Chemnitz

»Es ist fünf nach zwölf!«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: ZR

Nach den rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz übt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, scharfe Kritik an Politikern und Behörden.

»Die Berichte vom Angriff von Neonazis auf das koschere Restaurant ›Schalom‹ in Chemnitz haben mich erschüttert«, erklärte Schuster am Sonntag. »Für die Versuche einiger Politiker und Vertreter der Sicherheitsbehörden, die Lage in Chemnitz schönzureden, habe ich kein Verständnis.«

Zweifel Die rassistischen Ausschreitungen und der Angriff auf das jüdische Lokal zeigten, wie stark der Rechtsextremismus in der Region verwurzelt sei. »Es ist fünf nach zwölf!«, betonte Schuster. »Die Bestrebungen der Verfassungsbehörden, die Vorfälle offensichtlich zu bagatellisieren, lassen mich ernsthaft an der Arbeit dieser Behörden zweifeln.«

Damit bezog sich Schuster offenbar vor allem auf Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, der bestritt, dass es in Chemnitz eine »Hetzjagd« auf Ausländer gegeben habe und die Echtheit eines Videos dazu anzweifelte.

Der Angriff auf das jüdische Lokal wurde am Abend des 27. August verübt. Zehn bis zwölf Personen bewarfen das Lokal »Schalom« unter anderem mit Steinen und Flaschen, wie der Restaurantbetreiber Uwe Dziuballa berichtete. Er selbst wurde an der Schulter getroffen. Laut der »Welt am Sonntag« riefen die mutmaßlichen Neonazis »Hau ab aus Deutschland, du Judensau!«

ausschreitungen Der Angriff ereignete sich einen Tag, nachdem ein Deutsch-Kubaner in Chemnitz erstochen worden war. Tatverdächtig sind drei Asylbewerber. Daraufhin kam es zu rechtsgerichteten Demonstrationen und ausländerfeindlichen Ausschreitungen in der Stadt.

Schuster warnte, Beschwichtigungsversuche und eine mangelnde Distanzierung von Rechtspopulisten spielten genau diesen Kräften in die Hände. »Wir müssen das Problem beim Namen nennen«, sagte Schuster. Das erwarte er vor allem von den Verantwortlichen für die innere Sicherheit. epd

Interview

»Putin ist in der Sackgasse«

Lettlands Ex-Präsident Egils Levits über Russlands Krieg, einen EU-Beitritt der Ukraine und Europas Handlungsfähigkeit

von Michael Thaidigsmann  01.08.2026

Ankaras Machtfantasien

Wie die türkische Führung von der Eroberung Jerusalems träumt

von Eren Güvercin  01.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026

Frankfurt am Main

Aufruf zu Großdemonstration gegen Judenhass

Anlass des Aufrufs ist eine kürzlich in Frankfurt abgehaltene israelfeindliche Kundgebung, auf der der palästinensische Terror verherrlicht wurde

 31.07.2026

Berlin

Wadephul begrüßt angekündigte Hamas-Entwaffnung

Im Gaza-Konflikt gibt es angeblich eine Einigung: Die Hamas soll ihre Waffen abgeben, Israel seine Truppen aus dem Küstenstreifen abziehen. Die Bundesregierung sendet positive Signale

 31.07.2026

Gaza

Islamischer Dschihad bestreitet Entwaffnungs-Einigung

US-Präsident Donald Trump verkündet eine Einigung auf eine vollständige Entwaffnung der Hamas. Eine andere palästinensische Terrororganisation bezeichnet Berichte darüber als unzutreffend

 31.07.2026

Berlin/Tel Aviv

Constantin Schreiber verlässt Axel Springer

Der frühere »Tagesschau«-Sprecher Constantin Schreiber berichtete seit September 2025 für die Publikationen von Axel Springer aus Tel Aviv. Zum Ende des Jahres verlässt er das Unternehmen

 31.07.2026

New York

NGO fordert Amtsenthebung von Bürgermeister Mamdani

Die Organisation »End Jew Hatred« macht dem New Yorker Bürgermeister in einer Petition schwere Vorwürfe, darunter seine Drohungen gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu

 31.07.2026

Washington D.C./Gaza

Trump verkündet Einigung über nächste Gaza-Phase – Hamas soll Entwaffnung akzeptiert haben

Der amerikanische Präsident sieht einen »gewaltigen Schritt hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit«

 31.07.2026