt hatte, waren die Grenzen von 1947 wieder infrage gestellt.

Wo aber sind die Grenzen Israels? Diese Frage ist bis heute ebenso ungeklärt wie die Frage nach den Langzeitfolgen von 1967: Hat Israel den Sechstagekrieg am siebten Tag verloren, weil es nun zur Besatzungsmacht wurde, wie es der israelische Philosoph Jeshajahu Leibowitz formulierte? Oder hat es mehr Sicherheit gewonnen und dazu die ewige Hoheit über die biblischen Gebiete, wie es die israelische Rechte postuliert, die vor genau 40 Jahren – 1977 – an die Macht kam? Es war übrigens vor genau 30 Jahren, als die arabische Antwort auf diese Frage durch die 1987 ausgebrochene erste Intifada erfolgte.

Und 2017? Ein neuer amerikanischer Präsident will die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen, ein neuer US-Botschafter wendet sich von der Zweistaatenlösung ab. Es sieht ganz danach aus, als ob zu den historischen Siebenerjahren der Geschichte des Zionismus ein neues hinzugefügt werden wird.

Der Autor ist Professor für jüdische Geschichte und Kultur. Zuletzt erschien von ihm das Buch »Israel. Traum und Wirklichkeit des jüdischen Staates«.

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