Anschlag in Düsseldorf

Festnahme nach über 16 Jahren

Beim Bombenanschlag auf den Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn im Jahr 2000 wurden zehn Menschen zum Teil schwer verletzt. Foto: dpa

Am Dienstag hat die Polizei in Ratingen bei Düsseldorf Ralf S. verhaftet. Der rechtsextreme S. steht im Verdacht, am Bombenanschlag auf den Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn im Jahr 2000 beteiligt gewesen zu sein.

Zehn Menschen, darunter sechs Juden, wurden zum Teil schwer verletzt, ein Ungeborenes im Mutterleib so stark, dass es an den Folgen des Anschlags starb. Die sechs jüdischen Opfer kamen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und hatten in einer Sprachschule einen Deutschkurs besucht.

täter Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, verwies auf die Bedeutung des Anschlags für die jüdische Gemeinschaft: »Die Festnahme des mutmaßlichen Täters zeigt, dass solche Fälle nicht nach einer gewissen Zeit ad acta gelegt werden dürfen. In Düsseldorf und darüber hinaus in der ganzen jüdischen Gemeinschaft hatte das Rohrbombenattentat für tiefe Verunsicherung gesorgt. Gerade für die damaligen Opfer ist es wichtig, dass der Täter gefasst ist.«

Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Ich bin erleichtert und empfinde eine späte Freude, dass endlich ein Verdächtiger ermittelt wurde.« Allerdings, betont er, gelte auch für Ralf S. die Unschuldsvermutung: »Ob er der Täter ist, ob es noch andere Täter gab, das wird nun das Gericht entscheiden.«

nsu Die Informationen, die nun zur Festnahme führten, seien aus dem NSU-Untersuchungsausschusse des nordrhein-westfälischen Landtags gekommen, sagte Szentei-Heise. »Auch wenn der Anschlag am Wehrhahn und der NSU schon zeitlich nicht in einem direkten Zusammenhang stehen können, ging der Impuls, der zum heutigen Ermittlungserfolg führte, von diesem Ausschuss aus«, so Szentei-Heise.

Zwei Jahre lang hätte die Polizei dann minutiös ermittelt und am Ende einen Verdächtigen festnehmen können. Gegen S. war schon nach dem Anschlag ermittelt worden, allerdings ohne ausreichend Beweise zu finden.

ermittlungserfolg Zentralratspräsident Josef Schuster betonte jedoch, dass auch dieser Ermittlungserfolg nichts an der Bedrohung durch Rechtsextremisten für Juden in Deutschland ändert. »Antisemitismus und Judenhass sind nach wie vor in der rechtsextremistischen Szene der Normalfall. Der Kampf gegen den Rechtsextremismus darf daher ebenso wenig nachlassen wie die Solidarität der Mehrheitsgesellschaft mit uns Juden und anderen Minderheiten. Die Anständigen in diesem Land müssen weiterhin und dringender denn je aufstehen gegen Rechts.«

Schuster verwies darauf, dass auch der NSU, gegen den in München im Prozess gegen Beate Zschäpe verhandelt wird, eine große Zahl jüdischer Einrichtungen im Visier hatte.

Berlin

Hubig besorgt über Zulauf zu militanten Rechtsextremisten

In mehreren Bundesländern laufen Durchsuchungen gegen Rechtsextremisten. Was die Bundesjustizministerin dazu sagt

 06.05.2026

New York

USA unterstützen UN-Resolution zu möglichen Iran-Sanktionen

Dem Regime in Teheran werden in einem von den USA unterstützten Entwurf »wirksame Maßnahmen entsprechend der Schwere der Lage, einschließlich Sanktionen« angedroht

 06.05.2026

Washington D.C.

Trump stoppt Marineeinsatz in der Straße von Hormus

Der Präsident begründet dies mit angeblichen Fortschritten in Gesprächen mit Teheran über ein Abkommen. Außenminister Rubio hatte zuvor dagegen erklärt, das »Project Freedom« stelle nun den Schwerpunkt dar

 06.05.2026

Berlin/Tel Aviv

Israel: Liefern Deutschland Kerosin

Trotz hoher Kerosinpreise hieß es zuletzt, dass die Vorräte in Deutschland reichen. Experten warnen derweil vor Engpässen. Nun helfen die Israelis eigenen Angaben zufolge aus

 06.05.2026

Berlin/Düsseldorf

Durchsuchungen bei mutmaßlichen Neonazis

Die Polizei durchsucht Objekte in zwölf Bundesländern. Warum die neuen Rechtsextremen jetzt ins Visier geraten

 06.05.2026 Aktualisiert

Interview

Josef Schuster: »Juden und Muslime sind keine Erzfeinde«

Bald startet der Katholikentag in Würzburg. Mit dabei: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Welche Tipps er für Gäste hat - und wie er auf Juden, Christen und Muslime in aufgeheizten Zeiten blickt

von Leticia Witte  06.05.2026

Nahost

Rubio: »Die Operation Gewaltiger Zorn ist abgeschlossen«

»Jetzt widmen wir uns dem Projekt Freiheit«, betont der amerikanische Außenminister

 05.05.2026

Krise

Merz schließt Minderheitsregierung und Neuwahl aus

Die schwarz-rote Regierung ist in den vergangenen Wochen im Streit versunken. Der Kanzler sieht trotzdem keine Alternative zur Zusammenarbeit mit der SPD

von Michael Fischer  05.05.2026

Bayern

14-Jähriger im Allgäu getötet - Details zu Verdächtigem werden bekannt

Ein vermisster Jugendlicher, eine Leiche und Polizeischüsse bei einer Fahndung - in Memmingen überschlagen sich die Ereignisse. Jetzt werden weitere Erkenntnisse bekannt

 05.05.2026