EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Obersalzberg

Helle Strahler gegen die Schatten der NS-Vergangenheit

Das alte Gebäude der Dokumentation Obersalzberg (l) und der Neubau (r) vor dem Untersberg. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Dort, wo sich die Ausstellung mit den dunkelsten Verbrechen befasst, scheint das Licht in der neu eröffneten Dokumentation Obersalzberg am hellsten. Auschwitz, Kaunas, Treblinka, Hartheim - im zentralen Raum des in den Hang gegrabenen Gebäudes geht es um jene Tatorte, die am engsten mit dem Täterort des »Führersperrgebiets« hoch über Berchtesgaden verknüpft sind.

Die neue Dauerausstellung »Idyll und Verbrechen« soll die Gräueltaten, die Hitler und seine Vertrauten zwischen Panoramablick und Plauderstündchen auf dem Obersalzberg planten, in ihrer monströsen Reichweite »hell ausleuchten«, wie Sven Keller, Leiter der Dokumentation, sagt.

Am Mittwoch wurde die Dokumentation Obersalzberg mit einem Festakt neu eröffnet. 30,1 Millionen Euro hat der 800 Quadratmeter große Neubau nach aktuellem Stand gekostet, statt der ursprünglich geplanten 14,6 Millionen. Immer wieder musste die Eröffnung seit der Grundsteinlegung 2017 verschoben werden: Planer und Baufirmen wechselten, dann kam Corona, danach die Energie- samt Baukrise und diverse Lieferengpässe. Zuletzt fehlte es im Frühjahr 2023 an Vitrinenglas und Spezialsilikon. Doch jetzt ist das von fünf auf zehn Personen verdoppelte Team bereit für die jährlich rund 170.000 Besucherinnen und Besucher, die sich zuletzt durch das alte, nur halb so große Ausstellungsgebäude quetschten.

Diskrepanz In fünf Abteilungen geht es um die bizarre Diskrepanz von »Idyll und Verbrechen« am Obersalzberg, um Propaganda und ihre Wirkung, die Inszenierung von Macht, Mechanismen von Ausgrenzung, Weltpolitik in den Bergen sowie um die Bunkeranlagen, die sich neuerdings als Rundgang erschließen lassen. Die über 350 Exponate sind anschaulich und konkret, wie die Farbfilme von Hitlers Partnerin Eva Braun aus dem Sommer 1939. Sie zeigen Menschen in Anzügen und bunten Kleidern, die oben auf der Terrasse des Führer-Domizils »Berghof« bei gepflegtem Gespräch die Landschaft der Berchtesgadener Alpen genießen.

Unten im Tal wurden derweil Einheimische, die nicht ins Rassenkonzept der Nazis passten, enteignet, vertrieben, eingesperrt, ermordet. So wie die aus einer jüdischen Familie stammende Dora Reiner, die 20 Jahre lang in Schönau am Königssee lebte: 1938 musste sie nach München fliehen, kam ins Lager Milbertshofen und 1941 mit dem ersten Deportationszug nach Kaunas, wo sie erschossen wurde. Ihr Haus kassierten die Nazis, der Rest ihres Hab und Guts wurde versteigert. »Indem die Nachbarn auf diese Weise davon profitierten, wurde die Judenverfolgung zu einem gesellschaftlichen Prozess«, sagt Sven Keller.

Immer wieder öffnen sich von einzelnen Exponaten Sichtachsen auf den zentralen Teil der »Tatorte«. So blickt, wer Dora Reiners Geschichte liest, durch ein Mauerfenster direkt auf den Ausstellungstisch »Kaunas«. Technisch und museumspädagogisch präsentiert sich die Schau, die das Institut für Zeitgeschichte konzipiert hat, auf dem neuesten Stand. Jedes Kapitel wird durch ein »Schlüssel-Exponat« markiert - vom Hitler-Sammelbildchen-Album bis zur riesigen Landkarte, mit deren Hilfe Hitler Krieg führte.

inszenierung Besonders stolz sind Leiter Sven Keller und sein Team auf den digitalen Medientisch im ersten Teil: An ihm lassen sich durch Wischen, Ziehen, Klicken die Propagandafotos, die Hitler am Obersalzberg als volksnahen Privatmann zeigten, in ihre Einzelteile zerlegen. Das widerlegt den Mythos vom »Schnappschuss«: »Wir können an diesem Tisch beweisen, wie die Fotos inszeniert und wo sie retuschiert wurden«, sagt Keller.

Zum Konzept der neuen Dauerausstellung sagt Doku-Leiter Keller: »Je mehr Öffentlichkeit der Ort bekommt, desto weniger Platz ist für irgendwelche Umtriebe.« Den historischen Ort der Berghof-Ruinen oder die NS-Geschichte des Obersalzbergs zu verstecken, sei schon in den 50er Jahren zum Scheitern verurteilt gewesen. »Die Menschen wissen, dass hier was war - also muss man ihnen zeigen, was genau es war«, sagt Keller.

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026