Einspruch

In den Rücken gefallen

Ist es nur Selbstüberschätzung eines politischen Nebendarstellers, die Dirk Niebel dazu brachte, wegen des verhinderten Besuchs einer Kläranlage in Gaza auf seinen Gastgeber Israel einzudreschen? Was die Einlassungen des deutschen Entwicklungshilfeministers – ein Amt, das er und seine FDP vor Kurzem noch als überflüssig abschaffen wollten – besonders ärgerlich macht: Niebel warf sich bei seinem billigen Israel-Bashing in die Pose der Gouvernante, die besser wisse, was für ihren Schützling gut ist als dieser selbst. In Formulierungen wie der, Israel mache es sogar seinen besten Freunden immer schwerer, es noch zu verstehen, steckt der drohende Hinweis, das schwer erziehbare Mündel werde es sich selbst zuzuschreiben haben, müsse man es dereinst fallen und mit seinen Feinden allein lassen. Etwa, wenn die libanesische Hisbollah ihren nächsten Angriff gegen Israel starten wird – mit Raketen, deren Aufstellung die europäischen UNIFIL-Truppen nicht verhindern konnten oder wollten.

Politik Nun hängt Israels Zukunft gewiss nicht von der Gunst eines Möchtegern-Weltpolitikers wie Niebel ab. Beängstigender als dessen unsäglicher Auftritt ist der Hintergrund, vor dem sich Wichtigtuer aufgerufen fühlen, Israel über die richtige Art seiner Selbstverteidigung zu belehren. Angesichts der Enthüllungen über die Mordlust des islamistischen Lynchmobs auf dem vermeintlichen »Hilfsschiff« Mavi Marmara fällt dem Deutschen Bundestag nichts Besseres ein, als fraktionsübergreifend Israel zur Aufhebung der Blockade Gazas aufzufordern. Für eine Änderung der Gaza-Politik mag einiges sprechen. Israel aber gerade jetzt so demonstrativ öffentlich unter Druck zu setzen – am Ende noch mit Stimmen antizionistischer Eiferer aus der Linksfraktion – bedeutet, einem engen Verbündeten mitten im propagandistischen Dauerbombardement seiner Todfeinde in den Rücken zu fallen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

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