Einspruch

In den Rücken gefallen

Ist es nur Selbstüberschätzung eines politischen Nebendarstellers, die Dirk Niebel dazu brachte, wegen des verhinderten Besuchs einer Kläranlage in Gaza auf seinen Gastgeber Israel einzudreschen? Was die Einlassungen des deutschen Entwicklungshilfeministers – ein Amt, das er und seine FDP vor Kurzem noch als überflüssig abschaffen wollten – besonders ärgerlich macht: Niebel warf sich bei seinem billigen Israel-Bashing in die Pose der Gouvernante, die besser wisse, was für ihren Schützling gut ist als dieser selbst. In Formulierungen wie der, Israel mache es sogar seinen besten Freunden immer schwerer, es noch zu verstehen, steckt der drohende Hinweis, das schwer erziehbare Mündel werde es sich selbst zuzuschreiben haben, müsse man es dereinst fallen und mit seinen Feinden allein lassen. Etwa, wenn die libanesische Hisbollah ihren nächsten Angriff gegen Israel starten wird – mit Raketen, deren Aufstellung die europäischen UNIFIL-Truppen nicht verhindern konnten oder wollten.

Politik Nun hängt Israels Zukunft gewiss nicht von der Gunst eines Möchtegern-Weltpolitikers wie Niebel ab. Beängstigender als dessen unsäglicher Auftritt ist der Hintergrund, vor dem sich Wichtigtuer aufgerufen fühlen, Israel über die richtige Art seiner Selbstverteidigung zu belehren. Angesichts der Enthüllungen über die Mordlust des islamistischen Lynchmobs auf dem vermeintlichen »Hilfsschiff« Mavi Marmara fällt dem Deutschen Bundestag nichts Besseres ein, als fraktionsübergreifend Israel zur Aufhebung der Blockade Gazas aufzufordern. Für eine Änderung der Gaza-Politik mag einiges sprechen. Israel aber gerade jetzt so demonstrativ öffentlich unter Druck zu setzen – am Ende noch mit Stimmen antizionistischer Eiferer aus der Linksfraktion – bedeutet, einem engen Verbündeten mitten im propagandistischen Dauerbombardement seiner Todfeinde in den Rücken zu fallen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Extremismus

Die Linke und der Judenhass

Der »taz«-Journalist Nicholas Potter hat ein Buch über die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Autoritarismus bei Teilen der Linken geschrieben. Ein Auszug

von Nicholas Potter  05.04.2026

Krieg

Trump gibt iranischer Führung Zeit bis Dienstagabend

Der US-Präsident hat der iranischen Führung mit heftigen Angriffen gedroht, sollte sie nicht einlenken

 05.04.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Debatte

»Das wäre enorm wichtig, gerade für die vielen Kinder mit muslimischem Migrationshintergrund«

Israels Botschafter Ron Prosor spricht sich für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten aus

 05.04.2026

Krieg

Israel meldet Tötung eines weiteren Öl-Kommandeurs im Iran

Nach einem Angriff in Teheran spricht Israels Militär von einem »schweren Schlag gegen die wirtschaftlichen Grundlagen des iranischen Sicherheitsapparats«. Das steckt hinter dem Angriff

 05.04.2026

Krieg

Trump: Wir haben unseren Soldaten gerettet und in Sicherheit gebracht

Rettung wie in einem Hollywood-Film: US-Spezialeinheiten konnten den vermissten Offizier des abgeschossenen Kampfjets geborgen. Der US-Präsident schildert die riskante Mission mit dramatischen Worten

von Lars Nicolaysen  05.04.2026

Krieg

Bericht: USA greifen Suchort von vermisstem US-Soldaten an

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines US-Kampfjets läuft auf Hochtouren. Jetzt werden aus dem Iran Luftangriffe in einer Gegend gemeldet, in dem sich der US-Soldat befinden soll

 05.04.2026

München

Der Grüne, das Rathaus und die jüdische Gemeinschaft

Dominik Krause wird der nächste Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Der 35-Jährige ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und geht entschlossen gegen Antisemitismus vor. Ein Porträt

von Chris Schinke  04.04.2026

Krieg

»Kritische« Rettungsmission im Iran - Trump in Erklärungsnot

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines Kampfjets wird für die USA zum Wettlauf gegen die Zeit - im Iran werden Kopfgelder ausgesetzt. Die Lage bringt die US-Regierung in Bedrängnis

von Cindy Riechau  04.04.2026

Großbritannien

Brandanschlag in London: Untersuchungshaft für Verdächtige

Mehrere Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Golders Green werden in Brand gesetzt. Vor Gericht erschienen nun drei Verdächtige

 04.04.2026