Interview

»Hamas einbeziehen«

Kerstin Müller, außenpolitischen Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Foto: die partei

Frau Müller, Israelis und Palästinenser reden wieder miteinander. Die Hamas jedoch lehnt die Gespräche ab und möchte sie mit Gewalt sabotieren. Wie geht man mit einem solchen Nachbarn um?
Es ist aufs Schärfste zu verurteilen, dass die Hamas versucht, die Friedensgespräche mit Terror zu torpedieren. Leider muss ich davon ausgehen, dass es noch mehr Störmanöver geben wird, auch von anderen radikalen Gruppen in der Region. Wichtig ist, dass sich die Gesprächspartner nicht davon irritieren lassen, sondern weiter verhandeln.

Sie plädieren für eine neue Strategie im Umgang mit der Hamas. Wie soll die aussehen?
Es kann keinen anderen Umgang mit der Hamas geben, solange sie nicht von Gewalt und Terror ablässt. Aber man muss mittelfristig versuchen, unterhalb der offiziellen diplomatischen Ebene Kontakte zu denjenigen in der Hamas zu knüpfen, die bereit sind, sich auf eine Zwei-Staaten-Lösung einzulassen.

Was halten Sie von einer Zwei-Staaten-Lösung ohne Einbeziehung von Gaza?
Egal, ob man mit der israelischen oder der palästinensischen Seite, der Fatah, redet – beide sagen, eine Lösung ohne Einbeziehung Gazas ist schwer vorstellbar. Also muss man überlegen, wie man mit der Hamas umgeht.

Aber die Hamas-Charta propagiert nach wie vor die totale Zerstörung Israels durch den Dschihad. Lässt sich ein solcher Akteur in einen politischen Prozess einbinden?
Als Ganzes sicher nicht. Aber ich erinnere daran, dass auch die PLO einst eine Terrororganisation war und heute mit am Verhandlungstisch sitzt. Erst, nachdem die internationale Gemeinschaft eine kluge Strategie entwickelt und die PLO erklärt hatte, auf Gewalt zu verzichten, konnte man Gespräche beginnen.

Anfang Juli hat der Bundestag einen Antrag verabschiedet, dass Israel die Gazablockade sofort aufheben soll. Dieser Beschluss trägt vor allem Ihre Handschrift. Stehen Sie trotz der anhaltenden Gewalt, die von der Hamas ausgeht, weiterhin dazu?
Ja. Denn in dem einstimmig vom Deutschen Bundestag beschlossenen Antrag ging es uns um Kritik an einer Politik, die die Bevölkerung des Gazastreifens kollektiv bestraft und letztlich Hamas nicht geschwächt, sondern gestärkt hat.

Am Montag haben Sie an einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Tel Aviv teilgenommen. Das Thema lautete »Was macht einen Israelfreund aus?« Wie lautet Kerstin Müllers Antwort?
Ein Freund Israels zu sein, heißt, zum Existenzrecht Israels zu stehen und gegen jede Form von Antisemitismus zu kämpfen. Das schließt auch Kritik am Regierungshandeln ein. Doch wenn der Freund in Not gerät, steht man an seiner Seite – auch wenn er guten Rat zuvor in den Wind geschlagen hat. Ich bin eine Freundin Israels. Ich fühle mich dem Land und den Menschen sehr verbunden.

Mit der außenpolitischen Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag sprach Tobias Kühn.

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Thüringens Innenminister fordert AfD-Verbotsverfahren

In einem Gutachten begründen Juristen ihre Einschätzung besonders mit Verstößen gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026