Ehrung

»In die Debatten einbringen«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: dpa

Herr Schuster, der Zentralrat verleiht an diesem Donnerstag den Leo-Baeck-Preis an Springer-Vorstand Mathias Döpfner. Wofür wird er ausgezeichnet?
Mathias Döpfner gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten in Deutschland, die die Bekämpfung des Antisemitismus und die Aufarbeitung der NS-Geschichte zu ihrem Anliegen gemacht haben. Mit hoher Glaubwürdigkeit und persönlichem Engagement legt Herr Döpfner immer wieder den Finger in die Wunde, wenn er gesellschaftliche Fehlentwicklungen entdeckt.

Inwiefern?
Er ist selbst zu »vergessenen« Konzentrationslagern der Nazi-Zeit gereist, um für ein würdiges Gedenken der Opfer der Schoa zu kämpfen. Abgesehen von der erwähnten Reise, die in einen beeindruckenden Text mündete, äußert sich Herr Döpfner immer wieder sehr engagiert zu Israel und dem Nahostkonflikt. Dabei drückt er auch seine Sorge über den erstarkten Antisemitismus aus, der sich in Form von überzogener Kritik an Israel bis in die Mitte unserer Gesellschaft bemerkbar macht.

In Zeiten zunehmender Judenfeindlichkeit ist von vielen Gemeindemitgliedern zu hören, dass ihnen der Zusammenhalt der Gemeinschaft besonders wichtig ist. Wie kann dieser gestärkt werden?
Wir brauchen in diesen Zeiten tatsächlich einen guten Zusammenhalt und eine starke jüdische Identität. Dabei spielen unsere Gemeinden vor Ort die entscheidende Rolle. Der Zentralrat wird den Mitgliedern in diesem Jahr mit dem Gemeindetag wieder eine Plattform bieten, um einerseits Input von außen zu bekommen und sich andererseits auch untereinander auszutauschen.

Welche Fragen werden dabei im Vordergrund stehen?
Wir möchten noch stärker den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus wagen. So werden wir zu mehreren Schwerpunkt-Themen hochkarätig besetzte Veranstaltungen anbieten, wie immer vier Tage lang, dieses Mal vom 19. bis 22. Dezember. Als Leitmotiv haben wir den Titel »In Deutschland zu Hause« gewählt. Denn es geht zum einen um Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland, sodass man hinter diesen Leitgedanken auch ein Fragezeichen setzen könnte. Zugleich wollen sich unsere Gemeinden in die Debatten in diesem Land einbringen und betrachten Deutschland als ihre Heimat. In diesem Spannungsfeld wird sich der Gemeindetag bewegen – und sicherlich für intensive Debatten gut sein.

2016 sagten Sie, der Gemeindetag diene auch der Selbstvergewisserung. Wird das auch in diesem Jahr ein Aspekt sein?
Ja, auf jeden Fall. Unsere Gemeinden haben in den vergangenen Jahrzehnten große Herausforderungen gemeistert und einen weiten Weg zurückgelegt. Doch wohin geht unsere Reise, und was verbindet die Generationen? Ich freue mich, beim Gemeindetag in Berlin solche Fragen zu diskutieren, mit Jung und Alt.

Mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden sprach Detlef David Kauschke.

Transportbetonwerk der Firma Heidelberg Materials in München (Symbolbild)

Hessen

Brandanschlag aus Israel-Hass?

Bei einer Betonfirma entstand durch das Feuer ein Sachschaden in Höhe von etwa 800.000 Euro. Nun tauchte ein Bekennerschreiben auf, das die Tat mit der Politik Israels begründet

 03.09.2026

Abgeordnetenhauswahl

Offene Ohren

Was passiert, wenn 100 Berliner Israelis 45 Minuten haben, um einem Landespolitiker Fragen zu stellen? Etwas anderes, als Sie denken

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Medien

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Medien

Stephan-Andreas Casdorff ist wieder für den »Tagesspiegel« tätig

Die KI-generierten Meinungstexte von Stephan-Andreas Casdorff im »Tagesspiegel« hatten in der Branche für viel Aufruhr gesorgt. Seit Juni hatte der Ex-Chefredakteur seine Tätigkeit ruhen lassen. Nun kehrt er zurück

von Jana Ballweber  03.09.2026

Henning Lobin, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS)

Interview

Experte: AfD nutzt Sprachpolitik als »trojanisches Pferd«

Soziales Verhalten wird in der öffentlichen Kommunikation zunehmend durch psychologische Kategorien beschrieben, beobachtet der Sprachforscher Henning Lobin. Er hat sich mit der Sprachpolitik der AfD befasst

von Christine Süß-Demuth  03.09.2026

Frankfurt am Main/Magdeburg

Kann die AfD Staatsverträge zu Medienthemen kündigen?

Die AfD will bei einem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt aus Staatsverträgen aussteigen, die Medienthemen regeln. Dabei müsste die neue Landesregierung jedoch zahlreiche Anforderungen beachten

 03.09.2026

Wahlen

Wie antisemitisch ist die AfD?

Die rechtsextreme Partei inszeniert sich gern als Vorkämpferin gegen Judenhass und für Israel. Ein Faktencheck

von Stefan Dietl  03.09.2026

Landtagswahlen

Zünglein an der Waage?

Das »Bündnis Sahra Wagenknecht« (BSW) könnte besonders in Sachsen-Anhalt wichtig werden

von Ralf Fischer  03.09.2026