Eine britische Mutter von zwei Kindern ist nach einem Aufenthalt in Israel von der Polizei befragt worden, nachdem sie dem staatlichen Präventionsprogramm Prevent zur Bekämpfung von Extremismus gemeldet worden war. Anlass soll ihr öffentliches Engagement für Israel gewesen sein.
Wie »The Telegraph« berichtete, wurde die Frau in internen Unterlagen als psychisch belastet und anfällig für negative Einflüsse eingestuft. Zugleich hielten die Beamten fest, dass keine Hinweise auf eine terroristische Gefahr vorlägen.
Holly Passmore, 44 Jahre alt, berichtete der Zeitung, zwei Polizisten hätten sie zu ihrer Israelreise befragt und erklärt, sie könne »Gefahr laufen, manipuliert zu werden«. Die Begegnung habe sich einige Wochen nach ihrer Reise im Juni des vergangenen Jahres ereignet. Passmore forderte anschließend über einen Antrag auf Akteneinsicht die bei der Polizei gespeicherten Informationen an.
»Jüdische Themen«
Aus den Unterlagen ging hervor, dass sie sich übermäßig stark mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern identifiziere. Als Beleg für ihre proisraelische Haltung wurde unter anderem angeführt, dass sie nach Israel gereist sei.
Passmore widersprach der Einschätzung, sie sei besonders schutzbedürftig oder leicht zu beeinflussen. Zwar habe sie offen über gesundheitliche Probleme gesprochen, darunter schwere Endometriose und Adenomyose sowie ADHS und Autismus. Daraus lasse sich jedoch nicht ableiten, dass sie als Person nicht selbstständig urteilen könne. »Sie wussten, dass ich nicht schutzbedürftig bin. Trotzdem wollten sie mich überwachen, weil ich mich für Israel eingesetzt habe«, sagte sie dem »Telegraph«.
Bei dem Besuch hätten die Beamten ihre gesundheitliche Situation nicht angesprochen. Stattdessen habe sich das Gespräch ausschließlich um Israel gedreht. Die Polizisten hätten sie außerdem gefragt, warum sie sich für »jüdische Themen« interessiere, obwohl sie in der Grafschaft Durham lebe, die keine Gegend mit einer größeren jüdischen Bevölkerung sei.
»Persönliche Angelegenheit«
Auch nach einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz sei sie gefragt worden. Passmore bejahte die Frage und erklärte den Beamten, dass ihr Interesse an diesen Themen zwar möglicherweise nicht von allen Menschen in ihrer Umgebung geteilt werde, es aber eine persönliche Angelegenheit sei und keineswegs gegen das Gesetz verstoße.
Besonders bemerkenswert ist die Bewertung in dem Polizeibericht. Darin wurde ausdrücklich festgehalten, dass die Unterstützung Israels keinen Anlass für Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung darstelle. Israel sei eine Demokratie. Auch eine Reise dorthin begründe für sich genommen keinen entsprechenden Verdacht.
Die Prüfung kam zudem zu dem Ergebnis, dass keine weiteren Ermittlungen durch andere Abteilungen erforderlich seien. Dennoch war Passmore zuvor an »Prevent« verwiesen worden, eine Behörde, die dazu dient, Menschen zu identifizieren, bei denen eine Radikalisierung befürchtet wird, und einer möglichen Entwicklung hin zu Extremismus oder Terrorismus entgegenzuwirken.
Herzogin von Sussex
Passmore studiert derzeit Holocaust-Studien im Masterprogramm an der Universität Haifa. Ihre Reise nach Israel war auch für Pressevertreter organisiert worden. Sie hatte sich auf der Plattform X eine größere Öffentlichkeit aufgebaut. Ihr Account, der ursprünglich vor allem Klatsch über die Herzogin von Sussex zum Thema hatte, entwickelte sich später zu einer Plattform für humanitäre Anliegen. Ein Schwerpunkt war die Situation von Frauen in Afghanistan. Inzwischen folgen ihr mehr als 28.000 Menschen.
Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober nutzte sie ihre Reichweite verstärkt, um sich gegen Antisemitismus auszusprechen und Solidarität mit Juden zu zeigen. Ihr Engagement für Israel wurde damit zu einem weiteren Bestandteil ihrer öffentlichen Arbeit.
Nachdem sie den Polizeibesuch kritisiert hatte, sei ihr nach eigenen Angaben nahegelegt worden, den Fall nicht weiter im Internet zu diskutieren. Ob diese Aufforderung formellen Charakter hatte, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Ein Sprecher der für den Nordosten Englands zuständigen Antiterrorpolizei wollte sich nicht zu dem konkreten Fall äußern. Grundsätzlich würden alle Meldungen streng vertraulich behandelt, erklärte er dem Bericht nach. im