Interview

»Gold steht für Demokratie«

Erardo Rautenberg Foto: Marco Limberg

Herr Rautenberg, Sie fordern, dass in der Bundesflagge statt des gängigen Gelb wieder das ursprüngliche Gold neben Schwarz und Rot zu sehen sein sollte. Warum?
Damit sie besser als Symbol der deutschen Demokratie verstanden wird.

Was ist an Gelb undemokratisch?
Nichts, aber die Flagge mit dem goldenen neben dem schwarzen und roten Band wurde zuerst beim »Hambacher Fest« 1832 gezeigt. 30.000 Menschen traten damals für nationale Einheit, Freiheit, demokratische Rechte und Europa ein. Dieses Ereignis gilt zu Recht als die Geburtsstunde der deutschen Demokratie.

Und was soll die Rückbesinnung auf das Gold in der Fahne bewirken?
Ich erhoffe mir davon, dass die Fahne als Symbol nicht mehr dem Partypatriotismus in Zeiten der Fußball-WM überlassen bleibt, sondern dass diejenigen, die sie zeigen, sich auch mit den von ihr repräsentierten Inhalten der demokratischen Republik identifizieren.

Nationalismus erblicken Sie in dem gegenwärtigen Fahnenmeer nicht?
Nein, es zeigt vielmehr ein unverkrampftes Verhältnis zur nationalen Identität. In Deutschland war es immer so, dass man von einem Extrem ins andere schwankte und nicht den Mittelweg fand. Aber mit dieser Form des Patriotismus, die wir gerade erleben, habe ich keine Probleme. Ich wünsche mir nur mehr Wissen darüber, was mit dem Zeigen der Flagge inhaltlich erklärt wird.

Schwarz-Rot-Gold ist also für hiesige Rechtsextremisten ideologisch unattraktiv?
Als während der Fußball-WM 2006 das erste Mal so viele Deutschlandfahnen im Straßenbild zu sehen waren, hat die extreme politische Rechte über die Symbolik diskutiert und kam überein, dass Schwarz-Rot-Gold nicht das Richtige für sie sei.

Zu demokratisch?
Schwarz-Rot-Gold steht in der Tat für die Tradition des demokratischen Republikanismus in Deutschland. Nicht zuletzt deswegen wurde die schwarz-rot-goldene Fahne von den Nazis immer als »Judenfahne« abgelehnt. Sie behaupteten auch, Schwarz stünde für Rom und den Katholizismus, Rot für Moskau und die kommunistische Gefahr.

Und Gold?
Symbolisierte für die Nazis Jerusalem und das Geld. Sie setzten deshalb auf Schwarz-Weiß-Rot, das tun sie bis heute.

Wer von Gold redet, kann auch das Geld nicht außer Acht lassen. Ist es in Zeiten leerer Kassen nicht gewagt, überall die Farbigkeit der Deutschlandfahne zu ändern?
Nein. Was den Druck auf Papier betrifft: Das ist heutzutage kein Thema mehr. Wenn es um die Flagge selbst geht, kann ich Sie auch beruhigen: Im Format 150 x 400 Zentimeter kostet Schwarz-Rot-Gelb etwa 80 Euro, Schwarz-Rot-Gold 130 Euro. Vor meiner Behörde wird übrigens die goldene Variante geflaggt, die ich von meinem eigenen Geld bezahlt habe.

Mit dem Generalstaatsanwalt von Brandenburg sprach Martin Krauß.

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