Israel/Gaza

Freude, Erleichterung und bange Blicke in die Zukunft

Doron Steinbrecher umarmt nach mehr als 400 Tagen in der Gewalt der Hamas ihren Vater. Foto: picture alliance / Newscom

Nach mehr als 15 Monaten Krieg mit Zehntausenden Toten ist eine Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas in Kraft getreten. Drei Geiseln im Gazastreifen wurden von der Hamas freigelassen und nach Israel zurückgebracht.

Die Frauen waren die ersten der insgesamt 33 Verschleppten, die im Rahmen der zunächst sechswöchigen Waffenruhe freikommen sollen. Im Gegenzug leitete Israel die Entlassung 90 verurteilte palästinensischer Frauen und Minderjähriger aus der Haft ein. 

Lesen Sie auch

Insgesamt sollen in der ersten von drei Phasen einer unter Vermittlung von Katar, Ägypten und den USA ausgehandelten Vereinbarung 1904 palästinensische Häftlinge im Austausch für die Geiseln freikommen.

Die drei Frauen waren mehr als 15 Monaten in der Gewalt der Hamas 

Bei den ersten freigelassenen Geiseln handelt es sich um die Zivilistinnen Romi Gonen (24), Emily Damari (28) und Doron Steinbrecher (31). Sie wurden von bewaffneten Hamas-Terroristen an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und dann der israelischen Armee übergeben.

Die israelische Armee veröffentlichte Videoaufnahmen vom Empfang der drei Frauen. Darauf ist zu sehen, wie sie noch im Gazastreifen aus einem Rot-Kreuz-Fahrzeug steigen und von Soldatinnen begrüßt und teils umarmt werden. 

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Anschließend wurden die Freigelassenen nach Israel gefahren, wo ihre Mütter sie nach langen Monaten bangen Wartens in die Arme schließen konnten. Danach wurden die Frauen in ein Krankenhaus bei Tel Aviv geflogen, wo sie von einer Menschenmenge mit Applaus begrüßt wurden.

Ein gut zwei Minuten langes von der Regierung veröffentlichtes Video zeigt das äußerst emotionale Wiedersehen der drei Frauen mit ihren Angehörigen dort: Es gab innige Umarmungen, es flossen Tränen, es war Schluchzen und Jubel zu hören. 

Eine der jungen Frauen verlor zwei Finger

Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf das Rote Kreuz, dass die drei Ex-Geiseln zumindest physisch insgesamt in guter Verfassung waren. Allerdings verlor Damari während der Entführung zwei Finger, wie mehrere israelische Medien übereinstimmend unter Berufung auf ihre Familie berichteten. Auf Bildern war auch die bandagierte Hand der Frau zu sehen. 

Terroristen hatten die drei jungen Frauen während des Massakers in Israel am 7. Oktober 2023 verschleppt und seitdem im Gazastreifen festgehalten. Romi Gonen wurde vom Nova-Musikfestival nahe der Grenze zum Gazastreifen entführt und dabei verletzt.

Der Vater der 24-Jährigen sagte der Nachrichtenseite ynet vor der Freilassung, die Familie habe mehr als 11.000 Stunden auf diesen Moment gewartet. Die beiden anderen Frauen wurden aus ihren Häusern im Kibbuz Kfar Aza als Geiseln entführt. Steinbrecher besitzt zusätzlich die rumänische Staatsangehörigkeit, Damari auch die britische. 

Biden begrüßt Beginn der Geiselfreilassungen 

Die nächste Freilassung von Geiseln soll dem Vernehmen nach am Samstag stattfinden. Dabei sollen einem Hamas-Vertreter zufolge vier Entführte freikommen.

Der scheidende US-Präsident Joe Biden würdigte die Freilassung der Geiseln und die Waffenruhe als wichtigen Schritt. Um die Waffenruhe aufrechtzuerhalten, seien jedoch »Beharrlichkeit, anhaltende Unterstützung für unsere Freunde in der Region und der Glauben an Diplomatie, gestützt durch Abschreckung« notwendig, fügte er hinzu. 

Weitere Tote im Gazastreifen wegen verzögertem Beginn 

Der Beginn der Waffenruhe verzögerte sich zunächst, weil die Hamas die Namen der drei freizulassenden Geiseln nicht rechtzeitig an Israel übermittelt hatte. Die israelische Luftwaffe setzte daraufhin am Sonntagmorgen ihre Angriffe gegen die Hamas im Gazastreifen fort.

Weitere Schritte geplant

In den nächsten Wochen wollen Hamas und Israel über weitere Schritte verhandeln. Ziel ist der vollständige Rückzug des israelischen Militärs aus Gaza und die Freilassung der letzten Geiseln. Darunter sind auch Israelis, die zusätzlich die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Wird keine Einigung erzielt, könnten die Kämpfe gegen die Hamas-Terroristen weitergehen, hatte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Vorabend der Waffenruhe gedroht. 

