Japan

In der größten Not

Nichts als Leid und Zerstörung: Eine junge Japanerin inmitten der Trümmerlandschaft, die Erdbeben und Tsunami hinterlassen haben. Foto: getty

Bereits eine Stunde nach dem Erdbeben», so bedankt sich Mitoshiko Shinomya, «hat Israel offiziell seine Hilfe angeboten». Der japanische Konsul im Heiligen Land richtet seine Worte an die israelische Regierung und etliche jüdische Hilfsorganisationen, die seit einigen Tagen zu Katastropheneinsätzen nach Fernost gereist sind.

Wie schon vor einem Jahr nach dem Erdbeben in Haiti, so haben sich auch nach dem Tsunami in Japan und der folgenden Nuklearkatastrophe sofort israelische Helfer in das zerstörte Gebiet begeben. Zaka, die israelische Freiwilligenorganisation, die sich der Bergung und Identifizierung von Terror- und Unfallopfern widmet, ist unmittelbar nach dem Schabbatausgang am vergangenen Samstag mit zwei Hilfstrupps nach Japan geflogen. Der eine Trupp kommt direkt aus Israel, der andere war in Hongkong stationiert. Für die 1995 gegründete Zaka arbeiten über 1.500 Freiwillige. Sie ist von der UNO anerkannt und war bei den großen Katastrophen der letzten Jahre meist als erste Rettungseinheit vor Ort.

wasser Auch IsraAID, eine Hilfseinrichtung, die von Israel aus 17 jüdische humanitäre Organisationen koordiniert, ist mit zwei Teams in Japan vertreten. Es sind vor allem Ärzte und Experten für Wasserqualität, die helfen. Zu den von IsraAID koordinierten Gruppen gehört auch Israel Flying Aid, das sich schon in Haiti gemeinsam mit Zahal um die Rettung von Erdbebenopfern bemüht hatte. «Wir sind mit lokalen Gruppen in Kontakt», sagt Shachar Zahavi, Gründer und Koordinator von IsraAID. «So prüfen wir die Situation in der Gegend.»

Das American Jewish Joint Distribution Committee, abgekürzt JDC, ist zwar nicht mit Helfern vor Ort, hat aber Lebensmittel und Gelder gesammelt, die es an die Jüdische Gemeinschaft in Japan schickt. «Wir haben die Situation genau im Blick», sagt Michael Geller vom JDC. «Wenn mehr Hilfe gebraucht wird, werden wir sie intensivieren.»

Etwa 7.000 Juden leben in Japan. Nach den Informationen, die das JDC bislang sammeln konnte, sind sie nicht unmittelbar betroffen. «Wir sind immer noch dabei, Unterstützung für die Erdbebenopfer zu organisieren», heißt es auf der Website der Jüdischen Gemeinschaft von Japan. «Wir sind sehr traurig über die Katastrophe, die Japan getroffen hat und den Verlust von edlen Menschenleben bewirkt hat.»

wiederaufbau Das JDC ist in mehr als 70 Ländern vertreten. Mit ihm zusammen arbeitet die Jewish Federation of North America (JFNA). Beide, JDC und JFNA, haben viel Erfahrung in der Organisation von Spendenkampagnen. Für die Opfer des Hurrikan Katrina im Jahr 2005 kamen 30 Millionen Dollar zusammen, für die Betroffenen des Tsunami in Südasien im Jahr 2004 waren es zehn Millionen Dollar.

Unsere Aufgabe ist es, so schnell wie möglich die Not zu lindern«, sagt Fred Zimmerman, Vorstand des Emergency Committee der JFNA. »Und wir arbeiten mit unseren Partnern, damit die Hilfe auch über einen längeren Zeitraum funktioniert.« Das JDC arbeitet vor allem mit der japanischen Nichtregierungsorganisation JEN zusammen, die von Tokio aus Teams in die am meisten zerstören Gebiete entsendet hat.

»Sie kümmern sich um den Wiederaufbau von Häusern, um die Verteilung von Essen, Hygieneartikeln und anderer dringend benötigter Dinge«, sagt Michael Geller vom JDC. »Unsere Partner haben Erfahrung mit Erdbeben in Japan: Im Jahr 2004 bei der Katastrophe in der Provinz Niigata auf der japanischen Insel Honshu und beim Niigata-Chu-etsu-Küstenerdbeben 2007 gehörte JEN zu den Helfern.«

Tonnen von Nahrungsmitteln wurden von Chabad-Lubawitsch-Zentren in Tokio und Hongkong in die japanischen Städte verschifft, die von Erdbeben und Tsunami am stärksten betroffen sind. Aus den USA und Kanada sind über 50.000 Nahrungsmittelpakete nach Japan geflogen worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drückte bereits am Freitag, als der Tsunami weite Teile der japanischen Ostküste überschwemmte, das Mitgefühl der Israelis aus. Gleichzeitig kündigte er schnelle Hilfe an. Die Unterstützung Israels gilt neben Japan auch den niedrig gelegenen Pazifikinseln, die vom Tsunami betroffen sind. Viele von ihnen pflegen freundschaftliche Beziehungen mit Israel.

abreise Israels Botschafter in Japan, Nissim Ben Shitrit, forderte am Dienstag alle Israelis auf, das Land zu verlassen, sofern ihre Anwesenheit nicht erforderlich sei. »Ich kann nicht sagen, dass die Israelis in unmittelbarer Gefahr wären«, erklärte Ben Shitrit, »aber jeder, der keinen Grund hat, hier zu bleiben, sollte seinen Pessach-Urlaub früher nehmen und abreisen.« Zum Zeitpunkt des Tsunami, Erdbeben und Reaktorunglück hielten sich etwa 350 Israelis in Japan auf.

Neben den in Deutschland bekannten Hilfseinrichtungen können Sie auch an international tätige jüdische Hilfsorganisationen spenden, um deren Arbeit in Japan zu unterstützen:

Das American Jewish Joint Distribution Committee erkärt im Internet, wie man spenden kann:
www.jdc.org/donation/donate.aspx

Hinweise, wie man die Arbeit israelischen Hilfsorganisation Zaka unterstützen kann, finden sich hier:
www.zaka.us/Donations.asp

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