Wahl

Europa, rechts außen

Hetzer mit Mandat und Bezügen: NPD-Abgeordneter Udo Voigt Foto: dpa

Im März zog es Udo Voigt ins Ausland. Der einzige Abgeordnete der NPD im Europaparlament reiste mit der »Alliance for Peace and Freedom« (APF), einem internationalen Zusammenschluss rechtsextremer Parteien, in den Libanon. Dort sicherte er vollmundig der libanesischen Energieministerin Nada Boustani seine Unterstützung gegen Israel zu.

In Brüssel hingegen ist Voigt Einzelkämpfer. Selbst die Fraktion »Europa der Nationen und der Freiheit«, zu der auch die österreichische FPÖ und die italienische Lega Nord gehören, wollte ihn nicht haben.

Was bei Bundes- und Landtagswahlen sicher das Aus bedeuten würde, könnte bei der Europawahl reichen.

Ob der Rechtsextremist, der früher auch NPD-Vorsitzender war, nach der Europawahl am 26. Mai erneut in das Europäische Parlament einzieht, ist offen, aber nicht unwahrscheinlich. Nach einer von dem Magazin »Politico« veröffentlichten Umfrage liegt die NPD in Deutschland derzeit bei einem Prozent der Stimmanteile.

Was bei Bundes- und Landtagswahlen sicher das Aus bedeuten würde, könnte bei der Europawahl reichen. 2014 erreichte die NPD 301.139 Stimmen, 1,0 Prozent, doch sogar mit nur 0,6 Prozent beziehungsweise 184.709 Stimmen zog vor fünf Jahren der Satiriker Martin Sonneborn für »Die Partei« nach Brüssel. Allerdings liegen die Unsicherheiten der Umfragen bei plus/ minus zwei Prozent.

VOLKSVERHETZUNG Die NPD versucht, mit geschmacklosen Provokationen den Sprung in das für sie finanziell lukrative Parlament zu schaffen. Plakate zeigen Voigt mit dem Slogan »Gas geben«. Das ZDF konnte sich vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Nazipartei durchsetzen und muss einen Werbespot nicht zeigen, in dem die NPD behauptet, »seit der willkürlichen Grenzöffnung 2015 und der seither unkontrollierten Massenzuwanderung« gebe es fast täglich »Opfer ausländischer Messermänner«. Der Spot, sagten die Richter, erfülle den Tatbestand der Volksverhetzung.

Auf Provokation setzen auch zwei weitere rechtsextreme Parteien. Spitzenkandidatin der Partei »Die Rechte« ist die in Haft sitzende 90-jährige Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Plakate mit dem Slogan »Israel ist unser Unglück« sollen Stimmen bringen. Gegen diesen Slogan hat nun der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft. Auf einer Demonstration am 1. Mai in Duisburg zog die Kleinpartei mit Parolen wie »Wir sind damals wie heute Hitlers Leute« durch die Stadt.

Die fehlende Fünf-Prozent-Hürde
macht die Europawahl attraktiv.

Am selben Tag marschierte der »III. Weg« in SA-Manier mit Fackeln, Fahnen und Uniformen durch Plauen. Die Polizei hatte den Aufmarsch, obwohl rechtlich möglich, nicht untersagt. Dass der »III. Weg« oder »Die Rechte« ausreichend Stimmen erhalten, ist unwahrscheinlich. Voigt hingegen könnte es schaffen.

AFD Das sind Fragen, die sich der Alternative für Deutschland (AfD) nicht stellen. Sie liegt in den Umfragen bei zehn Prozent. Das ist deutlich mehr als 2014, als die AfD 7,1 Prozent erhielt. Nur Beatrix von Storch blieb von den 2014 gewählten Abgeordneten der AfD treu. Ihr folgte 2017 Parteichef Jörg Meuthen ins Europarlament, nachdem von Storch in den Bundestag gewählt wurde. Bernd Lucke trat 2015 aus der AfD aus und gründete die »Liberal-Konservativen Reformer«. Für die sitzt er mittlerweile alleine im EU-Parlament. Die meisten einstigen AfD-Abgeordneten sind heute ohne Partei, gehören allerdings der Fraktion »Allianz der Konservativen und Reformer in Europa« an, zu der sich zahlreiche Kleinparteien zusammengeschlossen haben.

