Extremismus

Islamwissenschaftler: Innerislamische Aufklärung über Judentum nötig

Interreligiöser Dialog kann vor Antisemitismus schützen Foto: imago

In muslimischen Gemeinden und im islamischen Religionsunterricht muss nach Ansicht des Islamwissenschaftlers Mouhanad Khorchide mehr gegen antijüdische Haltungen getan werden.

»Wir brauchen eine innerislamische Aufklärung über das Judentum«, sagt Khorchide auf Anfrage. Wenn sich Repräsentanten muslimischer Verbände und jüdischer Gemeinden treffen, habe dies zwar einen wichtigen Symbolcharakter. Aber auch die Menschen an der Basis müssten sich begegnen, appellierte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster.

Die Moscheegemeinden sollten nach Ansicht Khorchides auf die jüdischen Gemeinden zugehen. Muslimische Kinder und Jugendliche sollten im Rahmen der religiösen Bildung Synagogen besuchen, um das Judentum als monotheistische Religion achten und würdigen zu lernen.

Diskurs gefordert

Nötig sei ein »allgemeiner Diskurs« zwischen Juden und Muslimen, unabhängig von aktuellen Konflikten wie dem Nahost-Krieg, erklärte der muslimische Theologe, der angehende Religionslehrer und Imame ausbildet.

Khorchide betonte, der Koran sei »ambivalent« gegenüber Menschen jüdischen Glaubens. Teils würden diese darin, wie auch Christen, gelobt und könnten einst »Glückseligkeit« erlangen. Antisemitische Haltungen würden von manchen Muslimen aus anderen Koranversen hergeleitet, in denen bestimmte jüdische Gruppen kritisiert werden.

Dabei werde der Zusammenhang dieser Kritik mit Kriegen zur Zeit des Propheten Mohammed aber nicht beachtet, erläuterte der Hochschullehrer.

Islamistische Gruppierungen machten sich solche »fundamentalistischen Lesarten« des Korans zu eigen und suggerierten Gläubigen, sie müssten sich feindlich gegenüber Juden verhalten, sonst seien sie keine Muslime mehr, erklärte Khorchide. Auf diese Weise wollten Islamisten besonders die jungen Muslime rekrutieren.

Khorchide warnte speziell vor der Gruppe »Hizb ut-Tahrir«, die - wie jüngst bei einer Demonstration in Essen - ein weltweites Kalifat propagiere und alle anderen gesellschaftlichen Ordnungen abschaffen wolle. Sie sei in Deutschland zwar verboten, habe aber über Tarnorganisationen viele Follower in sozialen Netzwerken. »Hizb ut-Tahrir« springe auf den Zug der pro-palästinensischen Proteste auf und wolle sich damit in der muslimischen Gemeinschaft legitimieren, erklärte der Islam-Experte.

Khorchide bedauerte, dass viele, die grundsätzlich zu Recht auf das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza aufmerksam machten, eine anti-israelische Haltung hätten. Wer für die Anliegen der Palästinenser eintreten wolle, solle sich zuerst von der Hamas und ihrem Terror distanzieren, mahnte der Theologe: »Hätte die Hamas nicht am 7. Oktober Israel angegriffen, könnten die Menschen in Gaza heute in Frieden leben.«

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026