EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Berlin

Griffig, konkret und alltagsnah

Wie kann jeder Einzelne Antisemitismus im Alltag begegnen? Dieser Frage widmet sich das Projekt »Stop Antisemitismus«. Als bislang einzigartiger Zusammenschluss verschiedener bundesweiter Organisationen, Institute, Initiativen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Bildung bündelt es die Kompetenz und langjährige Erfahrung im Erkennen, Erforschen und Bekämpfen von Antisemitismus.

Beteiligt an dem Projekt sind sowohl Vertreter des Zentralrats der Juden als auch des Zentralrats der Muslime sowie zivilgesellschaftliche Akteure, darunter die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST), die Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden, Step 21, Initiative für Toleranz und Verantwortung, die Bildungsstätte Anne Frank, das Jüdische Museum Frankfurt, die TU Berlin, die Frankfurt University of Applied Sciences und die Bundeszentrale für Politische Bildung. Unterstützt wird das Projekt von Felix Klein, dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus.

LAUNCH Am Mittwoch, dem Anne-Frank-Gedenktag, wurde die Initiative im Max-Liebermann-Haus in Berlin-Mitte nebst dazugehöriger Webseite vorgestellt. Initiator ist die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die Idee geht auf die freie ZEIT-Journalistin Sarah Levy zurück. »Als uns ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in der Kuratoriumssitzung im April vergangenen Jahres die Idee vorstellte, waren wir schnell überzeugt«, sagte der ZEIT-Stiftungsvorsitzende Michael Göring.

»Wir müssen die Menschen mitnehmen, die Antisemitismus bezeugen, aber sich vielleicht nicht trauen, etwas zu sagen«, sagte Felix Klein.

Denn das Projekt vernetze nicht nur verschiedene Beteiligte mit dem Ziel, die Zivilgesellschaft für Antisemitismus zu sensibilisieren, sondern gebe konkrete Handlungsanleitungen, wie jeder Einzelne im Alltag Antisemitismus entgegentreten könne.

Vor allem drei Begebenheiten hätten ihm zu denken gegeben: die Attacke auf einen Kippa tragenden Israeli im April 2018 in Berlin-Prenzlauer Berg, die Angst einer jüdischen Mutter vor antisemitischem Mobbing ihrer Kinder an der Grundschule und die Begegnung mit KIgA-Chef Dervis Hizarci, der in dem jüdischen Fußballverein Makkabi kickt und in seinem Schulalltag und mit KIgA das Problem Antisemitismus aktiv angeht. »Es ist genau die Aufgabe einer gemeinnützigen Stiftung, verschiedene Menschen in dieser Situation zusammenzubringen und daraus etwas Neues zu gestalten«, sagte Göring.

ZIVILCOURAGE Dieses Projekt sei »wirklich etwas Neues«, das ihn von Anfang an begeistert habe, sagte Felix Klein. Der Ansatz habe ihn überzeugt, denn der Kampf gegen Antisemitismus sei eine »nie endende Aufgabe von Staat und Gesellschaft«. Der Staat alleine könne es nicht. »Wir brauchen die Zivilcourage der Zivilgesellschaft, wenn Leute Antisemitismus wahrnehmen – am Arbeitsplatz, im Alltag, auf dem Fußballplatz. Wir müssen die Menschen mitnehmen, die Antisemitismus bezeugen, aber sich vielleicht nicht trauen, etwas zu sagen – zu Alltagssituationen liefert die Webseite Beispiele, Orientierung und Handlungsoptionen.«

Griffig, klar und alltagsnah will die Webseite sein. Die Beispiele entspringen realen, von Betroffenen erlebten Situationen. Die Fälle wurden anonymisiert.

»Komm her, du Jude!« ist so ein Beispiel – eine Situation auf dem Schulhof. Dahinter stehen die Hashtags #judealsschimpfwort und #schule, darunter kann man sich durch die Buttons »Was steckt dahinter?«, »Wie kann man reagieren?« und »Wo bekomme ich Hilfe?« klicken. Insgesamt werden 35 konkrete Szenen und authentische Aussagen beleuchtet. Die antisemitischen Facetten reichen dabei von klassischen Vorurteilen und NS-Sprache bis Schoa-Leugnung und Nahostkonflikt.

Eine umfangreiche und laufend aktualisierte Adressdatenbank listet hilfreiche Kontakte bei antisemitischen Vorfällen und Anlaufstellen auf.

»Uns geht es vor allem darum, dass Leute ihre Stimme erheben und sich im besten Fall Verbündete suchen und im Zweifel nachfragen«, sagt Projektleiterin Sarah Levy, die das Projekt auch weiterhin betreuen wird, eingebunden in die Arbeit der KIgA, wo es künftig angesiedelt sein wird. Die Idee sei vor allem, so Levy, die vielen Initiativen, die es schon gebe, sichtbar zu machen. Zudem liste eine umfangreiche und laufend aktualisierte Adressdatenbank hilfreiche Kontakte bei antisemitischen Vorfällen und Anlaufstellen auf. Dazu zählen Museen und Gedenkstätten sowie Veranstalter von Workshops, Fortbildungen und Seminaren für Lehrer, Jugendliche, Eltern und interessierte Bürger.

Er erlebe, auch zugetragen von Lesern, »eine große Hilflosigkeit«, sagte Giovanni di Lorenzo. »Es passiert etwas, und man weiß nicht, wie man reagiert. Daher war die Idee, eine Art digitales Handbuch zu schaffen – mit konkreten Sprüchen, konkreten Mustern und den Argumenten dagegen.« Niemand solle glauben, dass so etwas nur auf Schulhöfen stattfindet.

Lesen Sie mehr in unserer nächsten Printausgabe.

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026