Meinung

Hoyerswerda: Freibrief für Neonazis

Christoph Heubner Foto: dpa

Das Amtsgericht in Hoyerswerda hat sich den 27. Januar, den Tag des Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, ausgesucht, um ein mildes Urteil zu fällen. Angeklagt waren Männer aus der Neonazi-Szene der sächsischen Kleinstadt, die einem Paar, das sich gegen Rechts engagiert, Todesangst eingejagt hatten: Gewaltsam wollten sie in dessen Wohnung einbrechen, stellten den Strom ab, verklebten Türspione und drohten lautstark.

Dem Paar war von der Polizei geraten worden, aus ihrer Heimatstadt wegzuziehen. Das Gericht hat nun wegen Beleidigung und Bedrohung Strafen von acht bis zehneinhalb Monaten verhängt – bis auf eine Ausnahme bleiben alle Täter zur Bewährung auf freiem Fuß.

falsches signal Das Urteil mutet geradezu makaber an. Es ist ein fatales Signal für all jene Bürger, die sich gegen Nazis wehren und auf eine wehrhafte Demokratie setzen. Das Urteil vermittelt die Botschaft, dass der Staat bedrohten Menschen nicht helfen kann oder will. Und es dokumentiert eine krasse Fehleinschätzung der demokratischen Institutionen angesichts der Gewaltbereitschaft und des Organisationsgrades der Neonazis in vielen Kommunen Deutschlands.

Dass dieses schlimme Signal am 27. Januar ausgesandt wurde, ist besonders makaber. Schließlich wurde an diesem Tag in ganz Deutschland darüber nachgedacht und gesprochen, welche Mechanismen in der Gesellschaft es waren, die zu Auschwitz führten. Dabei sind es gerade diese Mechanismen, die von Neonazis angewandt werden: durch Gewalt und Einschüchterung immer mehr Macht zu erhalten und in den Alltag der Menschen einzubrechen, um deren Leben zu zerstören. Diese rechtsextremen Strukturen haben sich in vielen Gegenden Deutschlands, sowohl im Osten als auch im Westen, schon etabliert.

Niemand will eine politische Justiz. Aber das Urteil eines unabhängigen Gerichts in einem Rechtsstaat muss doch deutlich machen, dass es für ein demokratisches Gemeinwesen einsteht. Das tut dieses Urteil nicht.

Der Autor ist Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.

Deutschland

»Existenzgefahr für Berlins Juden«

Die Linke macht immer wieder mit Judenhass und Forderungen nach der Auslöschung Israels von sich reden. Der Wahlsieg der Partei veranlasst nun den israelischen Botschafter zu einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme

 23.09.2026

Berlin-Wahl

Klöckners Gretchenfrage: »Wie haltet ihr es mit dem Antisemitismus?«

Die CDU-Politikerin und Bundestagspräsidentin hat SPD und Grüne auf Instagram aufgefordert, in Berlin keine Koalition mit der Linkspartei einzugehen. Ansonsten werde das »Nie wieder« zur Farce

 23.09.2026

Jerusalem/New York

Benjamin Netanjahu: Werde vor UNO die Wahrheit über Mamdani sagen

Israels Ministerpräsident wirft dem New Yorker Bürgermeister Unterstützung der Hamas und Hetze gegen Juden vor

 23.09.2026

Machtgedanke zu verlockend? SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (r.) und Elif Eralp von der Linkspartei bei einer Podiumsdiskussion vor der Wahl

Kommentar

Finaler Tabubruch

Ein persönlicher Appell an die Berliner SPD, sich nicht mit den dunkelroten Judenfeinden von der Linkspartei einzulassen

von Daniel Killy  23.09.2026

Debatte

Außenminister Sa’ar kontert Vorwürfe von Österreichs Bundespräsident Van der Bellen

Sa’ar drehte Van der Bellens Aussage um und fügte hinzu: Kein österreichischer Bürger dürfe für den »Unsinn« seines Präsidenten verantwortlich gemacht werden

 23.09.2026

Solidarität

LED-Truck gegen Judenhass in fünf deutschen Städten

Mit einer bundesweiten Aktion wollen die »Christen an der Seite Israels« rund um den Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober auf Antisemitismus aufmerksam machen

 23.09.2026

Düsseldorf

Islamistischer Schüler wegen zweifachem Messerangriff verurteilt

Ein Essener Schüler ist wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Das Oberlandesgericht sprach ihn schuldig

 23.09.2026

Berlin

SPD-Fraktionschef Raed Saleh tritt nicht wieder an

Nach 15 Jahren an der Spitze zieht der Spandauer die Konsequenzen aus dem historisch schlechten Wahlergebnis: Er will nicht erneut für den Vorsitz seiner Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kandidieren

 23.09.2026

UNO-Vollversammlung

Netanjahus UN-Besuch: Proteste von Regierungskritikern und Israelfeinden erwartet

Mehrere Gruppen wollen auf die Straße gehen, wenn der israelische Ministerpräsident am Donnerstag in New York eintrifft

 23.09.2026