Meinung

Für ein unabhängiges Kurdistan

Arye Sharuz Shalicar Foto: Uwe Steinert

Meinung

Für ein unabhängiges Kurdistan

Warum es für eine autonome Region moralische und strategische Argumente gibt

von Arye Sharuz Shalicar  09.10.2017 11:57 Uhr

Am 25. September hat der starke Mann der Autonomen Kurdenregion im Irak, Masud Barzani, trotz Drohungen aus Bagdad, Teheran, Ankara und ohne Rückenwind der Europäer und der Amerikaner ein Unabhängigkeitsreferendum abgehalten.

Vermutlich zwei Jahre zu spät! Damals nämlich hatten die Kurden fast die gesamte westliche Welt hinter sich und wurden gefeiert – als Helden im Kampf gegen den Islamischen Staat. Damals war die »Kurdenfrage« plötzlich nicht mehr ein Problem, sondern das kurdische Volk wurde als die »Lösung« wahrgenommen.

drecksarbeit Das Problem war damals der IS, als Lösung galten die Kurden. Der Westen stand hinter den Kurden, denn sie waren es, die nicht nur mutig genug waren, die »Drecksarbeit« zu leisten, sondern die auch geostrategisch betrachtet perfekt konzentriert waren, um den IS zu bekämpfen. Und entgegen aller Erwartung waren sie erfolgreich: Der IS hat nicht nur seine »Hauptstadt« Al-Rakka aufgegeben, sondern er verliert seit Monaten Gebiete. Der »Tag nach dem IS« ist nahe.

Mittlerweile braucht der Westen die Kurden nicht mehr, und plötzlich ist sie wieder da, die »Kurdenfrage«. Und die Kurden sind wieder da, wo sie schon immer waren: in der Defensive und von einem unabhängigen Staat namens Kurdistan träumend.

pufferzone Nur Israel hat sich offen für Kurdistan ausgesprochen, und dafür gibt es viele Gründe: etwa, dass es vor nicht allzu langer Zeit noch um eine »Judenfrage« ging und die Juden ähnlich dastanden wie heute die Kurden. Neben diesem moralischen gibt es auch ein geopolitisches Argument: Ein unabhängiges, starkes und Israel verbundenes Kurdistan könnte im Ländereck Iran-Irak-Syrien eine Pufferzone bilden, die den iranischen Landkorridor zwischen dem Iran und dem Libanon brechen würde.

Masud Barzani soll Theodor Herzl und David Ben Gurion zu seinen Vorbildern zählen. Ben Gurion hat den Staat Israel kurze Zeit nach dem Holocaust gegründet. Barzani ist vielleicht zwei Jahre zu spät, aber hoffentlich beweist uns die Geschichte das Gegenteil.

Der Autor ist Abteilungsleiter für Internationale Beziehungen im israelischen Ministerium für Nachrichtendienste im Büro des Ministerpräsidenten.

Extremismus

Die Linke und der Judenhass

Der »taz«-Journalist Nicholas Potter hat ein Buch über die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Autoritarismus bei Teilen der Linken geschrieben. Ein Auszug

von Nicholas Potter  05.04.2026

Krieg

Trump gibt iranischer Führung Zeit bis Dienstagabend

Der US-Präsident hat der iranischen Führung mit heftigen Angriffen gedroht, sollte sie nicht einlenken

 05.04.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Debatte

»Das wäre enorm wichtig, gerade für die vielen Kinder mit muslimischem Migrationshintergrund«

Israels Botschafter Ron Prosor spricht sich für Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten aus

 05.04.2026

Krieg

Israel meldet Tötung eines weiteren Öl-Kommandeurs im Iran

Nach einem Angriff in Teheran spricht Israels Militär von einem »schweren Schlag gegen die wirtschaftlichen Grundlagen des iranischen Sicherheitsapparats«. Das steckt hinter dem Angriff

 05.04.2026

Krieg

Trump: Wir haben unseren Soldaten gerettet und in Sicherheit gebracht

Rettung wie in einem Hollywood-Film: US-Spezialeinheiten konnten den vermissten Offizier des abgeschossenen Kampfjets geborgen. Der US-Präsident schildert die riskante Mission mit dramatischen Worten

von Lars Nicolaysen  05.04.2026

Krieg

Bericht: USA greifen Suchort von vermisstem US-Soldaten an

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines US-Kampfjets läuft auf Hochtouren. Jetzt werden aus dem Iran Luftangriffe in einer Gegend gemeldet, in dem sich der US-Soldat befinden soll

 05.04.2026

München

Der Grüne, das Rathaus und die jüdische Gemeinschaft

Dominik Krause wird der nächste Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt. Der 35-Jährige ist Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und geht entschlossen gegen Antisemitismus vor. Ein Porträt

von Chris Schinke  04.04.2026

Krieg

»Kritische« Rettungsmission im Iran - Trump in Erklärungsnot

Die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied eines Kampfjets wird für die USA zum Wettlauf gegen die Zeit - im Iran werden Kopfgelder ausgesetzt. Die Lage bringt die US-Regierung in Bedrängnis

von Cindy Riechau  04.04.2026

Großbritannien

Brandanschlag in London: Untersuchungshaft für Verdächtige

Mehrere Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Golders Green werden in Brand gesetzt. Vor Gericht erschienen nun drei Verdächtige

 04.04.2026