Frankreich

In der Opferrolle

Gestärkt aus der Haft? Dominique Strauss-Kahn mit seiner Frau in New York Foto: Reuters

»Weder in der Presse noch im Internet ließ sich im Rahmen der Verhaftung Strauss-Kahns irgendeine bemerkenswerte Erwähnung seiner Religion finden.« Zumindest die jüdische Dachorganisation Frankreichs, CRIF, hat in einer Erklärung keinen Zweifel daran gelassen, dass die Kommentare über die Affäre um den ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn jeder antisemitischen Färbung entbehrten. Kein Wachrufen des Bildes vom »geilen Juden« also, keine Anspielungen auf eine Verquickung von Judentum, sexueller Ausschweifung und weltweiter Finanzmacht.

attentat Was nicht heißt, dass der Fall ohne Verschwörungstheorien abginge. Doch sie finden sich eher auf Seite der Fürsprecher und Freunde des Beinahe-Präsidentschaftskandidaten, wozu in der öffentlichen Debatte Frankreichs auch viele prominente Juden gehören. Kurz nach der spektakulären Wende des Prozesses, die die Aufhebung des Hausarrests für Strauss-Kahn zur Folge hatte, erneuerte die Vizeregionalratspräsidentin des Großraums Paris, Michèle Sabban, ihre Mutmaßungen über ein Komplott und sprach von einem »politischen Attentat« auf ihren Parteifreund.

Als ob die Ermittlungen schon zu ihrem Ende gekommen wären, forderte Sabban, die sich bis dato delikaterweise vor allem als Feministin einen Namen gemacht hatte, eine »sofortige Bereinigung der weltweiten Verleumdung« Strauss-Kahns. Auch der Fernseh-Philosoph Bernard Henri-Lévy, ebenfalls ein Freund des Angeklagten, zeigte sich sicher, dass in Bälde nur noch von einer »Nicht-Affäre Strauss-Kahn« die Rede sein wird.

Wie auch schon in früheren Einlassungen denunzierte er den Prozessverlauf als »pornografisch« und »an Folter grenzend«. Der Angeklagte sei in den Vereinigten Staaten als Symbol des arroganten Frankreichs bekämpft worden, wobei sich Henry-Lévy zu der These verstieg, die amerikanische Gesellschaft habe ihrem »Klassenhass gegen einen weißen Banker« freien Lauf gelassen.

barbarische justiz Vor allem aus der Riege der weithin als proamerikanisch verschrienen Nouveaux Philosophes sind bezüglich des DSK-Verfahrens bemerkenswert viele antiamerikanische Töne zu hören. So qualifizierte der Philosoph Alain Finkielkraut das amerikanische Gerichtswesen ohne zu zögern als »barbarische Justiz«. Die Angestochenheit, mit der viele französische Politiker und Intellektuelle auf die Verhaftung eines der ihren und auf die moralische Aburteilung ihrer selbstverfügten Vorrechte reagieren, lässt indes aufhorchen.

Schon mehren sich die Stimmen, die für Juli geplanten Vorausscheidungen für den sozialistischen Präsidentschaftsbewerber nach hinten zu verschieben, um so eine Kandidatur des in ihren Augen zu unrecht Geschassten wieder möglich zu machen. »Ich weiß nicht, ob er sich wünscht, zurückzukehren, wir aber haben den festen Wunsch, dass er zurückkehrt«, so Michèle Sabban.

trikolore Und auch der ehemalige Kultusminister Jack Lang meint: »Seine Anwesenheit wäre ausschlaggebend für den Erfolg bei den Präsidentschaftswahlen.« Ganz aufgegeben hat wohl auch Dominique Strauss-Kahn seinen großen Traum noch nicht. Zumindest ließ er sich nach der Aufhebung seines Hausarrests erstmal einige Luftballons in den Farben der Trikolore in das Luxusappartement liefern, womit er wohl das Blut manches nationalbewussten Wählers in der Heimat in Wallung brachte. Die Hälfte der Franzosen ist einer Umfrage zufolge indes weniger überzeugt, dass sich DSK im Falle eines Freispruchs zur Wahl stellen sollte.

Beirut

Israel: Haben hochrangigen Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gutachten missverstanden: Bundestagsdienst bewertet Iran-Angriffe nicht abschließend

Laut Medienberichten hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages den Iran-Krieg als völkerrechtswidrig eingeordnet. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« widerspricht in einer Analyse dieser Darstellung nun

 01.04.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Filmtage: Kino kündigt Kooperation, Organisatoren üben scharfe Kritik

Die Jüdische Gemeinde sieht »faktisch eine Kapitulation vor antisemitischem Druck«, während die Astor Film Lounge ihre Entscheidung verteidigt

von Imanuel Marcus  01.04.2026

Dresden/Leipzig

Hitlergruß: Urteil gegen Melanie Müller ist rechtskräftig

Das Urteil gegen die Schlagersängerin wegen des Zeigens des Nazigrußes ist rechtskräftig. Warum sie die Revision zurückzieht und was das für sie bedeutet

 01.04.2026

Pessach

Preis der Freiheit

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung entstehen nicht von allein. Sie müssen erstritten, manchmal sogar erkämpft werden

von Josef Schuster  01.04.2026

Berlin

»Arrogante Belehrungen«: Israelische Botschaft kritisiert Castellucci scharf

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung übt Kritik an der Jerusalemer Regierung für die Ausweitung der Todesstrafe. Die israelische Botschaft spricht von Doppelmoral

 01.04.2026 Aktualisiert

Buenos Aires

Argentinien stuft Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation ein

Präsident Javier Milei begründete den Schritt unter anderem mit dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden

 01.04.2026

Ottawa

PFLP-Ableger: Kanada löst Samidoun auf

Der Schritt erfolgt wegen »Nichteinhaltung« gesetzlicher Vorgaben. In Kanada war die Gruppe zuvor als Terrororganisation eingestuft worden

 01.04.2026

Washington D.C.

Trump stellt baldiges Kriegsende in Aussicht

»Ob wir ein Abkommen haben oder nicht, ist jetzt irrelevant«, sagt der amerikanische Präsident

 01.04.2026