Einspruch

Gefährliche Gleichgültigkeit

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gilt traditionell als eine Art Testwahl für den Bund. Wir müssen also damit rechnen, dass die AfD in den Bundestag einziehen wird. Sicherlich gibt es ein Aufatmen, dass der Höhenflug der Partei von 14 Prozent gestoppt zu sein scheint. Irritierend ist jedoch zugleich, mit welcher Gleichgültigkeit der Einzug der Rechtspopulisten in den Landtag in Düsseldorf hingenommen wird.

Die AfD ist jetzt in 13 von 16 Landesparlamenten vertreten. Das bedeutet für die Partei, die sich spätestens seit ihrem Parteitag im April in Köln noch weiter nach rechtsaußen bewegt hat, neben politischem Einfluss auch beträchtliche staatliche Mittel.

medien Am Wahlabend konnte man den Eindruck gewinnen, als hätten sich die anderen Parteien ebenso wie die Medien bereits daran gewöhnt, dass die AfD die Fünf-Prozent-Hürde überspringt. Dass mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen die AfD gewählt haben als die Grünen und die Linken, war keine besondere Erwähnung wert.

Es wäre jedoch sehr gefährlich, wenn die etablierten Parteien diesen Zustand quasi schicksalsergeben hinnähmen. Sie gäben damit einer Partei Raum, die dabei ist, das politische Klima zu vergiften. Die gezielt Minderheiten diffamiert und ausgrenzt. Wer Vokabeln wie »völkisch« als normalen Sprachgebrauch einführen will, schimmert braun unterm Hellblau der AfD.

bundestag Im Bundestag werden wir dann Leute sitzen haben, die zum Beispiel – laut Bericht der taz – ein Ende des »Schuldkults« fordern, wie Martin Renner, der auf Platz 1 der NRW-Landesliste der AfD steht. Es sind Menschen, die Björn Höcke für seine Dresdener Rede Beifall gespendet haben.

Nach dieser Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland hieß es in vielen Kommentaren, bei der SPD müssten die Alarmglocken schrillen. Nein, die Alarmglocken müssen bei allen Demokraten schrillen. Wir alle sind jetzt gefordert, die Rechtspopulisten zu entzaubern und in die verdiente Bedeutungslosigkeit zurückzuschicken.

Der Autor ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Staatsangehörigkeit

170.000 Anträge von NS-Verfolgten und Nachfahren auf Einbürgerung

Immer mehr Menschen beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft über die sogenannte Wiedergutmachungs-Einbürgerung - fast die Hälfte der Anträge kommen aus Israel

 03.11.2026

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026