Wehrhahn-Anschlag

Gericht spricht Angeklagten frei

Der Angeklagte Ralf S. während des Prozesses am Landgericht Düsseldorf Foto: dpa

Rund 18 Jahre nach dem Sprengstoffanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn hat das Landgericht Düsseldorf am Dienstag den Angeklagten Ralf S. freigesprochen. Der 52-Jährige war wegen zwölffachen versuchten Mordes angeklagt gewesen.

Die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Rainer Drees sah nach 32 Verhandlungstagen eine Tatbeteiligung nicht als erwiesen an. Dem Angeklagten muss laut Gericht eine Entschädigung für die verbüßte Untersuchungshaft sowie für sonstige Einschränkungen und Belastungen gezahlt werden.

Zeugen Der ehemalige Militaria-Händler Ralf S., der erst Anfang 2017 festgenommen worden war, hatte die Tat in der Verhandlung bestritten. Mehrere Zeugen hatten dagegen behauptet, er habe den Anschlag gestanden. Das Schwurgericht wertete die vermeintlichen Geständnisse des Mannes als Prahlereien und Lügen und die Zeugenaussagen als nicht belastbar. Bereits im Mai hatte das Gericht den Angeklagten aus der Untersuchungshaft entlassen.

Am 27. Juli 2000 war am S-Bahnhof Wehrhahn eine selbstgebaute Rohrbombe explodiert. Sie verletzte zehn Migranten und Migrantinnen aus der ehemaligen Sowjetunion, die in einer zwölfköpfigen Gruppe auf dem Nachhauseweg von einer Sprachschule in der Nähe des Tatortes waren. Die Opfer waren überwiegend jüdische Zuwanderer. Eine hochschwangere Frau verlor durch den Anschlag ihr ungeborenes Kind.

Die Ermittlungen zu dem Anschlag blieben lange ohne Ergebnis. Erst nach mehr als 16 Jahren wurde im Januar 2017 der Tatverdächtige Ralf S., der als Rechtsextremist bekannt ist, festgenommen. Im Januar dieses Jahres wurde er wegen versuchten Mordes in zwölf Fällen angeklagt.

Dummschwätzer Die Verteidiger von Ralf S. hatten vor Gericht betont: »Die Beweisaufnahme hat den Nachweis für seine Täterschaft nicht erbracht.« Der 52-Jährige sei ein »Dampfplauderer und ein Dummschwätzer«, aber kein hochgefährlicher Rechtsextremist mit soziopathischen Zügen, wie von der Anklage behauptet. Sämtliche vier Nebenkläger-Anwälte hatten den Angeklagten dagegen als überführt bezeichnet: Er habe sich in mitgeschnittenen Telefonaten mehrfach verraten.

Im Mai wurde der Mann aus der Untersuchungshaft entlassen, da das Gericht keinen dringenden Tatverdacht mehr sah. Die Angaben mehrerer Zeugen, denen der Angeklagte den Bombenanschlag angekündigt oder gestanden gaben soll, hätten sich als »nicht hinreichend belastbar« erwiesen, hieß es.

Am vergangenen Freitag hatte die Jüdische Gemeinde Düsseldorf mit einer großen Gedenkkundgebung an die Opfer des Wehrhahn-Anschlags erinnert. An der Mahnwache nahmen auch Vertreter der Nebenklage, der Opferberatung Rheinland und des Bündnisses »Düsseldorf stellt sich quer« teil. epd/ja

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026

Video

Aufruf zur Solidarität nach Angriff auf Restaurant

Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant »Eclipse« ist ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Münchens vor Ort und appelliert an die Gesellschaft

von Jan Feldmann  10.04.2026

Halle

Fall Liebich: Tschechische Polizei will Auslieferungsantrag

In Deutschland und später auch europaweit war seit August 2025 nach der verurteilten Rechtsextremistin gesucht worden. Nun wurde sie in Tschechien gefasst. Wie es jetzt weitergehen soll

 10.04.2026

Weimer

Gericht untersagt Demo vor Buchenwald-Gedenkstätte

Die Initiative »Kufiyas in Buchenwald« darf nicht vor der Gedenkstätte protestieren. Was das Verwaltungsgericht Weimar zur Verknüpfung von Holocaustgedenken und aktuellen Konflikten sagt

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert

Bayern

Anschlag auf israelisches Lokal in München

Drei Einschläge an den Fenstern, laute Knalle: Unbekannte beschädigen ein israelisches Lokal in München. Der Staatsschutz ermittelt

 10.04.2026 Aktualisiert