Nahost

Israels Außenminister fordert »klaren Kurs« der Bundesregierung

Außenminister Gideon Sa’ar Foto: copyright (c) Flash90 2025

Israels Außenminister Gideon Sa’ar hat die Bundesregierung zu einem »klaren Kurs« aufgerufen. In einem von Chefredakteur Jan Philipp Burgard geführten »Welt am Sonntag«-Interview erklärte er, sein Land wünsche sich, »dass sich Deutschland nicht nur klar zu Israels Sicherheit bekennt, sondern im gegenseitigen Interesse auch so handelt«.

Sa’ar fügte hinzu, er hoffe, die Bundesrepublik werde sich im Nahen Osten »als stabilisierende und erneuernde Kraft« engagieren und »sich dabei von den überholten und gescheiterten Paradigmen der Vergangenheit« lösen.

Lesen Sie auch

»Leider haben wir während des gegenwärtigen Krieges auch Enttäuschungen erlebt, sowohl was die politische Unterstützung in internationalen Gremien als auch die Verzögerung bestimmter militärischer Hilfen betrifft«, betonte Israels Außenminister. »Wir hoffen hier auf einen klaren Kurs der Bundesregierung.«

»Vielköpfige Hydra«

Minister Sa’ars Kritik hat offenbar auch mit dem Abstimmverhalten Deutschlands bei den Vereinten Nationen zu tun, sowie mit einem zeitweiligen Exportstopp für bestimmte Waffen – zu einem Zeitpunkt, als Israel diese für den Kampf gegen den palästinensischen und libanesischen Terror dringend brauchte.

Der israelische Minister forderte in dem »Welt am Sonntag«-Interview auch einen harten Kurs der Europäer gegenüber dem Iran. Dieser sei »die destabilisierende Kraft Nummer eins im Nahen Osten, die Terrorismus und Radikalisierung in der gesamten Region schürt – wie eine vielköpfige Hydra, die offen ihre Absicht bekundet, Israel zu vernichten«.

Auch Deutschland habe die Möglichkeit und die Verantwortung, das iranische Atomprogramm zu stoppen. Die Sanktionen gegen das Regime in Teheran müssten über den im Iran-Abkommen vorgesehenen Mechanismus sofort wieder in Kraft gesetzt werden.

»Begeistert aufgenommen«

Ein weiteres Thema des Interviews waren die Geiseln der palästinensischen Terrororganisation Hamas, die Sa’ar zufolge »unter brutalen Bedingungen gefangen gehalten, gefoltert und ausgehungert« werden.

»Leider stärkt die internationale humanitäre Hilfe die Hamas und ist zu ihrer wichtigsten Finanzquelle geworden, anstatt ihrem ursprünglichen Zweck zu dienen, der Zivilbevölkerung in Gaza zu helfen«, so der Minister. Entgegen der Propaganda der Hamas seien die Menschen in Gaza nicht ausgehungert worden. Dennoch sei diese Lügen »von Teilen der internationalen Gemeinschaft begeistert aufgenommen« worden.

Die Bilder in den Medien verdeutlichten dies. »Die Einzigen, die wirklich ausgehungert wurden und werden, sind die israelischen Geiseln«, erklärte Gideon Sa’ar.

»Unkonventionelle Ideen«

»WELT«-Chefredakteur Burgard brachte auch die Zukunft Gazas zur Sprache. Der Außenminister sagte dazu, die Herrschaft der Hamas über den Gaza-Streifen habe zu einer großen Tragödie sowohl für Israel als auch für die Bewohner des Gazastreifens geführt. »Es ist daher an der Zeit, neue und unkonventionelle Ideen für eine bessere Zukunft unvoreingenommen zu prüfen.« Dies sei »der Kern der Idee, die Präsident Trump präsentiert hat«. Viele Gazaner hätten den Wunsch, auszuwandern.

Gefragt wurde Sa’ar auch zu den jüngsten Ausführungen seines Kollegen Israel Katz. Der Verteidigungsminister hatte erklärt, Spanien, Irland und Norwegen seien verpflichtet, Palästinenser aufzunehmen, da sie einen palästinensischen Staat im letzten Jahr anerkannt hätten.

Der Außenminister dazu: »Ich vermute, Minister Katz wollte sagen, dass man von Ländern, die das Leiden der Bewohner des Gaza-Streifens bisweilen übertrieben darstellen, erwarten könnte, dass sie ihrer Rhetorik Taten folgen lassen und wegen ihrer angeblichen Humanität bereit sind, diejenigen aufzunehmen, die auswandern möchten.« im


Nahost

Unifil-Soldat stirbt nach Angriff im Südlibanon

Nach Angaben der UN erlag der Unifil-Angehörige in den frühen Morgenstunden seinen Verletzungen. Woher kam der Beschuss?

 04.06.2026

Judenhass

Antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt nehmen weiter zu

Die Meldestelle RIAS dokumentiert für 2025 rund ein Drittel mehr Vorkommnisse als im Vorjahr

 04.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 04.06.2026

Flensburg

Jüdin darf bei Antisemitismus-Prozess keine Davidsternkette tragen

Ausgerechnet bei einem Prozess wegen eines antisemitischen Aushangs kommt es zu einem antisemitischen Vorfall

 04.06.2026

POWER LIST – Germany’s Top 50

Hape Kerkeling bekommt Sonderpreis für Zivilcourage

Auch die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler, Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sowie JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel wurden ausgezeichnet

von Imanuel Marcus  04.06.2026

Berlin

Michael Roth geht mit Israel-Politik der SPD hart ins Gericht

Als sozialdemokratischer Abgeordneter hat er jahrelang die Außenpolitik seiner Partei im Bundestag mitbestimmt. Mit seinen Nachfolgern ist er mehr als unzufrieden

 04.06.2026

New York

Antisemitische Straftaten treiben Hasskriminalität nach oben

Moshe Spern von der Organisation United Jewish Teachers, macht Bürgermeister Zohran Mamdani mit verantwortlich: »Er trägt zu diesem Problem bei, und er weiß es.«

 04.06.2026

New York

Kein Sitz für Deutschland im UN-Sicherheitsrat

Deutschland scheitert mit der Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Österreich und Portugal setzen sich stattdessen durch

 04.06.2026

Lam (Bayern)

Nach Judenhass-Skandal: Justiz ermittelt gegen Hotel »Zum Hirschen«

Der zuständige Landrat und der Bürgermeister Lams verurteilen die antisemitische Nachricht der Hotelbetreiber

von Imanuel Marcus  04.06.2026