Antisemitismus

Familie des Angeklagten schweigt

Gerichtsprozess zum Terroranschlag von Halle Foto: dpa

Im Prozess um den antisemitischen Anschlag von Halle wollen sich die Eltern und die Halbschwester des Angeklagten nicht äußern. Die drei erklärten zu Beginn des vierten Prozesstages am Mittwoch in Magdeburg, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen.

Der Vater nickte seinem Sohn kurz zu, die Halbschwester wich den Blicken des Angeklagten aus. Ein Anwalt der Nebenklage versuchte, die Halbschwester, welche die gleiche Mutter hat wie der Angeklagte, davon zu überzeugen, auszusagen. Die Richterin unterband das. Im Anschluss sollten der Ex-Freund der Schwester sowie ehemalige Mitschüler und Lehrer des Angeklagten vernommen werden.

Dass die Eltern nicht bemerkt haben, dass der Täter seit Jahren Waffen in seinem Kinderzimmer lagerte, bezweifeln die Vertreter der Nebenklage.

Der Beschuldigte hatte an den ersten drei Prozesstagen immer wieder betont, seine Familie habe nichts mit dem Anschlag zu tun, sie habe von seiner Radikalisierung und seiner Bewaffnung nichts gewusst. Die Nebenklage bezweifelt, dass Verwandte und Bekannte des Angeklagten nichts von dessen rechtsextremem Weltbild gewusst haben.

RADIKALISIERUNG Auch dass die Eltern nicht bemerkt haben, dass der Mann seit Jahren Waffen in seinem Kinderzimmer lagerte, bezweifeln die Vertreter der Nebenklage. Zudem sollten am Mittwoch noch frühere Mitschüler und Lehrer des Angeklagten gehört werden.

Der Prozess gegen den 28 Jahre alten Stephan B. läuft seit Dienstag vergangener Woche vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Das Gericht wich für die Verhandlung in die Räume des Landgerichts Magdeburg aus, weil dort ein größerer Verhandlungssaal zur Verfügung steht. Die Bundesanwaltschaft wirft B. 13 Straftaten vor, darunter Mord und versuchten Mord.

SYNAGOGE Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort möglichst viele Juden zu ermorden. In dem Gotteshaus feierten zu dem Zeitpunkt 52 Beter den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Der Angeklagte scheiterte an der Tür der Synagoge und erschoss daraufhin eine 40-jährige Passantin. Später erschoss er in einem Dönerimbiss einen 20-Jährigen.

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026 Aktualisiert

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026