Israel soll Hamas-Terroristen und auch Mörder freilassen

Bei den freizulassenden Palästinensern handelt es sich nach Regierungsangaben um 1167 Bewohner des Gazastreifens, die nicht an dem Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel beteiligt waren. Die anderen 737 sind Häftlinge, die wegen leichterer Delikte wie Steinwürfe im Westjordanland oder illegalem Grenzübertritt sowie auch illegalem Waffenbesitz oder anderer Gesetzesverstöße verurteilt wurden. Darunter sind aber auch Häftlinge, die wegen schwerer Straftaten wie etwa Mord einsitzen. 

Schwierigste Fragen sind noch ungelöst 

Bei den kommenden Verhandlungen geht es um die größten Streitpunkte, die bisher ausgeklammert wurden. Die Hamas fordert den vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Küstenstreifen und eine Garantie, dass die Kämpfe dauerhaft beendet sind.

Israels Regierungschef Netanjahu hingegen besteht auf der Zerschlagung der Hamas, die weitere Anschläge auf Israel wie die am 7. Oktober 2023 angekündigt hat. Weiterer Stolperstein könnte die Frage sein, welche palästinensischen Häftlinge Israel während einer zweiten Phase im Austausch für die restlichen Geiseln freilassen soll. Insgesamt 34 der 94 noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln sind vermutlich bereits tot. 

Israels Polizeiminister tritt wegen Geisel-Deal zurück

Aus Protest gegen die Waffenruhe-Vereinbarung erklärte Israels rechtsextremer Polizeiminister Itamar Ben-Gvir seinen Rücktritt. Damit verlässt auch seine Partei Otzma Jehudit die Koalition.

Netanjahus rechtsreligiöse Regierung verfügt damit noch über eine knappe Mehrheit von 62 der 120 Sitze in der Knesset. 

Wer soll im Gazastreifen künftig das Sagen haben?

Völlig unklar ist auch, wer im Gazastreifen nach einem Ende der Kämpfe regieren soll. Die gemäßigte Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland will wieder die alleinige Kontrolle über den Küstenstreifen übernehmen. Netanjahu lehnt das jedoch ab. dpa/ja

Jerusalem

Netanjahu kündigt nach Telefonat mit Trump Fortsetzung der Angriffe im Iran an

»Wir zerschlagen das Raketenprogramm und das Atomprogramm und treffen die Hisbollah weiterhin hart«, sagt der Ministerpräsident Israels

 24.03.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« reagiert auf Rüge des Deutschen Presserats

19 Rügen verteilt der Presserat an die deutsche Medienlandschaft. Eine davon geht an die »Jüdische Allgemeine« - wegen angeblicher gravierender Ehrverletzung eines in Gaza getöteten Journalisten

 23.03.2026

Gedenken

Zwei Buchenwald-Verbände gegen Auftritt von Wolfram Weimer

In der Gedenkstätte Buchenwald wird am 12. April an die Befreiung des Konzentrationslagers erinnert. Geplant ist ein Grußwort von Kulturstaatsminister Weimer. Zwei Verbände haben damit ein Problem

 23.03.2026

Krieg

Merz begrüßt vorläufigen Verzicht auf US-Kraftwerksangriffe im Iran

US-Präsident Donald Trump nimmt scharfe Drohungen gegen den Iran vorerst vom Tisch. Die Bundesregierung begrüßt das und bietet Mithilfe bei anderen Bemühungen an

 23.03.2026

Nahost

G7 verurteilen iranische Angriffe scharf und warnen vor Eskalation

In einer gemeinsamen Erklärung der G7-Außenminister ist von »nicht zu rechtfertigenden Angriffen« und einer Gefahr für die Stabilität die Rede

 23.03.2026

Schutz jüdischer Studenten

Klage von Lahav Shapira gegen FU Berlin abgewiesen

Der Gaza-Krieg sorgt auch an Berliner Hochschulen regelmäßig zu Protesten. Ein jüdischer Student fühlt sich nicht mehr sicher und zieht vor Gericht. Was sagen die Richter?

 23.03.2026

Berlin

Außenministerium stellt sich hinter Botschafter Seibert

Israels Außenminister kritisiert den deutschen Botschafter wegen Aussagen zur Siedlergewalt. Außenminister Wadephul telefoniert mit seinem Kollegen - und wiederholt die Kritik

 23.03.2026

Teheran

Können iranische Raketen nun Europa erreichen?

Nach dem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia rückt auch Europa in den potenziellen Zielkorridor iranischer Raketen. Muss man sich in Berlin nun Sorgen machen?

von Arne Bänsch  23.03.2026

Griechenland

US-Flugzeugträger legt für Reparaturen auf Kreta an

Brand in der Bordwäscherei, Probleme mit Toiletten: Die »USS Gerald R. Ford« macht auf Kreta Halt. Ermittler der US-Marine gehen der Ursache des Feuers nach

 23.03.2026