Meinung

Geraune statt Journalismus

Lahav Shapira Foto: picture alliance / SZ Photo

Nach antisemitischen Karikaturen, nach der Bebilderung des deutschen Bahnchaos mit den Gleisen von Auschwitz, einer fragwürdigen Wortwahl und vielen anderen Entgleisungen sollte ich es besser wissen. Aber dann habe ich doch wieder die »Süddeutsche Zeitung« gelesen. What the hell? Werte Kollegen, was ist los mit Ihnen?

In dem bereits seltsam betitelten Artikel »Nahostkonflikt: ›Ich hätte ja auch sterben können‹« vom 23. März aus der Feder von Constanze von Bullion geht es um den brutalen Angriff auf den Studenten Lahav Shapira, der Anfang Februar auf offener Straße von einem Kommilitonen zusammengeschlagen wurde.

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Die beiden sollen sich aus WhatsApp-Chats kennen, in denen Shapira immer wieder als Zionist beschimpft und bedroht worden sein soll. Shapira ist jüdischer Israeli und in Deutschland aufgewachsen, der Tatverdächtige soll einen palästinensischen Hintergrund haben. Beide sind politisch engagiert.

Hören und Sehen

Der mutmaßliche Angreifer wollte nicht mit der Autorin sprechen, Shapira schon, was offensichtlich ein Fehler war. Denn die SZ-Journalistin setzt zu einem Geraune an, dass einem Hören und Sehen vergeht. Gerade noch beschreibt sie detailliert die in der Charité festgestellten Verletzungen: komplexe Mittelgesichtsfrakturen, Nasenbeinbruch, Schädel-Hirn-Trauma, als sie schon zu relativieren beginnt.

Es sei eine »kleine« Einblutung im Gehirn, »kein Nachweis einer raumgreifenden intrakraniellen Blutung«. Und dann stehe da auch »ADHS« im Arztbericht. »Das dürfte noch eine Rolle spielen«, schreibt sie. Und sie weiß auch sehr genau welche, denn dieser Artikel macht vor allem eines: Er sucht die Schuld bei Shapira.

Versammelte Andeutungen

Denn es gebe Dinge, von denen Shapira nicht erzähle. »Wie es ist, wenn der Zorn kommt, zum Beispiel.« Manche hielten ihn für einen »Provokateur, der leicht die Kontrolle verliert«, und »fragt man ihn nach dem Kürzel ADHS im Arztbrief der Charité, korrigiert er sanft: ADS. Das führe nicht zu Reizbarkeit, sondern zu Konzentrationsschwäche.« Aber »andere sehen das anders«, murmelt die Autorin.

Was genau möchten Sie uns mit Ihren versammelten Andeutungen sagen, Kollegin? Dass der Tritt ins Gesicht gerechtfertigt sei, weil Shapira nicht die andere Wange hingehalten hat?

Wenn ein Mensch sich wehrt, rechtfertigt das nicht die Tat. Das sollten Journalisten wissen. Außer sie möchten, dass es anders ist.

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