Einspruch

Handeln statt Handel

Siemens hat erklärt, keine neuen Geschäfte mehr mit dem Iran abschließen zu wollen. Wachsende internationale Kritik, vor allem aus den USA – einem bedeutenden Markt für das Unternehmen –, dürfte dabei ebenso eine Rolle gespielt haben wie die Gefahr, von der Bundesregierung wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz belangt zu werden. Ein großes Opfer bedeutet der Rückzieher für Siemens freilich nicht: Der Anteil der Irangeschäfte an seinem Gesamtumsatz beträgt kaum ein Prozent. Und andere deutsche Firmen halten unbeirrt am Technolo- gietransfer in einen der gefährlichsten Staaten der Welt fest. Zwar ist der deutsche Export in den Iran vergangenes Jahr leicht gesunken, aber die Rückgangsrate liegt deutlich unter der des deutschen Gesamtexports im Krisenjahr 2009.

Dennoch: Der Siemens-Rückzug ist ein Indiz dafür, dass die westliche Iran-Politik in Bewegung gerät. Barack Obamas Politik der »ausgestreckten Hand« gegenüber den Gewaltherrschern in Teheran kann als endgültig gescheitert gelten. Der Westen richtet sich bereits auf einseitig verschärfte Sanktionen für den wahrscheinlichen Fall ein, dass China seine Zustimmung dafür im UN-Sicherheitsrat verweigert. Angela Merkel hat sich öffentlich festgelegt, dass Deutschland dann in die Sanktionsfront eintreten würde. Glaubt man jüngsten Umfragen, kann sie dabei mit erstaunlich großem Rückhalt in der deutschen Be- völkerung rechnen.

Die Aufrüstung Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten durch die USA zeigt, dass Obama nun von einer Phase erbitterter Konfrontation ausgeht. Iran soll die Möglichkeit genommen werden, auf eine härtere Gangart aus Washington mit Einschüchterung seiner Nachbarn zu reagieren. All das gibt eine Ahnung davon, was es noch erfordern wird, den Iran in die Schranken zu weisen. Der Spielraum für die deutsche Industrie, weiter zu verfahren, als habe sie mit all dem nichts zu tun, wird damit immer enger.

Iran

Mullah-Regime richtet zwei Demonstranten hin

Die Männer hatten Anfang des Jahres an den blutig niedergeschlagenen Protesten teilgenommen

 03.11.2026

Midterm-Wahlen

Wird US-Präsident Trump zur lahmen Ente?

Für Donald Trump wird es eine Schicksalswahl: Heute wählt Amerika einen neuen Kongress. Sollten die Demokraten gewinnen, könnte Trump nur noch per Dekret regieren

 03.11.2026

Iran-Krieg

US-Armee greift Insel Gheschm an

Vor den Kongress-Wahlen am Dienstag haben US-Kampfflugzeuge eine Stellung der Revolutionsgarden attackiert

 03.11.2026

Staatsangehörigkeit

170.000 Anträge von NS-Verfolgten und Nachfahren auf Einbürgerung

Immer mehr Menschen beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft über die sogenannte Wiedergutmachungs-Einbürgerung - fast die Hälfte der Anträge kommen aus Israel

 03.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026