EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 47 Sitze

Wuligers Woche

Freund und Feind

Linke Pro-Israel-Demonstranten (Berlin 2012) Foto: Gregor Zielke

Bis Jom Kippur ist es noch eine Weile hin. Abbitte leisten will ich aber heute schon bei einer Gruppe von Menschen: den Philosemiten. Jahrzehntelang habe ich mich über sie lustig gemacht und Schlimmeres. Damit stehe ich wohl kaum allein. Den meisten Juden sind Philosemiten nicht ganz geheuer. Zu Unrecht, denke ich mittlerweile.

Intellektuell unterfüttert war meine Abneigung mit der nicht sonderlich originellen These, dass Philosemitismus eigentlich nichts anderes sei als spiegelverkehrter Antisemitismus: Beide nutzten Juden als Projektionsfläche und unterstellten ihnen kollektiv bestimmte Eigenschaften – die Judenhasser negative, die Judenfreunde positive –, wobei die Zuwendung rasch umschlagen könne in Aversion. Sozialpsychologisch mag das stimmen. Nur übersieht es einen wichtigen Unterschied: Antisemitismus kann in letzter Konsequenz massenmörderisch sein. Philosemitismus nervt höchstens.

Irrlehre Wobei das, was nervt, subjektiv sehr unterschiedlich sein kann. Mich beispielsweise befremden evangelikale Christen, deren Judenliebe einhergeht mit stockkonservativen Gesellschaftsbildern und Glaubenssätzen, wie dem, dass die Evolution eine Irrlehre sei und Gott die Welt wortwörtlich so erschaffen habe, wie in der Bibel beschrieben.

Wobei man fairerweise nicht vergessen sollte, dass Derartiges teilweise auch im Judentum vertreten wird. Und so kurios ich fundamentalistische Protestanten empfinde, so seltsam werden anderen Juden – wahrscheinlich den meisten – Antifa-Aktivisten erscheinen, die unbedingte Israelsolidarität mit linksradikalen Revolutionsparolen verbinden.

Manche jüdische, vor allem israelische, Kritiker werfen diesen »Antideutschen« vor, ihre Haltung sei nichts weiter als ein undifferenzierter Reflex auf die deutsche Geschichte. Insofern ähnelten sie ihren Eltern und Großeltern, den bundesrepublikanischen Philosemiten der Nachkriegszeit, bei denen die nazistische Verdammung der Juden bruchlos in eine ebenso unreflektierte Verklärung umgeschlagen sei.

Palästinenser Kann sein. Aber mir sind Deutsche, die aus der Schoa diese Konsequenz ziehen, allemal lieber, als solche, die verkünden, die Lehre aus Auschwitz heiße, Solidarität mit den Palästinensern zu üben und israelische Produkte zu boykottieren. Wenn es jemals, was G’tt verhüte, hart auf hart kommen sollte, würde ich mein Schicksal lieber unreflektierten Judenfreunden anvertrauen, seien sie christlich oder linksradikal, als es in die Hände differenziert argumentierender Progressiver zu legen.

Diese Einsicht verdanke ich dem britischen Schriftsteller Howard Jacobson. Der sagte mir vor Jahren bei einem Interview, als die Rede auf Philosemiten kam: »Es gibt so viele Menschen, die uns hassen. Da sollten wir nicht auf die vergleichsweise wenigen einprügeln, die uns wohlgesinnt sind.«

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Debatte

Linke vertagt Entscheidung um Vanessa Emde

Die Berliner Linke ringt seit Wochen um den richtigen Umgang mit einer israelfeindlichen Abgeordneten. Nach einer Fraktionssitzung wurde wieder keine Lösung präsentiert

 27.10.2026

Berlin

Volker Beck zur Wahl: Regierungswechsel wäre gut für Israel

Der Urnengang entscheidet über die politische Zukunft von Benjamin Netanjahu. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft argumentiert, der Regierungschef habe viel Vertrauen verspielt

 27.10.2026

Beate Zschäpe im Jahr 2021 in ihrem Prozess

Rechtsextremismus

Gericht: NSU-Terroristin Zschäpe soll bis mindestens 2035 in Haft bleiben

Beate Zschäpe wollte vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Das Gericht sagt Nein. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig

von Christoph Trost  27.10.2026