Erinnerungskultur

Frankfurt errichtet neue KZ-Gedenkstätte

Im Jahr 2015 erinnerte eine Kunstaktion an das KZ-Außenlager Katzbach in den Frankfurter Adlerwerken. Foto: imago/Hartenfelser

Frankfurt will eine KZ-Gedenkstätte »Katzbach« errichten. Der Magistrat habe der Anmietung eines 160 Quadratmeter großen Raumes zugestimmt, in dem eine Erinnerungs- und Bildungsstätte zu Themen des KZ »Katzbach« und der Zwangsarbeit in Frankfurt am Main eingerichtet werden solle, teilte die Stadt mit.

In der NS-Zeit mussten im KZ-Außenlager »Katzbach« in den Frankfurter Adlerwerken Häftlinge aus acht Nationen unter unmenschlichen Bedingungen für die Rüstungsindustrie schuften.

GEDÄCHTNIS »Die Einrichtung der Erinnerungsstätte war überfällig«, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). »Das KZ ‚Katzbach‘ steht für eine der dunkelsten Stunden der Geschichte unserer Stadt. Das Leid der Opfer und ihrer Familien muss Teil unseres kollektiven Gedächtnisses werden. Wer es ernst meint mit dem ‚Nie wieder‘, muss verhindern, dass sich der Schleier des Vergessens über die Verbrechen der Nazi-Diktatur legt.«

Die Initiative zur Einrichtung einer Erinnerungsstätte ist bereits mehr als 30 Jahre alt.

Mit der avisierten Erinnerungs- und Bildungsstätte leiste die Stadt einen entscheidenden Beitrag »zur kritischen Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der Frankfurter Geschichte und für unsere pluralistische Gesellschaft«, erklärte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

ZWANGSARBEIT Das KZ-Außenlager in Frankfurt gehörte zum elsässischen Stammlager KZ Natzweiler-Struthof. Zwischen August 1944 und März 1945 mussten dort unter SS-Bewachung mehr als 1.600 Häftlinge Zwangsarbeit leisten. 528 von ihnen starben an Hunger oder Kälte, wurden hingerichtet oder zu Tode gequält.

Im März 1945 wurden im Zuge der Auflösung des Lagers rund 450 Häftlinge ins Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt. Die übrigen 360 bis 370 Häftlinge wurden am 24. März 1945, kurz vor dem Einmarsch der Alliierten in Frankfurt, auf einen »Todesmarsch« geschickt, den viele nicht überlebten.

ANSTOSS Die Initiative zur Einrichtung einer Erinnerungsstätte für die Opfer des KZ »Katzbach« und der Zwangsarbeit in Frankfurt ist bereits mehr als 30 Jahre alt.

Angestoßen hatte die Aufarbeitung der ehemalige Betriebsratsvorsitzende der Adlerwerke, Lothar Reininger. Im vergangenen März hatte die Historikerin Andrea Rudorff vom Fritz-Bauer-Institut eine Studie zur Geschichte des KZ-Außenlagers vorgelegt. epd

Reaktionen

Ein Hausmeister für die Mullahs

Die Bundesregierung habe zu lasch auf die iranischen Mordkomplotte in Deutschland reagiert, finden jüdische und pro-israelische Organisationen. Sie fordern tiefgreifende Konsequenzen

von Stefan Laurin  20.10.2026

Vereinte Nationen

Wer finanziert die Arbeit der UN-Berichterstatter?

Die Genfer NGO UN Watch hat einen Bericht vorgelegt, der die Zuwendungen an rund 140 unabhängige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen unter die Lupe nimmt. Auf Platz 3 der Liste: Francesca Albanese

von Michael Thaidigsmann  20.10.2026

Speyer

Nach Drohbrief: Kirchen solidarisch mit Jüdischer Gemeinde

Die beiden großen christlichen Kirchen haben Drohungen gegen die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz in Speyer verurteilt. Die Bedrohung jüdischen Lebens sei nicht hinnehmbar

 20.10.2026

Washington D.C.

Vance gibt keine Wahlempfehlung für Netanjahu ab

Im Gegensatz zu seinem Chef Donald Trump sieht der amerikanische Vizepräsident von einer Unterstützung des israelischen Ministerpräsidenten ab. Warum?

 20.10.2026

Nach Spionage-Urteil

Deutscher Botschafter im Iran einbestellt

Dem Diplomaten solle der starke Protest des Iran übermittelt werden, heißt es. Kurz zuvor hatte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter einbestellt

 20.10.2026

Gießen

Staatsanwaltschaft klagt AfD-Politiker wegen NS-Parole an

Bei seiner Bewerbungsrede für den Vorstand der AfD-Jugendorganisation soll Kevin Dorow eine Parole der Hitlerjugend verwendet haben. Nun muss ein Gericht über die Anklage entscheiden

 20.10.2026

Luftwaffenstützpunkt Ovda

Hegseth trifft Netanjahu bei unangekündigtem Israel-Besuch

Wenige Tage vor der israelischen Wahl ging es bei dem Geheimtreffen wohl um das weitere Vorgehen gegen das Mullah-Regime in Teheran

 20.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät über umstrittene Abgeordnete

Seit dem Wahlsieg der Berliner Linke wird bundesweit über Antisemitismus und Israel-Kritik in ihren Reihen diskutiert. Nun will die Fraktion klären, wie sie mit Vaness Emde umgeht

 20.10.2026

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  20.10.2026