Dresden

Herr Hohmann von der AfD

Martin Hohmann Foto: dpa

Die politische Öffentlichkeit hat den früheren CDU-Politiker Martin Hohmann so gut wie vergessen. Wenig verwunderlich, denn vor einer Rede 2003, in der er von einem »Tätervolk« sprach, war der damalige Bundestagsabgeordnete aus Fulda in sieben Jahren Bundespolitik kaum in Erscheinung getreten. Noch im selben Jahr wurde er aus der CDU ausgeschlossen. Jetzt aber feiert er sein politisches Comeback in der AfD.

Der 67-Jährige sitzt für die rechtspopulistische Partei im Fuldaer Kreistag. Sein Motto lautet »Gott, Familie, Vaterland«, mehr ist auf seiner Website über aktuelle Aktivitäten nicht herauszubekommen. Hohmann empfiehlt dort ein Interview, das er 2012 der Publizistin Eva Herman gab: Nicht seine Rede sei ein Skandal, sondern die »Falschmeldungen« darüber; ihn zum »Antisemiten zu stempeln«, sei eine Verletzung seiner Persönlichkeit, sagt er.

abmahnung Mit dieser Auffassung scheiterte er allerdings jüngst vor dem Amtsgericht Dresden. Hohmann hatte gegen das Kulturbüro Sachsen auf Erstattung seiner Anwaltskosten geklagt, die ihm aus einer Abmahnung entstanden waren. Der Verein hatte in einem Artikel die gängige Interpretation wiedergegeben, dass Hohmann die Juden als »Tätervolk« bezeichnet hat. In seiner berüchtigten Rede hatte er sich mit der Frage beschäftigt, ob Juden »ausschließlich Opfer« gewesen seien. Wörtlich sagte er: »Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts.«

Richterin Bettina Stephan gab dem Kulturbüro recht: Hohmanns Klage lasse die Interpretation zu, er sei Antisemit. In seiner Rede »bezeichnete der Kläger ›die Gottlosen‹ als Tätervolk und damit auch die Juden«. Die Richterin argumentiert, Relativierungen verfingen nicht. »Es geht zu Lasten des Klägers, wenn er sich sprachlicher Verwirrspiele bedient.«

these Hohmann verbreitet in besagtem Interview mit der Publizistin Herman die These, »eine gewisse Steuerung von interessierter Seite« stünde hinter der Kritik an ihm und seiner damaligen Rede. Belegen könne er diese Steuerung nicht, sagt er, aber es sei offensichtlich, dass »einflussreiche Juden dunkle Kapitel jüdischer Geschichte lieber im Dunkeln belassen« wollen.

Die Aufnahme des früheren CDU-Politikers in den hessischen Landesverband der AfD lief dennoch offenbar reibungslos. Nach dem Richtungskampf zwischen dem nationalkonservativen und dem liberaleren Flügel der Partei sprachen Beobachter von einem »Rechtsruck« im hessischen Landesverband. Mit Albrecht Glaser stehen derzeit unter anderem ein ehemaliger CDU-Mann sowie der Ex-Republikaner Peter Münch an der Spitze des Landesverbands. Mit Andreas Lichert, dem Geschäftsführer des »Vereins für Staatspolitik«, sitzt zudem ein Vertreter der Neuen Rechten im Vorstand der Landespartei Hessen.

Terror

Was an Bord des Flydubai-Flugs nach Tel Aviv wirklich passierte

Ein Überblick

 30.09.2026

Berlin

Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv: So reagiert Außenminister Wadephul auf den versuchten Terroranschlag

 30.09.2026

Nach Berlin-Wahl

Generalstaatsanwältin: Kriminelle suchen Kontakt zur Politik

Ein Clan-Oberhaupt feiert nach dem Wahlerfolg der Linken mit der Partei. Ein Zufall? Die Chefin der Berliner Staatsanwaltschaften sieht ein typisches Muster

 30.09.2026

Rostock

Internationaler Polizeieinsatz gegen Nazi-Musik

Zahlreiche Polizisten durchsuchen zahlreiche Objekte. Die Beamten sind in mehreren Bundesländern im Einsatz

 30.09.2026

Passagiere am Flydubai-Schalter am Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv, 30. September

Saudi-Arabien/Israel

Passagierflugzeug auf dem Weg nach Tel Aviv notgelandet: Was bisher bekannt ist

Ein Überblick

 30.09.2026 Aktualisiert

Jahrestag

Terrorunterstützer planen für den 7. Oktober israelfeindliche Demos

In Duisburg, Frankfurt, Hannover und Köln sind Kundgebungen vorgesehen. Aufrufe zur Teilnahme enthalten unverblümte Terroraufrufe

von Imanuel Marcus  30.09.2026 Aktualisiert

Erfurt

Kerkeling und Maaßen bei erster Anhörung zu AfD-Verbot dabei

Thüringens AfD mit Björn Höcke an der Spitze gilt als besonders radikal. Ist das der Grund, warum erstmals ein Landesparlament Juristen und einen Promi zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren anhört?

von Simone Rothe  30.09.2026

Hessen

Mutmaßlicher IS-Kämpfer festgenommen

In Nordhessen wird ein Mann festgenommen, der für den IS gekämpft haben soll. So lautet der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Jetzt soll ein Richter über die U-Haft entscheiden

 30.09.2026

Rathaus Neukölln

Berlin

Hillel zieht seine Chanukkia aus dem Rathaus Neukölln ab

Der jüdische Bildungsverein will seine Chanukka-Feier künftig an einem »neutralen Ort« abhalten. Für den scheidenden Bürgermeister Martin Hikel ist die Entscheidung ein Schock

 30.09.2026 Aktualisiert