Die AfD will sich der geplanten neuen Fraktion »Europäische Allianz der Völker und Nationen« (EAPN) anschließen. Hier finden sich nicht nur die deutschen Nationalisten, sondern auch andere rechte Parteien wie die Lega Nord, der belgische »Vlaams Belang« oder die niederländische »Partij voor de Vrijheid«, deren einziges Mitglied Geert Wilders ist. Die EAPN will den Einfluss der EU zurückdrängen und Europa zu einer Festung ausbauen.

Prozenthürde Das Fehlen jeder Prozenthürde in Deutschland macht die Europawahl attraktiv für Kleinparteien. Sie haben hier die Chance, ein Mandat zu erlangen. Das gelang 2014 nicht nur NPD und »Partei«. Auch die Familienpartei, die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), die Tierschutzpartei oder die Piraten konnten Parlamentssitze ergattern.

Attraktiv ist die Wahl auch deswegen, weil der Aufwand, zugelassen zu werden, relativ gering ist: Bundesweit reichen schon 4000 Unterstützungsunterschriften, um mitmachen zu können. Zum Vergleich: Um in Baden-Württemberg bei der Landtagswahl anzutreten, werden 10.500 Unterschriften benötigt, in Bayern sind es mehr als 8000.

Attraktiv ist die Wahl auch deswegen, weil der Aufwand, zugelassen zu werden, relativ gering ist.

Aber auch die müssen erst einmal legal bei Wahlberechtigten gesammelt werden. »Die Rechte« hatte damit offenbar ein Problem: In der vergangenen Woche durchsuchte die Polizei wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und versuchten Wahlbetrug die Geschäftsräume der Partei in Dortmund.

Zwölf Unterschriften aus der Gemeinde Crivitz in Mecklenburg-Vorpommern sollen gefälscht worden sein. Da allerdings wohl bereits 4500 Unterschriften von den Behörden bestätigt wurden, würden auch zwölf gefälschte Unterschriften nichts an einer Kandidatur der rechtsextremen Partei ändern.

Umfrage

Relative Mehrheit der Amerikaner hält US-Unterstützung für Israel für zu stark

Bei dieser Frage sind die Unterschiede zwischen den politischen Lagern groß

 25.06.2026

Magdeburg

AfD-Politiker Reichardt wegen Hitlergruß in Kritik

Der sachsen-anhaltinische AfD-Chef bestreitet den Vorwurf. Zwei Augenzeugen bleiben bei ihrer Darstellung

 25.06.2026

Kolumbien

Knapper Wahlsieg, dramatischer Kurswechsel?

Der knapp zum kolumbianischen Präsidenten gewählte Abelardo de la Espriella will die Beziehungen zu Israel kitten - doch de la Espriella ist wie sein Vorgänger Gustavo Petro sehr umstritten

von Michael Thaidigsmann  24.06.2026

Berlin

Mahnmal für ermordete Zeugen Jehovas eingeweiht

Eine bronzene Stele am Goldfischteich im Tiergarten soll an die 15.000 Frauen und Männer erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden

von Linn Manegold  24.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  24.06.2026

Kontrolle

IAEA-Chef: Inspektionen im Iran werden kommen

Der Chef der UN-Atomwächter stellt klar: Die Überwachung von Atomanlagen ist Teil des US-iranischen Rahmenabkommens. Doch wann und wie IAEA-Fachleute im Iran tätig werden, bleibt vorerst unklar

 24.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Dresden

Sachsen erwägt Verbindungsbüro in Israel

Das sächsische Kabinett stehe seiner Anregung dazu positiv gegenüber, sagt der Beauftragte für jüdisches Leben, Thomas Feist

 24.06.2026

Abu Dhabi

Zugang für IAEA-Inspekteure: Marco Rubio widerspricht Teheraner Regime

Der US-Außenminister spricht auch die Situation in der Straße von Hormus an: »Kein Land darf Gebühren oder Maut für eine internationale Wasserstraße verlangen.«

 24.06.2026