Einspruch

In den Rücken gefallen

Ist es nur Selbstüberschätzung eines politischen Nebendarstellers, die Dirk Niebel dazu brachte, wegen des verhinderten Besuchs einer Kläranlage in Gaza auf seinen Gastgeber Israel einzudreschen? Was die Einlassungen des deutschen Entwicklungshilfeministers – ein Amt, das er und seine FDP vor Kurzem noch als überflüssig abschaffen wollten – besonders ärgerlich macht: Niebel warf sich bei seinem billigen Israel-Bashing in die Pose der Gouvernante, die besser wisse, was für ihren Schützling gut ist als dieser selbst. In Formulierungen wie der, Israel mache es sogar seinen besten Freunden immer schwerer, es noch zu verstehen, steckt der drohende Hinweis, das schwer erziehbare Mündel werde es sich selbst zuzuschreiben haben, müsse man es dereinst fallen und mit seinen Feinden allein lassen. Etwa, wenn die libanesische Hisbollah ihren nächsten Angriff gegen Israel starten wird – mit Raketen, deren Aufstellung die europäischen UNIFIL-Truppen nicht verhindern konnten oder wollten.

Politik Nun hängt Israels Zukunft gewiss nicht von der Gunst eines Möchtegern-Weltpolitikers wie Niebel ab. Beängstigender als dessen unsäglicher Auftritt ist der Hintergrund, vor dem sich Wichtigtuer aufgerufen fühlen, Israel über die richtige Art seiner Selbstverteidigung zu belehren. Angesichts der Enthüllungen über die Mordlust des islamistischen Lynchmobs auf dem vermeintlichen »Hilfsschiff« Mavi Marmara fällt dem Deutschen Bundestag nichts Besseres ein, als fraktionsübergreifend Israel zur Aufhebung der Blockade Gazas aufzufordern. Für eine Änderung der Gaza-Politik mag einiges sprechen. Israel aber gerade jetzt so demonstrativ öffentlich unter Druck zu setzen – am Ende noch mit Stimmen antizionistischer Eiferer aus der Linksfraktion – bedeutet, einem engen Verbündeten mitten im propagandistischen Dauerbombardement seiner Todfeinde in den Rücken zu fallen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

The OpenAI logo is displayed on a mobile phone screen in this photo illustration, as artificial intelligence tools continue to expand across consumer and business applications in Brussels, Belgium, on February 28, 2026. (Photo by Jonathan Raa/NurPhoto)

Meinung

KI: Wie die Welt einmal untergehen könnte

Der Kontrollverlust der Softwarefirma OpenAI über ihr neuestes Modell macht erneut die Notwendigkeit deutlich, KI-Technologie stärker zu regulieren. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit

von Joshua Schultheis  28.07.2026

Dresden

Petition wirft AfD Missbrauch der Marke Simson vor

Die Traditionsmarke Simson steht für eine erfolgreiche Firmengeschichte. Die AfD nutzt das positive Image, das stößt auf Widerstand

 28.07.2026

Terror

Nach dem CSD-Anschlag: Wo Berlin trauert

Blumen, Botschaften und Regenbogenflaggen: Im Berliner Tiergarten suchen Menschen Trost am Ort des Terroranschlags. Was ein Notfallseelsorger erzählt

 28.07.2026

Berlin

Bekennervideo des mutmaßlichen CSD-Attentäters auf Mobiltelefon entdeckt

Was ist in der Aufnahme zu sehen?

 28.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich als solche benannt werden – auch weil Muslime zu den ersten Opfern der Terroristen gehören

von Ali Ertan Toprak  28.07.2026

München

Deutsche Post will Davidstern-Briefmarke doch drucken

Die Poste lehnte eine Briefmarke mit einem Davidstern und dem Schriftzug »Antisemitismus – ohne mich!« erst ab. Nach Kritik hat sie sich nun umentschieden

 28.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C./Rom

USA kündigen weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon in Rom an

Nach jahrzehntelangem Kriegszustand gab es zuletzt Annäherungsversuche zwischen Jerusalem und der libanesischen Regierung. Die USA als Vermittler setzen vor allem auf den Erfolg sogenannter Pilotzonen

 28.07.2026

Washington D.C.

Trump weist Netanjahus Kritik an möglichem F-35-Verkauf an die Türkei zurück

»Niemand schreibt mir vor, was wir verkaufen sollen«, sagt der amerikanische Präsident vor seinem Treffen mit Benjamin Netanjahu

 28.07.2026

Berlin

Ahmad Mansour: Müssen schneller sein als Islamisten

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD fordert der Psychologe und Extremismus-Experte umfassende Präventionskonzepte gegen Radikalisierung. Einen Vorschlag des Bundesinnenministers sieht er allerdings kritisch

 28.07.2026